Hotspot der Biodiversität - Mosaikteil

MosaikTeil Feuerspuckerpflanzen und Ameisenlöwen Senckenberg Naturkunde Görlitz

Dieses Mal bin ich nicht draußen – sondern habe wunderbare Gesprächspartner und Experten gefunden – an einem ganz besonderen Ort. Heute nehme ich dich mit ins Senckenberg Museum Görlitz, wo wir ganz und gar nicht verstaubt, sondern lebendig und praxisnah den Lebensraum der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft erkunden. Ich sage dir: Hier in Görlitz findest du eine Schatzkammer der Natur in einem wunderschönen Gebäude.

Doch erstmal herzlich willkommen, hier auf Blog LausitzLiebe. Das ist dein Blog und Podcast für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. LausitzLiebe für alle ist mein Motto und ich hoffe, nach dem Hören dieser Folge, auch deins. 

Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration und auch darum, was zu lernen. Jeder einzelne kann nämlich was tun, auch heute lernen wir, was du und ich für einen gesunden Boden tun können – und warum wir das machen sollten. Ich nehme dich mit an wunderschöne Naturorte der Lausitz, begleite mit dir Ranger und Naturführer und zeige dir spannende engagierte Initiativen und begebe mich heute auf Spurensuche zwischen Bodenkrümeln, Fadenwurm und Bärtierchen.

Bevor es los geht noch eine Bitte: 

Wenn dir der Blog gefallen hat, kommentiere, was du gerne als nächstes mal von LausitzLiebe unter die Lupe genommen haben möchtest. Teile Blog und Podcast und empfiehl ihn weiter. 

Weißt du, wenn aufgrund dieses Beitrags auch nur Baum weniger gefällt oder verstümmelt wird, ein Laubsauger mehr verschrottet und ein Laubhaufen mehr liegen bleiben darf – dann habe ich mein Ziel mehr als erreicht. Also: LausitzLiebe für alle. 

Ich bin deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt und danke dir, dass du hier bist. Heute bin ich im Gespräch mit Lisa Janke, Projektmitarbeiterin beim Projekt MoSaiKTeil. Was genau das Projekt ist und was das mit LausitzLiebe zu tun hat, dazu kommen wir gleich noch. Ebenfalls mit im Gespräch ist Christian Düker, er ist Pressesprecher des Senckenberg Museums in Görlitz und Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz. Wo sind wir heute eigentlich?

Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft

Im Senckenberg Museum Görlitz in der Ausstellung zur Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Doch was hat es nun mit dem eigentümlich klingenden Namen MoSaiKTeil auf sich.  Lisa Janke erklärt das im Podcast genauer. Hier so viel: 

Das ist ein Hotspot der Biodiversität. Ein Mosaik der Lebensräume.

Ich finde die Sammelhefte und Interaktive Mosaiktrails ganz toll. Schon jetzt lade ich dich ein, dich auf so eine Schnitzeljagd mal zu begeben und hautnah durch die Biodiversität zu sliden. Wenn du hierfür mehr wissen möchtest, klick auf den Link in der Beschreibung oder spring zu LausitzLiebe.de – auch da ist der Link zu MoSaiKTeil zu finden.

Nun ist das ja, wie wir gelernt haben alles menschlich gemacht. Eine menschgemachte Vielfalt. Ist das noch Natur? Oder wie? Ich wollte es mal ein bisschen einordnen und habe Lisa Janke genau das gefragt, ob das nun, wenn der Mensch doch die natürliche Landschaft überformt hat, noch Natur? Warum ist das also schützenswert, wenn’s doch gar keine “echte“ Natur ist.

Biodiversität vom Menschen gemacht

Tatsächlich macht das menschliche Wirken in dieser Kulturlandschaft die Vielfalt aus.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das Ideal der eingriffslosen Welt oder der Kulturlandschaft nun in Sachen Naturschutz anzustreben ist. Die Ergebnisse meines Denkprozesses sind ein Sowohl-als-auch.

Einerseits gibt es in Mitteleuropa aus meiner Sicht nur noch ganz wenige – wenn nicht gar keine echten Naturrefugien mehr. Der Mensch ist überall schon gewesen und hat eingegriffen. In der Lausitz wird die sumpfige Gegend schon seit tausenden von Jahren durch Menschen urbar gemacht.

Der Spreewald mit seinen Kanälen ist eine bekannte Kulturlandschaft, das ganze Seenland mit den Seen aus ehemaligen Tagebauen ist eine riesige Kulturlandschaft.

Ob das Seenland nun mit besonders hoher Artenvielfalt aufwarten kann, muss ich erst noch erkunden. Eine enorm hohe Artenvielfalt haben der Spreewald und auch die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Auf engstem Raum sind hier verschiedenste Lebensräume, was dazu führt, dass sich besondere Pflanzen und allerlei Tiere hier wohlfühlen. Eine Pflanze sieht ganz ganz niedlich aus, ist aber ein echtes Fressmonster. Da kommen wir gleich noch drauf.

Doch noch mal zuück. Lisa Janke erwähnte den Hotspot der Biodiversität. Was bedeutet Biodiversität

Also fassen wir zusammen:

Biodiversität bedeutet

  • besonders vielfältige Lebensräume oder Ökosysteme
  • besonders viele verschiedene Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien)
  • besondere genetische Vielfalt innerhalb einer Art, also z.B. besonders viele verschiedene Arten von Äpfeln

Was genau wird denn nun in diesem Naturschutzprojekt MoSaikTeil gemacht?

Was macht MoSaiKTeil in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft?

Das Naturschutzprojekt MoSaiKTeiL greift die kleinteilig wechselnden Zwischenmoore, Sandheiden, Kiefernwälder und Teiche der Lausitz auf. Gemeinsam mit den Bewohner*innen, Teichwirt*innen, Naturschützer*innen, Umweltbildner*innen und Behörden sollen konkrete Maßnahmen umgesetzt und zukunftsweisende Ansätze zum Erhalt der biologischen Vielfalt dieser Hotspotregion entwickelt.

 

Namensgebend für die Landschaft sind ja die Teiche. Tatsächlich sind hier über 1000 vom Menschen angelegte Teiche. Seit mehr als 500 Jahren wird hier auf traditionelle Weise Fischzucht betrieben. Übrigens ist das Gebiet seit 1996 UNESCO Biosphärenreservat.

Die Teiche sind menschgemacht. Das bedeutet, durch Zuflüsse und Nährstoffeintrag entstehen wieder Sedimente im Teich. Langfristig würden die Teiche verlanden. Verschwinden, trochen fallen. Und dadurch würden dann die Tiere die jetzt hier in so vielen Arten vorhanden sind, verschwinden. Das bedeutet, die Teiche müssen gepflegt werden, wie eh und je, damit sich Seeadler, Kraniche, Eisvögel, Rohrweihen, Reiher, Bekassine und Pflanzen wie der Große Wiesenknopf, Sibirische Schwertlilie, Natternkopf, Graue Skabiose, Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Salbei weiterhin hier wohl fühlen.

Die Teiche und Moore

Ziel ist es, den Lebensraum zu erhalten. Und das ist harte Arbeit. Spätestens alle 30 Jahre müssen die Teiche entschlammt werden. Tatsächlich wurden wohl früher die Teiche von Hand entschlammt. Heute ist Gottseidank einige Technik da.

Spannender Side-Fact. Teichwirtschaft ist wirtschaftlich solide, aber auch kostenintensiv. Man sagt, dass eine Teichwirtschaft 30 Jahre gut wirtschaften muss, um das Geld für die Entschlammung eines Teiches zusammen zu bekommen. Von daher hilft das Projekt auch ganz konkret den Teichwirten und dem Erhalt dieser historischen Bewirtschaftungsform.

Doch verlassen wir mal die Teiche. Lang ist der Weg nicht, denn das Charakteristikum der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sind genau die kleinteiligen dicht aneinanderliegenden ganz unterschiedlichen Landschaften. Komm mit mir auf einen virtuellen Sprung ins Moor.

Immer mehr Moore verschwinden. Durch Austrocknung. Deshalb hat sich das Projekt der Wiedervernässung von Mooren gewidmet. Wie das gemacht wird, erzählt Lisa Janke.

Doch wir haben mit Wasserknappheit zu kämpfen. Überall in Deutschland aber besonders in der Lausitz. Hinzu kommen noch die Grundwasserabsenkungen durch Tagebau und Co. Umso wichtiger ist es, dass jetzt angestoßen wird, was langfristig wieder Moor werden soll. 

Fleischfressende Pflanzen in der Oberlausitz und Wasser für Berlin

Christian Düker macht noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Das Wasser der Spree, das die Lausitz bestimmt und auch das Teichgebiet speist, dient der Wasserversorgung der Hauptstadt. Je länger das Wasser in der Region gehalten werden kann, desto besser das Wasser für Berlin.

Eine Pflanze die ganz besonders ist, ist das Torfmoos. Das Torfmoos kann enorm viel Wasser speichern, ist eine Art natürlicher Schwamm.

Ich frage mich (und auch Lisa Janke und Christian Düker) was passiert denn konkret, um Moore zu erhalten? Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Landwirte, die diese Flächen warum auch immer in ihrer Bewirtschaftung haben, nicht gerade freuen, wenn diese häufig als Wiesen genutzten Flächen wieder Moor werden sollen. 

Lisa Janke erklärt, dass Naturschutz nicht nur Bäume pflanzen und Gräben zuschütten oder Teiche entschlammen bedeutet. Ein ziemlich großerTeil der Arbeit betrifft auch das Kommunizieren und Verhandeln. Es müssen z.B. Eigentümer ausfindig gemacht werden, Gespräche geführt, die jeweiligen Interessen abgewogen und dann ggf. Käufe durchgeführt und Ersatzflächen für den Verkäufer gefunden werden. Ein zähes Ringen um Interessenausgleich zwischen Natur und Mensch. Ich persönlich lerne – in jedem Podcast, dass es keinesfalls darum geht, das eine also z.B. Landwirtschaft zu verteufeln und das andere, z.B. unberührte Natur in den Himmel zu heben.

Es ist eben ein Dialog. Eine Abwägung von Interessen.

Mir ist klar, dass ein Flächeneigentümer lieber Weideflächen als “nutzlose” Moore haben möchte.

Hier ist die Moderationsrolle so enorm wichtig. Und ehrlich, das war mir vor diesem Podcast überhaupt nicht so klar, wie wichtig das Akzeptanz schaffen auf beiden Seiten ist. 

Eine ganz besondere Pflanze aus dem Moor haben wir. Das ist der Sonnentau. Und der ist hochspannend. Sie ist keineswegs Vegetarier.

Und den Sumpfporst. Hat eine berauschende Wirkung,

Feuerspucker Pflanzen und der Kiefernwald

Doch jetzt verlassen wir die Moore der Oberlausitz und springen aufs nächste Fleckchen Erde. Meine geliebten Kiefernwälder. Ich weiß, dass es Forst ist – wirtschaftlich genutzt und eine Monokultur darstellt. Ich mag diese Wälder trotzdem sehr gerne. Sie sind für mich Heimat.

Streurechen. So wurde der Boden extrem nährstoffarm. Nun wird das Streurechen durchgeführt, um Bärlapp, Wintergrün, Erdflechten und holzbewohnende Käfer.

Ganz besonders ist der Keulenbärlapp. 

Das sind Feuerspucker Pflanzen.

Ich bin begeistert: Feuerspucker Pflanzen in nährstoffarmen Kiefernwäldern. Mich fasziniert immer wieder mit welcher Beobachtungsgabe und welcher Lust am Ausprobieren die Pflanzen in ihren Eigenheiten und Wundern genutzt wurden. Und nun haben wir eben Feuerspucker Bärlapp gefunden. Hach, ich liebe diese Geschichten. Der Bärlapp braucht also recht offenen Waldboden ohne viele Nährstoffe. Übrigens finde ich es auch bemerkenswert, dass, egal, wie der Mensch bewirtschaftet und tut und macht, sich immer wieder geduldige Pflanzen und Tiere finden, die diese Bedingungen feiern und sich dort ansiedeln. Damit will ich keinesfalls dem weiteren Raubbau der Natur Tür und Tor öffnen sondern weiter gerne daran erinnern, dass  wir Menschen TEIL der Natur sind. Wir stehen nicht drüber oder drunter. Sondern wir sind im Mosaik quasi ein Teilchen, das seinen Beitrag dazu beisteuert, wie es um die Natur bestellt ist. Leider vergessen wir das manchmal und das macht mich traurig, wenn achtlos mit der Natur umgegangen wird. Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Oder mit LausitzLiebe. Das fänd ich toll. 

Doch zurück in den Kiefernwald. Da gibt es zum Beispiel den Kiefernprachtkäfer, die im Tothholz der Kiefern ihr Larvenstadium durchleben. Der Kiefernprachtkäfer braucht Totholz und eben Kiefern. 

Übrigens: Es gibt auch Streurechen-Aktionen im MoSaiKTeil Projekt. 

Der Ameisenbär in der Sandheide

Und weiter gehts zur Sandheide. Der trockenste Standort in der Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft. Was hat es denn mit der Sandheide auf sich?

Das sind extreme Standorte. Trocken. Mit starken Temperaturschwankungen zwischen der Tageshitze und der kühlen oder auch kalten Nacht. Hier können nur ganz wenige, sehr spezialisierte Arten überleben.

Klasse. Eine Kreiselwespe, die zur Sandschauflerin wird.
Und was ist das Lieblingstier von Lisa Janke?

Das ist der Ameisenlöwe, der Konstrukteur und lauernder Jäger. 

Scheint ja ein berechnendes eigenwilliges Tierchen zu sein, der Ameisenlöwe. Was es so alles für Tiere gibt in unserer Lausitz. Da geht mein Herz mal wieder in LausitzLiebe-Modus.

Mitwirken ist ausdrücklich erlaubt. Denn Sandlebensräume existieren nur, wenn sie gepflegt werden. Das bedeutet, Gehölze müssen entfernt werden. 

Ich habe noch mal etwas indiskret gefragt, ob es einen Lieblingsplatz für die Projektmitarbeitern von MoSaiKTeil gibt?

Zukunftswünsche für die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft

Was wünscht sich Lisa Janke für die Zukunft?

Dass die Menschen hier stolz auf die Vielfalt ihrer Landschaften sein mögen. 

Und nicht nur darauf, denn wir befinden uns auch mitten im Sorbischen Siedlungsgebiet. Ein kleines Volk, das vielerlei besondere Bräuche, Ihre eigene Sprache und Kultur seit vielen Jahrhunderten hier lebt. Auch das ist Vielfalt, alleine wenn ich an die sorbischen Märchen und Sagenfiguren von Krabat bis Wassermann erinnere.

Dem habe ich gar nichts mehr dazu zufügen. Denn das ist genau der Grund, warum ich diesen Podcast, übrigens komplett ehrenamtlich produziere. Ich finde, dass es sooo viel Schönes und Erhaltenswertes und auch Bestaunenswertes hier bei uns in der Lausitz gibt, das ist das was ich erzählen möchte. 

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt