Die Biodiversitätsmacher - vom Acker zum Trittsteinbiotop

Löcher buddeln, Wasser schleppen, Erde bewegen – bei gefühlten 40 Grad, freiwillig, am Wochenende. Rund 20 Menschen und viele Kinder arbeiten an einer Biodiversitätsinsel in der ausgeräumten Agrarlandschaft der Lausitz. Was sie antreibt, was dabei entsteht und warum die Idee größer ist als ein Stück Land.

Biodiversität Lausitz

Luxus ist hier Fehlanzeige. Ein Küchenwagen, alles sehr rustikal, ein Sonnensegel gibt etwas Schatten, eine Jurte steht ein Stückchen weiter, und überall auf dem Grundstück verteilt stehen kleine Zelte. Kreuzfahrtschiff geht anders. Und doch wirken die Teilnehmenden hier glücklicher als Hotel- oder Kreuzfahrtschiffgäste. Das Auge kann weit schweifen hier am Darbeiner Winkel. Hier wird nämlich Biodiversität gemacht.

Was mich neben dem Lächeln der Menschen noch überrascht: Sie haben nicht nur ihre Freizeit gegeben, sondern sogar ein paar Euro dafür bezahlt, hier mitmachen zu können.

Nicht viel, aber doch eben etwas. Matthias aus Senftenberg, ein LausitzLiebe-Hörer, hatte mir den Tipp gegeben, dass hier was für die Natur passiert. Ich bin hingefahren.

Was ist eine Biodiversitätsinsel?

Die ausgeräumte Agrarlandschaft der Lausitz kennen wir alle. Weizen, Weizen, Weizen. Mais, Mais, Mais. Kein Baum, kein Strauch, Monokultur soweit das Auge reicht. Wenn wir Glück haben, gibt es mal ein Jahr Sonnenblumen.

Genau in dieser Landschaft setzt der Verein zukunftsfähig.org an. Projektinitiator Robert Strauch, Permakultur-Gestalter und seit seinem elften Lebensjahr Aktivist, hat das Konzept der Biodiversitätsinsel entwickelt: kleinere Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausnehmen, durch einfache, einmalige oder zweimalige Eingriffe umgestalten und dann sich selbst überlassen.

Schaffe Zustandsunterschiede und das Leben stellt sich ein.

Das ist das Motto des Projekts. Keine aufwendige Dauerpflege, keine jährlichen Interventionen. Eine Initialzündung und dann beobachten, was kommt.

In Dabern hat der Grundstückseigentümer Martin, der das Land von seinem Großonkeln geerbt hatte, die 1,5 Hektar für 25 Jahre an zukunftsfähig.org verpachtet. Er ist selbst Teil des Projekts und voll begeistert dabei.

Was auf dem Gelände entsteht

Was letztes Jahr noch Ackerboden war, sieht heute schon anders aus. Natalie Krieger, die im vergangenen Jahr an allen drei Camps teilgenommen hat und in diesem Jahr mitorganisiert, zeigt mir das Gelände.

Entlang der langen Seite des Grundstücks zieht sich ein Gehölzstreifen. Hasel, Weide, Buche, Esche, Eiche, Holunder, Rotdorn, Kreuzdorn, Weißdorn, Aronia. Von den 1.500 gepflanzten Pflanzen sind nach einem Jahr mindestens 1.200 noch auf der Fläche. Gegossen wurde genau einmal – im Mai des Vorjahres. Seitdem kommen die Pflanzen alleine zurecht, im typischen Sandboden der Lausitz.

Dazu kommen Teiche, Hügel, eine Bienenarena aus Totholz und Sand – spontan entstanden, als eine Gruppe beschloss, das gespendete Totholz der Straßenmeisterei Finsterwalde gleich zu nutzen. Das Totholzmaterial liegt jetzt in der Bienenarena, und die Bienen haben es schon entdeckt. Sie bohren ihre Löcher, bauen ihre Nester, legen ihre Eier.

Nix Bienenhotel aus dem Baumarkt.

Außerdem gibt es eine Bienenburg, die nach einer offiziellen Bauanleitung errichtet wurde. Matthias hat sich am zweiten Camp-Tag spontan bereit erklärt, den Bau zu leiten – weil jemand ja sagen musste und weil das Material da war. Um die Jurte herum entsteht ein Obstbaum-Rondell. In zehn Jahren sollen hier kleine Obstbäume stehen. In zwanzig mittelgroße. In dreißig fast ausgewachsene Bäume, die den Gemeinschaftsplatz beschatten.

Und hinten am Rand: ein künftiger Kletterplatz aus Stöcken, eine Matschecke, Raum für Kinder und für Menschen aus dem Dorf, die einfach mal vorbeikommen und einen Nachmittag hier verbringen wollen.

Wer hier arbeitet und warum

Die Teilnehmenden kommen aus Freiburg, aus Lübeck, von Amrum, aus Hamburg, aus Köln und aus der Lausitz. Manche bleiben einen Tag, manche zwei, die meisten alle drei Tage von Donnerstag bis Sonntag.

Im vergangenen Jahr waren es bei drei Camps zwischen 30 und 35 Menschen pro Veranstaltung. In diesem Jahr, selbstorganisiert, sind es knapp 30 einschließlich Kinder.

Jeder zahlt einen kleinen Beitrag, unter 100 Euro, für Essen und Material. Niemand bekommt Geld: nicht fürs Kochen, nicht fürs Materialherschleppen, nicht für die Organisation. 

Warum tun Menschen das? Robert Strauch erklärt: Es geht nicht nur darum, wo welche Pflanze hinkommt. Es geht darum, ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen. Die Menschen singen zusammen. Jeder Morgen beginnt mit einer Runde, in der jeder gehört werden kann. Die Gruppe organisiert sich selbst nach den Prinzipien lebendiger Systeme.

„Die Separation von der Erde ist einer der Hauptgründe, warum wir gesellschaftlich in einer Sackgasse stecken. Und wahrscheinlich auch ökologisch.“ Robert Strauch

Matthias bringt es auf seine Weise auf den Punkt: Er wollte seine Heimat besser kennenlernen und sein eigenes Grundstück in Senftenberg zum Leben erwecken. Hier sieht er, wie das aussehen könnte. Er lernt Techniken. Und er findet Menschen, die dasselbe wollen.

Biodiversität in der Lausitz – ein Modell mit Potenzial

Den Begriff Biodiversitätsinsel hat zukunftsfähig.org geprägt.

Trittstein-Biotope gibt es als Begriff, aber diese spezifische Formulierung ist neu.

Vorläuferprojekte gab es bereits in der Prignitz und im Hohen Fläming, teils privat, teils über Spenden, teils über Fördermittel finanziert.

Das Camp in Dabern lief im vergangenen Jahr mit Mitteln aus dem Teilhabefonds unter dem Titel ‚Einfach lebendig‘. In diesem Jahr trägt es sich selbst.

Die BTU Cottbus-Senftenberg hat die Fläche bereits ins Auge gefasst, letztes Jahr Bodenproben genommen und möchte den Standort in ihr Real-Labor-Portfolio aufnehmen. Was Robert Strauch sich darüber hinaus wünscht: eine wissenschaftliche Begleitung durch Botaniker, eine Kartierung des Anfangsbestandes, die Anerkennung von Biodiversitätsinseln als Ausgleichsflächen und dass die Stiftung Naturschutz Brandenburg das Konzept in ihr Förderprogramm aufnimmt.

Die Grundthese des Projekts: Auch kleinere Flächen biodivers umzugestalten macht einen Unterschied in der Agrarlandschaft besonders dort, wo durch intensive Landwirtschaft kaum noch Strukturen vorhanden sind. Ein Patchwork kleiner Inseln, die als Trittsteinbiotope funktionieren. 

Was du tun kannst

Schau bei zukunftsfähig.org vorbei und klick auf den Mitmachen-Button. Wenn du einen Garten hast: Lass wilde Ecken entstehen. Ertrag die Unordnung. Freue dich an dem, was von selbst kommt. Auch ein Balkon kann ein Beitrag zur Biodiversität in der Lausitz sein.

Und wenn du ein Grundstück oder eine Fläche kennst, die sich für eine Biodiversitätsinsel eignen könnte: Das Projekt sucht Eigentümer, die bereit sind, ihre Fläche dafür herzugeben.

LausitzLiebe für alle. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt.

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Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

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Weißt du, wenn aufgrund dieses Podcasts auch nur Baum weniger gefällt oder verstümmelt wird, ein Laubsauger mehr verschrottet und ein Laubhaufen mehr liegen bleiben darf – dann habe ich mein Ziel mehr als erreicht. Also: LausitzLiebe für alle. 

Ich bin deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt und danke dir, dass du hier bist.

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