Man sagt, zu Vollmond heulen die Wölfe.
Und man sagt auch, dass die Lausitz ein Wolfsgebiet ist.
Heute bin ich mit Stephan Kaasche von Wolfswandern draußen und wir gehen auf Spurensuche nach dem Lausitzer Wolf, dem Europäischen Grauwolf.
Der Wolfsexperte teilt mit mir und mit dir, ob Wölfe gefährlich sind, wie du dich in der freien Wildbahn verhalten solltest – und wo du – mit etwas Geduld und Glück wirklich Wölfe in der Natur sehen und beobachten kannst.
Das ist der Blog zum Podcast LausitzLiebe. Das ist dein Podcast für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. LausitzLiebe für alle ist mein Motto und ich hoffe, nach dem Hören dieser Folge, auch deins.
Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration. Ich nehme dich mit an wunderschöne Naturorte der Lausitz, begleite mit dir Ranger und Naturführer und zeige dir spannende engagierte Initiativen und begebe mich mit dir auf die Spuren der Wölfe in der Lausitz.
Bevor es los geht noch eine Bitte:
Wenn dir der Beitrag gefallen hat, teile den Podcast oder diese Website, gib mir eine 5 Sterne Bewertung, kommentiere, was du gerne als nächstes mal von LausitzLiebe unter die Lupe genommen haben möchtest.
Weißt du, wenn aufgrund dieses Podcasts auch nur ein Vorgarten weniger steinig, ein Baum weniger gefällt und auch das Wissen, darüber, was Wölfe sind und warum wir sie zumindest ein Stückchen weit mit etwas anderen Augen betrachten können – dann habe ich mein Ziel mehr als erreicht. Also: LausitzLiebe für alle.
Ich bin deine Naturpilgerin und danke dir, dass du hier bist.
Und eines kann ich dir sagen. Eine Begegnung mit diesem faszinierenden Tier Wolf ändert die Relation. Ich habe das Glück in der Lausitz schon zweimal Wölfen begegnet zu sein und bin sehr dankbar dafür. Die Fragen, die mir dabei kamen, habe ich mitgenommen zu dieser Waldwanderung mit Stephan Kaasche.
Stephan Kaasche bietet Umweltbildung für Kinder und Erwachsene an und bietet Wolfsexkursionen an. Wenn du also mal was über Wölfe lernen willst – dann solltest du unbedingt mit Stephan Kaasche unter www.wolfswandern.de Kontakt aufnehmen. Stephan Kaasche ist Ur-Lausitzer und nimmt dich nicht nur mit zu den Wölfen und anderen Tieren und Pflanzen, sondern auch in die Lausitz.
Doch los geht’s auf eine kleine Wolfsexkursion für LausitzLiebe. Schon ein paar Schritte im Wald begegnet uns Wolfslosung, also Wolfskacka. Wölfe markieren damit ihr Revier. Und die Leitwölfe markieren meist auf den Wald – und Forstwegen. Warum?
Naja, weil die Tiere auch gern den bequemen Weg gehen. Waldwege sind offen. Und die Eltern des Rudels machen deutlich, wo der Hammer hängt und welches ihr Revier ist. Übrigens nur diese “scheißen” auf den Weg.
100 bis 300 Quadratkilometer pro Wolfsrudel 15 km Durchmesser kreisförmig. Der Rand nennt sich Streifgebiet, da können schon mal mehrere Rudel aufeinander treffen bzw. es gemeinsam benutzen.
Vor einigen Wochen habe ich dir ja von den Bibern erzählt, die älter als die Braunkohle sind – und wieder eingebürgert wurden, nachdem sie ja schon ausgerottet waren.
Ähnlich wie der Wolf, der allerdings von selber eingewandert ist. (Man hat ihn nur gelassen). Und nun ist es so, dass der Wolf als eine Nahrung auch junge Biber hat. Auf die Nahrung kommen wir gleich.
Doch mal ganz ehrlich. Der Wolf frisst auch junge Biber, dort wo er kann. Alte Biber eher nicht, die sind zu wehrhaft. Ein Biber ist niedlich. Ein Wolf aufgrund unserer archaischen Erfahrungen vielleicht eher potenziell gefährlich.
Nun frisst der Wolf den jungen Biber. Ist der Wolf böse? Ist der Biber das Opfer? Ich persönlich glaube nicht, dass wir natürliche Zusammenhänge mit menschlichen Maßstäben und unserer Moral bewerten können.
Wir essen ja auch Tiere. Du, wenn du vegan lebst, vielleicht nicht. Aber du isst Pflanzen. Es wurde ja festgestellt und wissenschaftlich untersucht, dass Pflanzen Schmerz empfinden. Also der Weizen, der geerntet wird um dein Brötchen zu backen, dem tut das weh. Der muss sterben. Kleiner Nachdenker heute.
Doch jetzt wieder zurück zu Stephan Kaasche von Wolfswandern und seiner Expertise. Ich wollte wissen, wie man drauf kommt, Wolfsexperte zu werden. Begonnen hat alles in seiner Kindheit – und im Hoyerswerdaer Zoo… Ausführlich hörst du das im LausitzLiebe Podcast.
Doch nun mal Butter bei die Fische. Ist der Wolf gefährlich für dich und mich, wenn wir so im Walde und der Lausitzer Natur umher wandern? Und was du tun solltest, wenn dir ein Wolf gar nicht von der Backe geht?
Also fassen wir zusammen.
Wenn du wirkliche einem Wolf begegnest:
Stephan Kaasche jedenfalls meint: Er sei froh über jeden Wolf, den wir NICHT sehen. Das kann ich nachvollziehen.
Im April kommen die Wolfsjungen zur Welt. Vier Wochen sind sie im Bau, in der Wolfshöhle und dann kommen sie Schritt für Schritt raus. In der Obhut der Mutter werden sie langsam groß. Die typischen Wolfszähne bekommen sie nach ca. 6 Monaten. Dann gehen sie auch mit ihren Eltern auf die Jagd. Was auf den Tisch bei Familie Wolf kommt, dazu später mehr. Spoiler vorab. Schafe sind es eher selten! Die Jungen bekommen Muttermilch und später hervorgewürgtes, vorverdautes Fleisch.
Wenn dir wirklich Wölfe begegnen sollten, die Junge dabei haben, dann verkrümel dich und lass die Tiere in Ruhe.
Unterbrechung: Wir haben wieder eine Losung gefunden. Die ist so silbrig grau und voller dunkler Haare. Wildschweinborsten sind da durch den Verdauungstrakt des Wolfes gewandert und liegen nun hier auf dem Weg.
Wolfsexperten vom Wolfsmanagement zur Unterstützung des Monitorings vermessen die Losung, schreiben auf, wo, wann, was gefunden wurde. Fotos werden gemacht. Manchmal wird eine Probe genommen. Kaasche hat ein ganzes Sammlung von wichtigen Hilfsgegenständen mit, um alles genau zu dokumentieren. So entsteht ein feinmaschiges Netz aus Informationen. Über die Genetik kann man bestimmte Wölfe ganz genau bestimmen.
Wölfe nutzen die Losung, um Ihr Revier zu markieren und es ist gar kein Zufall, dass Wölfe genau dort markieren, wo Wegkreuzungen sind, wo viele Wege abgehen. Damit mal klar ist, das hier ist mein Revier – und du, fremder Wolf, bleibst gefälligst draußen.
Der Kot hat viele Botschaften – ist eine richtig interessante Visitenkarte, aus dem die Tiere einiges lesen können, zum Beispiel Alter, Geschlecht, Trächtigkeit usw.
Wölfe werden alt. Die älteste Wölfin in der Lausitz ist vor wenigen Wochen gestorben. Sie war 13 Jahre alt. Das ist ein sehr gutes Alter für Wölfe. Die meisten kommen nicht über die ersten 2 Jahre hinaus.
Wie viele Wölfe sind denn nun in der Lausitz?
Das kann man schätzen, anhand der Wölfen mit Sendern, anhand der Losungen und einem ungefähren Durchschnitt, wie viele Junge sie zur Welt bringen.
Die Wölfe mit den Sendern geben natürlich am meisten Aufschluss darüber, wie sich Wölfe verhalten.
Meistens werden die Sender an Jungtieren befestigt. Weil man die am ehesten kriegt, um die Sender umzulegen. Alte, erfahrene Wölfe machen häufig sogar Bögen um die Wildkameras und bleiben so gänzlich unerkannt.
Und so kann nachgewiesen werden, dass die Wölfe beträchtliche Entfernungen zurücklegen. Bis Weißrussland zum Beispiel. Oder aus der Lausitz von bis an die Ostsee.
Wolf aus Niedersachsen bis nach Nordspanien. Mit Sender aus Schweiz nach Ungarn.
Die Hauptbeute der Wölfe sind Rehe. Auch Wildschweine und kleinere Tiere werden gefressen.
Den Wolfsbau nutzen die Wölfe nur für die Jungenaufzucht. Die Welpen sind die ersten 4-5 Monate im Bau. Später schlafen die Wölfe in ihrem Revier immer draußen – rollen sich zusammen und schlafen einfach unter einem Baum – z.B. in einer Schonung. Oder auch unter Windkraftanlagen – da werden Wölfe öfter gesichtet. Wer genau will schon unter Windkraftanlagen spazieren gehen. Dort, wo kaum Menschen sind, fühlt sich der Wolf wohl.
Der Mensch und der Wolf. Oft ein kontrovers diskutiertes Thema:
In der Lausitz sind die Reviere ausgeschöpft. Alles besetzt würde man locker formulieren.
Stephan Kaasche erzählt, dass der Bestand der Wölfe in der Lausitz stagniert. Man vermutet zweierlei Gründe. Zum einen: Alle Wohnräume besetzt. Zum anderen hat die Schweinepest ja auch gerade das Schwarzwild dezimiert und so gab es weniger Beute.
Da die Natur schlau ist, passen sich dann auch – das hatten wir schon mal beim Biber, die Nachwuchszahlen an das Nahrungs- und Platzangebot an. Jetzt wandern Wölfe nach Mecklenburg-Vorpommern aus.
Wölfe lieben dichten Wald gar nicht so sehr, wie es im Märchen beschrieben wird. Wölfe mögen wo Beute ist. Da ihre Beute Gras frisst, und junge Bäume, die wiederum eher Licht benötigen, sind sie häufig auch in offeneren Landschaften mit reichlich Nahrungsangebot für ihre Beutetiere. Graslandschaften. Rotwild schält z.B. bei jungen Kiefern auch gerne mal die Rinde ab.
Jagen Wölfe immer in Rudeln? In Gruppen? Klares Nein von Stephan Kaasche. Denn während ein junger Wolf sein eigenes Revier sucht, muss er ja alleine jagen. Ebenso, wenn die Fähe, das Wolfsweibchen, schwanger ist oder sich um den Nachwuchs kümmert.
Wir entdecken auch wieder eine Wolfsspur. Sowohl Stephan Kaasche wie auch ich sind begeistert.
Doch nicht nur Wolfsspuren sind zu sehen, auch Rotwild, Rothirsch, ist zu sehen.
Während wir weitergehen, sprechen wir darüber, ob wir denn nun den Wolf zu Gesicht bekommen? Das kann gut sein, dass der Wolf da ist, während wir hier wandern. Aber in den meisten Fällen sieht der Wolf uns – und beobachtet die Spaziergänger während wir plaudernd an dem Tier möglicherweise vorbeigehen.
Mit seiner Schäferhündin Anima macht Kaasche ein Experiment. Er schickt das Tier vielleicht 10 Meter weg in das etwa kniehohe und von jungen Kiefern durchsetzte Gebiet und lässt es still sitzen. Schon nach wenigen Sekunden habe ich den Hund aus dem Blick verloren, der still da sitzt und jede unserer Regungen beobachtet. So ähnlich, nur wesentlich weiter weg, verhielte sich ein Wolf, wenn er denn da wäre.
Der Wolf ist faszinierend. Wofür ist er gut? Und Stephan Kaasche sagt: Die Dinge – und auch der Wolf stellt einen Wert an sich dar. Kann man einen monetären Wert bemessen:
Und wie kann man denn mit dem Wolf umgehen?
Am besten, man sucht sich eine Art Co-Existenz. Also ein miteinander. Schafe und Herden schützen – ja, das muss dann ausgeglichen werden. Und aufklären, aufklären, aufklären.
Das Land Sachsen hat eine Fachstelle Wolf. Zu den Aufgaben spricht Stephan Kaasche:
Das Monitoring Jahr geht am 1. Mai los und bis zum 30.4. In diser Zeit werden die Fotofallen (automatische Fotoapparate, die in den betrachteten Gebieten hängen) – immer wieder von den Experten gelehrt, d.h. die Bilder ausgelesen und an die Experten z.B. von der Senckenberg Stiftung oder dem Institut Lupus geschickt.
Diese werden dann ausgewertet und bilden auch noch mal ein weiteres Puzzleteil bei der Betrachtung der Wolfsbesiedlung in der Lausitz.
Stephan Kaasche hatte kürzlich Glück. Da war ein Wolfsrüde (Wolfsmann) mit einem Sendehalsband fotografiert worden.
Und kurz hinterher kam eine Fähe, so heißt der weibliche Wolf. Hier konnte man natürlich genau bestimmen, welcher Wolf da am Fotoapparat vorbeispazierte.
Das heißt man kann jetzt davon ausgehen, dass dieser Wolf vielleicht demnächst ein Rudel gründen wird. Fotofallen bringen da richtig Licht ins Dunkel.
Um sich wiederzufinden, heulen Wölfe übrigens. Der Wolf heult, um sich bemerkbar zu machen. Ob wirklich immer besonders viele Wölfe zu Vollmond heulen, das mag Stephan Kaasche nicht bestätigen.
Das alles erzählt der Wolfsexperte während wir auf den Spuren des Wolfes wandern. Und natürlich wäre er nicht Wolfsexperte, wenn die Spur nicht auch dokumentiert und vermessen werden müsste.
Schrittlänge über einen halben Meter. Respekt. Der ist hier gerade lang geschnürt. Wölfe sind richtig schnell. Bis zu 60 km/h kann ein Wolf erreichen. Der Europäische Grauwolf ist hier bei uns am Start.
Wo in Deutschland gibt es eigentlich Wölfe? Schau auf die Website DBB – Dokumentations. und Beratungsstelle und schau dort auf die Rasterzellen. Da kannst du recht detailliert entdecken, wo überall in der Lausitz Wölfe vorkommen. Den Link packe iich dir in die Beschreibung, übrigens auch den Link zum Stephan Kaasche und Wolfswandern.
https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/besetzte-Rasterzellen.
Wo kannst du gut Wölfe beobachten?? Am Aussichtspunkt am Bergener See (das ist im Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland) während der Dämmerung morgens und abends. Da kannst du mit Geduld Wölfe sehen. Auch viele Vögel sind dort zu sehen. Unbedingt brauchst du neben Geduld ein gutes Fernglas.
Da ist ein Wolf! Ein heller Fleck weit weit weg. Nur mit Fernglas zu erkennen und ich kann ihn sehen. Ein Welpe, der uns beobachtet. Erst zieht er sich zurück. Und dann bleibt er wieder stehen und guckt zu uns. DANKE. DANKE! Und auch wenn du mich fragst. Das bleibt ein richtiges Erlebnis.
Stephan Kaasche geht recht schnell weiter, um das Tier nicht zu stören. Immer weiter gehen. Auf keinen Fall nachstellen. Wölfe sollten sich nicht daran gewöhnen, dass Menschen da sind. Und natürlich nicht gestört werden.
Wenn der Wolf da ist, heißt das, dass wir reich sind und es uns gut geht. Denn nur, wenn Wild übrig ist, was der Wolf jagen kann, sind Wölfe auch da.
So habe ich das noch nie gesehen. Der Wolf als Zeichen für Fülle.
Hach, ich lieb solche Erkenntnisse und das ist der Grund dafür, warum ich LausitzLiebe mache. Solche Dinger herausfinden begeistert mich mega.
Stell dir mal vor: Wir alle würden wieder ein bisschen mehr wissen, wo unser Essen herkommt. Dass ein Wolf anzeigt, welchen Reichtum wir hier haben.
Koexistenzen sind die Zukunft. Und ich bin sehr dafür, dass wir das üben.
Gerade angesichts der Tatsache, die mir Stephan Kaasche noch mal ins Bewusstsein geholt hat. Wir haben gerade das größte Artensterben seit die DinoSaurier ausstarben. Auch das darf ich in diesem Podcast der guten Nachrichten aus Natur und Umwelt einmal sagen.
Was wünscht sich Stephan Kaasche für die Zukunft? Eines ganz gewisse. Dass sich noch mehr Menschen für die natürlichen Zusammenhänge um uns rum interessieren.
Abschießen war gestern – auch zwischen Menschen.
Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin.