Ist es soweit: Schießen statt Koexistenz?
Ist das unser Ernst? Haben wir immer noch nichts gelernt? Opfern wir den Wolf wirklich politischen Macht- und Klickbaiting Stimmen?
Disclaimer: Das ist ein Kommentar.
Dein Podcast LausitzLiebe ist ein journalistisch recherchierter Podcast, der sich um Natur und Umwelt in der Lausitz befasst. Ich bin Jana Wieduwilt und hoste sowie moderiere diesen unabhängigen Podcast.
Ich wähle dieses Format für diese Folge, weil es – im Gegensatz zu anderen Folgen, meine Meinung klar und deutlich wiedergibt.
Das war 2025. Nun hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf vorgelegt, die es aus meiner Sicht in sich hat. Nämlich: Der Wolf ist jetzt ins Jagdgesetz eingeordnet worden.
Nicht mehr im Naturschutzgesetz.
Der Wolf ist jetzt jagdbar wie Wildschwein, Hirsch, Reh und Fuchs. Und ehrlich, ich halte schon mal gar nichts von der Jagd als solches – und nun darf der Wolf, den wir schon mal ausgerottet hatten, wieder ausgerottet werden. Glückwunsch.
In der Parlamentarischen Debatte waren unser Landwirtschaftsminister Alois Reiner und die CDU, die AfD und die SPD recht klar dafür. Die Linken und die Grünen dagegen.
Das ist erstmal soweit, so schlecht.
Was mich wirklich aufregt, neben der Tatsache, dass wir sehenden Auges nicht nur bewusst unsere Artenvielfalt und den Wolf in seiner wichtigen Funktion im Wald einschränken, sondern auch die Scheinheiligkeit, mit der die Ausrottung des Wildtieres begründet wird.
Sie wird begründet vom Gesetzentwerfer Bundeslandwirtschaftsministerium damit, dass man die Viehhalter schützen müsse, weil sie einen Beitrag zu unserer Kulturlandschaft leisten und – hör zu, aufgrund der Wölfe ihre Tätigkeit aufgeben müssten.
Und ja, viele Viehhalter haben es schwer. Aber nicht wegen der Wölfe. Schon jetzt lohnt sich z.B. Schafzucht zur reinen Verwertung nur schwer. Die meisten Schäfer erzielen mindestens 60 % ihres Einkommens – seit vielen Jahren bereits aus Landschaftspflegemaßnahmen. Die Schafe stellen durch ihr Fressen nämlich Offenlandschaften für besonders Arten her. So.
Man kann ganz genau sagen, wie viele Schafe gerissen wurden. Schafe und Ziegen sind Beute für den Wolf. Allerdings nur ein Bruchteil seiner sonstigen Nahrung.
Im Jahr 2024 fanden deutschlandweit etwas mehr als 1000 Angriffe von Wölfen auf (meist ungeschützte) Schaf- und/oder Ziegenherden statt. Und ja, der Wolf reißt Tiere. Das liegt in seiner Natur.
Ich zitiere aus dem Bericht des DBBW zu Prävention und Nutztierschäden. „Die Anzahl der von den Bundesländern bestätigten Wolfsübergriffe auf Nutztiere sank gegenüber dem Vorjahr deutschlandweit um 13 % und die Anzahl der geschädigten Nutztiere um 25 %.
Dabei verlief die Entwicklung der Schadenszahlen in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich. In den Ländern mit den meisten Wölfen (mehr als 10 Wolfsterritorien im Monitoringjahr 2023/24), nahm die Anzahl der wolfsverursachten Übergriffe in fast allen Bundesländern deutlich ab, während sie in Mecklenburg-Vorpommern anstieg (DBBW 2024)“
Die Ursache dafür sehen die Experten vom Wolfsinstitut Lupus, der Senckenberg Stiftung für Naturkunde, dem Leibnitz Institut für Naturforschung und dem Bundesamt für Naturschutz – immerhin doch sehr renommierte Forschungseinrichtungen, darin, dass die Schutzmaßnahmen der Herdenhalter inzwischen greifen. In Mecklenburg-Vorpommern, wohin sich der Wolf gerade ausbreitet, sind die Viehhalter noch nicht darauf eingestellt – dort sind die Schäden gestiegen.
Und: Die Nahrung des Wolfes besteht zu mehr als 90 % aus Reh, Wildschwein und Co. Nutztiere machen 1,6 % seiner Nahrung aus. 1,6 Prozent. Das bedeutet von 365 Tagen im Jahr frisst ein Wolf an 5 Tagen Nutztiere. Alles klar??
Also noch mal anders erklärt:
Für jedes vom Wolf gerissene Tier kann der Viehhalter bislang eine Ausgleichszahlung erhalten. Und diese Ausgaben sind kontinuierlich angestiegen. Noch viel wichtiger: Auch Herdenschutzmaßnahmen, wie Zäune und Co. werden gefördert. Schon seitdem die Wölfe wieder bei uns eingewandert sind. Sicher, ich gebe dem Argument Raum, dass die Viehhalter nicht nur bei der reinen Technik, wie Zäune, Elektroschutz und Co, sondern intensiver auch bei den Kosten für die ERRICHTUNG der Anlagen unterstützt werden müssen, keine Frage.
In Brandenburg z.B. werden 100 % der Kosten für durch den Wolf getötete Tiere basierend auf dem Marktwert, 100 % der Tierarztkosten für die Behandlung verletzter Tiere max. bis zum ermittelten Marktwert, 100 % der Kosten für Sachschäden an Weidezäunen einschließlich des benötigten Zubehörs.
In Sachsen, bei Hobbyhaltern und Nebenerwerbslandwirten durchschnittlicher Marktwert, bei Betrieben kann tatsächlicher Erlös aus letztem Jahresabschluss herangezogen werden ja, 80 % der Tierarztkosten und Arbeitskosten für Suche nach vermissten Tieren, 100 % durch Übergriff zerstörtes Weidematerial, kein zeitlicher Ausgleich.
So sieht es aus.
Was viele Viehhalter zu Recht kritisieren, ist ein strukturelles Problem. Schaffen sie sich z.B. Herdenschutzhunde an, um ihre Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen, werden zwar teilweise die Anschaffungskosten von mehreren 1000 Euro für die Hunde bezahlt. Aber das Futter, was so ein Hund zu sich nimmt, über die Jahre – das kostet und wird nicht bezahlt. Der Hund ist nur zwischen seinem 4. und 8. Lebensjahr wirklich einsatzfähig, vorher ist er zu jung und der Wolf nimmt werde zu junge noch ältere Tiere wirklich als Bedrohung wahr.
Auch Viehhalter, die Wölfe lieben und mögen, müssen in Schutzmaßnahmen investieren, damit ihre Lebensgrundlage erhalten bleibt und ich finde es schlimm, wenn Schafe, Ziegen und Co. gerissen werden.
Doch ist ein Abschuss von Wölfen wirklich die Lösung – oder wird hier die Sichtweise der Naturschützer gegen die berechtigten Interessen der Viehhalter ausgespielt??
Aber zu argumentieren, dass der Wolf den armen Ziegen und Schafen blutrünstig den Garaus macht – UND dass nur der ABSCHUSS des Wildtieres die Viehhalter rettet, sorry, dass ist schlicht und ergreifend, wenn nicht bewusst unehrlich, dann zumindest fahrlässig unreflektiert. Wir machen also in Deutschland ein Gesetz, dass das Jagdrecht ÜBER das Naturschutzrecht stellt.
Dazu kommt, dass über Abschussquote und Co. die Jagdbehörden entscheiden. Was wollen Jagdbehörden: Genau. Jagen. Kannste dir also denken, was passieren wird.
Hier wird also ganz ganz bewusst und reichlich polemisch mit der archaischen Urangst des Menschen vor dem Wolf gespielt, um – sorry not sorry auf populistische Weise die Angst auszunutzen, um die Interessen einer Lobby durchzusetzen.
Und ehrlich: Das regt mich auf.
Unsere Abgeordneten im Bundestag haben dem in der Debatte mehrheitlich zugestimmt.
Übrigens wurde nicht nur der Wolf, sondern auch das MURMELTIER ins Jagdrecht aufgenommen. Ob das Murmeltier auch die Viehhaltung ärgert, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls wurde das in der Parlamentsdebatte nicht erwähnt.
So, und warum sollte denn der Wolf uns erhalten bleiben?
1. Was ist das für eine Frage? Es ist ein Lebewesen. Bist du Gott, dass du über andere Wesen richten kannst? Bin ich Gott? Wer sind wir denn, dass wir glauben, die Natur steuern zu können. Nein.
2. Der Wolf rettet Wälder. Er reguliert das Rotwild, das wir in Deutschland reichlich haben. Rotwild verbeißt, weil es so zahlreich vorkommt, die jungen Bäume. Waldverjüngung findet in den dichten Rotwildbeständen also nicht statt. Weniger Rotwild mehr Bäume, besseres Klima.
3. Der Wolf ist die Gesundheitspolizei des Waldes: Durch das Entfernen kranker Tiere verbessern Wölfe die Gesundheit der gesamten Beutepopulation.
4. Wiederherstellung des Ökosystems: Die Rückkehr des Wolfs ist ein Zeichen für ein intaktes Ökosystem und trägt zur Artenvielfalt bei.
5. Könnte es sein, dass der Wolf einfach schön ist. Ein schönes, scheues Tier, das wir noch viel zu wenig erforscht haben.
6. Wir jagen zum Vergnügen. Wir sind SATT. Wir töten. AUS VERGNÜGEN.
Fazit:
Fazit: Der Wolf gehört zur Lausitz. Auch die Landwirte gehören zur Lausitz. Vor allem gehören sie zur LausitzLiebe und da finde ich ein Miteinander in einer Abwägung der Interessen als ganz ganz wesentlich. Hör dazu gern in meinen Wolfspodcast rein, Episoden 15 und 16, wenn du ganz viel über das Verhalten dieser wertvollen Tiere wissen und dir selbst eine Meinung bilden möchtest. Und abonniere den Kanal, denn demnächst kommt eine Folge mit Schäfern, die ihre Erfahrungen berichten.
Ich wünsche dir und mir eine ehrliche lobbyfreie Politik und ganz viel LausitzLiebe.
Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt