Agroforst - aus der Lausitz in die Welt
Weißt du, was ein WALD_ACKER System ist? Was richtig feines. Per Neudeutsch nennt man das Agroforst. Alles Aggro oder was? Nein, natürlich nicht. Heute befassen wir uns mit einer Landwirtschaftsform, die im Grunde uralt ist. Seit einigen Jahren geht von der Lausitz aus ein deutschlandweites Signal, wieder mehr Romantik in die Beziehung zwischen forst und Feld zu bringen.
(Was wir von Olivenhainen udn Korkeichenwäldern lernen können).
Agroforst - was ist das?
Ich habe im Podcast zwei fachkundige Personen zu Gast: Dr. Christian Böhm. Er ist Fachmann für Agroforstsysteme und Vorsitzender des Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft (DeFAF) e.V.
Er wird uns mitnehmen in Hintergründe für dieses System, was wirklich vieles verändert.
Und dann habe ich noch Landwirt Thomas Domin aus Peickwitz besucht.
Bei knirschendem Frost sind wir auf seinen Agroforstflächen herumgestiefelt und ich habe ganz praktisch verstanden, was Agroforst bedeutet.
Warum das Ganze aus der Lausitz deutschlandweit ausstrahlt, dass erfährst du wenn du weiter liest und was du ganz persönlich tun kannst, um mehr Bäume auf die Äcker zu bringen.
Ich möchte von Dr. Christian Böhm wissen, was Agroforst eigentlich ist.
Es ist eine Mischung aus Agrar- also Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Das bedeutet, Bäume und Sträucher werden auf den Feldern gepflanzt.
Warum Agroforst in der Lausitz?
Da gibt es verschiedene Gründe:
Erstmal werden die Gehölzstreifen so angelegt, dass die Maschinen immer noch gut um die kleinen “Wäldchen” herum fahren können.
Die Gehölzstreifen sorgen dafür, dass der Boden auf der Fläche bleibt, daas es weniger windig ist, das Mikroklima besser und nicht zuletzt, sich auch Tiere ansiedeln.
Warum sind solche Systeme besonders in der Lausitz gut geeignet?
In der Lausitz ist ewiger Wassermangel. Sofort wenn ein Gehölzstreifen eingeordnet wird, dann bleibt mehr Wasser auf den Flächen. Aber auch, bei guten Bodenstandorten, bleiben die Böden erhalten. Damit bleiben die Erträge stabil.
Agroforst: Wer hat's erfunden?
Zunächst forschte Dr. Christian Böhm daran, Tagebauflächen mittels Gehölzen zu verbessern. Weil die Ergebnisse so überraschend gut waren, begann er, sich in Agroforstsysteme zu vertiefen. Seit 2019 gibt es den Verband Defaf.
Früher nannte man das übrigens: Baum-Feldwirtschaft. Hach. Der gute alte Heinrich Cotta, ein berühmter Forstwissenschaftler aus dem 19. Jahrhundert. Wenn du so willst, war das der Begründer der geregelten Forstwirtschaft. Also er hat als erster die wirtschaftlichen Ausbeutung von Wäldern voran getrieben. Wo stammt der Meister her? Nein, nicht ganz aus der Lausitz sondern aus Tharandt (Das ist nahe Dresden und da gibt es bis heute eine Forstwissenschaftliche Fakultät).
Ich finde aber eben auch den neuen Studiengang Sozialökonomisches Waldmanagement von Peter Wohlleben am der FH Eberswalde möglicherweise inzwischen etwas zeitgemäßer.
Aber zurück zur Agroforstwirtschaft. Diese Initiative, die hoffentlich noch viele viele Anhänger findet, ist quasi in der Lausitz geboren.
Warum wächst die Agroforst-Bewegung inzwischen deutschlandweit?
Es gab ein Forschungsprojekt – in der Lausitz, bei Thomas Domin.
Und in der Lausitz wurde der Fachverband für Agroforstwirtschaft gegründet, der schnell von 90 bis auf jetzt 600 Mitglieder gewachsen ist. Das Thema findet immer mehr Anklang, auch in der Praxis. Jedes Jahr entstehen neue Agroforstsysteme in Deutschland – auch wenn es noch viele Hürden gibt.
Die Menschen und das Thema Bäume steckt viele Menschen an. Es gibt viel ehrenamtliches Engagement, der Vorstand z.B. arbeitet ehrenamtlich. Und das Netzwerk ist kunterbunt und so entsteht eine breite Vernetzung zwischen unterschiedlichen Disziplinen.
Es gibt z.B. den Science Club, wo sich angehende Wissenschaftler sich vernetzen können.
Der Verband hat auch ehrenamtliche Agroforstbotschafter ernannt, die deutschlandweit für die Baum.-Feldwirtschaft werben, unter anderem Thomas Domin, den du nachher noch kennenlernst.
Doch bei allem Enthusiasmus. Im Prinzip wäre es ja einfach. Jeder Bauer in Deutschland pflanzt Gehölzstreifen. Aber sooooo einfach ist das nicht. Warum denn eigentlich? Ist doch eigentlich was Gutes, Bäume und Sträucher anzupflanzen, oder?
Es gibt einige Vorbehalte, z.B. weil die Flächen der Bauern z.T. nicht im Eigentum sind.
Und das zweite Hindernis ist das Geld, das investiert werden muss. Auch naturschutzrechtliche Rahmenbedingungen sind für Agroforstsysteme zumindest anstrengend. Es ist eine Nutzungsänderung. Und diese muss im Grunde genehmigt werden, denn es gibt keine Planungssicherheit.
Und lassen wir es mal so. Der wirtschaftliche Aspekt spielt hier eine Rolle. Es heißt immernoch Land- und Forstwirtschaft.
Das Ziel des Verbandes ist es, es den Bauern einfach zu machen, diese Gehölze auf ihren Flächen anzupflanzen.
Und trotzdem sind in der Lausitz schon einige Betriebe dabei, Yeah!! Etwa 10 Betriebe in der Lausitz befassen sich derzeit mit Agroforst.
Agroforst sieht schön aus und hält ganz schön Wasser
Agroforst sieht übrigens schön aus. Die Hecken oder Gehölzstreifen gliedern die Landschaft. Doch „nebenbei“ bieten diese Streifen ja auch Lebensraum. Wirkt sich also auf die Biodiversität aus. Und das ist auch ganz gut untersucht.
Es sind noch lange nicht alle Arten untersucht worden, aber man kann eindeutig nachweisen, dass die meisten Arten von der stärkeren Strukturierung der Landschaft profitieren. Nicht ganz so fein finden das einige Offenlandarten.
Was aber definitiv Fakt ist: Wasser bleibt gerade in usnerer Streusandkiste, der trockenen Lausitz, deutlich länger in der Landschaft. Das bestätigen auch die Wissenschaftler des Senckenberg Museums in Görlitz. Der Podcast dazu wird in den nächsten Wochen erscheinen, hör da unbedingt rein, warum wir Wasser so lange wie möglich bei uns in der Lausitz halten sollten.
Der Wind ist der Hauptfaktor der zur Austrocknung der Böden beiträgt. Die Gehölzstreifen sorgen dafür, dass der Wind abgebremst wird. Die Flächen werden so gekühlt und das Wasser bleibt. Immerhin 30 % weniger Verdunstung!
Mehr Agroforst für alle in der Lausitz
Das hat der Verband erforscht, doch es gibt ja noch weitere Projekte, die der Verband durchführt.
Zum Beispiel wurden Agroforstbrote gebacken. Roggen von Landwirt Domin, der regional verbacken und als Brot verkauft wurde. Und ein weiteres Projekt wird durch den Verband koordiniert, in dem 50 Betriebe deutschlandweit mitmachen um Agroforst weiter zu erforschen.
Jetzt sind wir sehr sehr bei den Landwirten gewesen. Aber was können du und ich als Einzelpersonen machen, um Agroforst zu fördern?
Da gibts mehrere Dinge, sagt Dr. Christian Böhm:
- Agroforstprodukte kaufen
- Weiterempfehlen und Schulklassen und weiteren Menschen davon erzählen
- Spenden an den Verband
- Wandern gehen, sich den Strukturen erfreuen, sich an den Tieren erfreuen, die dort sich wohlfühlen
- Jeder kleine alte Bauerngarten mit Bäumen ist im Grunde ein archaisches Agroforstsytem – also Leude legt Waldgärten an.
- Städtische Grünflächenämter – bitte legt Waldgärten in euren Städten an.
Fazit: Mehr Waldgarten für alle.
Agroforst praktisch - im Gespräch mit dem Landwirt
Ich treffe Thomas Domin, Landwirt aus Peickwitz, an einem bitterkalten Morgen.
Der Schnee knirscht unter unseren Füßen. Doch in der Teeküche sitzen und über Agroforst reden, das ist nicht die Sache des Landwirts.
Wir gehen auf den Acker, dorthin wo jetzt Agroforstflächen sind. Ich sehe eine einstmals riesige Ackerfläche, die sicherlich, so viel ist auch mir klar, mit den großen, modernen Maschinen sehr gut zu bewirtschaften war.
Nun ziehen sich Gehölzstreifen durch in Abständen durch die Landschaft. Der Schnee macht das Ganze noch eindrucksvoller. Eine klare Struktur.
Ich möchte wissen, warum er Gehölze pflanzt, wenn doch der Traktor nicht mehr ganz so schnell über den Acker brausen kann.
Weil ihm sonst sein Produktionsmittel davon geweht wird. Die kostbare Ackerkrume.
Und ich sehe Apfelbäume.
Es sind vielerlei Obstgehölze, die als uraltes Agroforstsystem schon immer gegeben hat. Nun hat Bauer Domin gezeigt, dass Agroforst durchaus sehr vielfältig sein kann.
Darüber hinaus sind alte Wegeflächen, die sich noch im kommunalen Eigentum befinden und zu DDR Zeiten überpflügt worden sind, ebenfalls mit Gehölzen bepflanzt worden. Das macht die Fläche deutlich strukturierter, aber eben auch aufwändiger zu bewirtschaften.
Domin hat 2012 angefangen zu planen und 2015 waren die ersten Pflanzungen.
Er erinnert sich gut an die Anfangszeiten, wo er mit der ganzen Familie die Bäumchen gepflegt hat.
Ziel ist auch hier, die Gehölze zu ernten, sprich zu nutzen. Domin konnte erstmals 2019 ernten und nimmt immer nur Teile der Gehölzflächen weg, so dass der kühlende, bodenerhaltende Efffekt erhalten bleibt.
Es ist auch eine Fläche für Experimente.
Agroforst für alle? Oder lieber nicht?
Und Hand aufs Herz. In der Theorie klingt das alles richtig gut. Aber hat das nun tatsächlich Effekte auf den Ertrag des Landwirts?
Es wird Humus direkt am und im Gehölzstreifen aufgebaut. Das ist auch messbar. Der Mehrertrag kann so nicht gemessen werden. Allerdings ist der Ertrag stabilisiert. Obwohl 10 % des Ackers mit Gehölzen aufgebaut und das wird ausgeglichen?
Könnten das alle Landwirte machen?
Domin kann es nur jedem empfehlen.
Wenn so ein System einmal steht, ist es dann fertig?
Nein, es kommen gelegentlich neue Flächen dazu oder aber es gibt neue Ideen, so dass ein Agroforstsystem quasi nie ganz fertig wird.
Die Tiere fühlen sich absolut wohl, Nicht nur die Rinder, sondern auch Hasen und Vögel suchen Schutz in der nun deutlich strukturierteren Landschaft.
Thomas Domin ist nicht nur Fan von Agroforstsystemen sondern auch Botschafter für diese Systeme.
Wenn ich Thomas Domin eine Wunschfee sende. Was wünscht er sich für die nächsten 10 Jahre?
Er wünscht sich, dass Agroforstsysteme nicht mehr Einzelmaßnahmen sind.
Und ich komme noch mal um die Ecke mit meiner Wunschfee. Was wünscht sich Dr. Christian Böhm für die nächsten 10 Jahre in Bezug auf Agroforst?
Eine gute Ausfinanzierung des Verbandes und eigene Agroforstflächen.
Warum LausitzLiebe?
Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt