Die Gewässerretter
Vor einigen Wochen war ich mit Linda Leibhold am Haselbach zwischen Großröhrsdorf und Königsbrück. Der Haselbach war ein Beispiel für das, was Linda Leibhold und ihre Kolleginnen und Kollegen vom DVL Landesverband Sachsen tun. Sie machen nämlich Gewässer 2. Ordnung wieder langsam und natürlich. Warum das gut ist für unsere Natur, warum es eine Mammutaufgabe ist und was du ganz persönlich für unsere Fließgewässer tun kannst, erfährst du in diesem Podcast.
ZusammenFLUSS
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Linda arbeitet für den DVL-Landesverband Sachsen e.V. Das ist der Verband der sächsischen Landschaftspflegeverbände. Zweck des Vereins ist die landesweite Beförderung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und des Sächsischen Naturschutzgesetzes insbesondere durch die Unterstützung der Umsetzung von Artenschutz- und Biotopverbundprojekten sowie die Mitwirkung bei der Sicherung der Kohärenz des europäischen Schutzgebiets Natura 2000. Grundlage der Arbeit des DVL-Landesverbands wie auch der regionalen Landschaftspflegeverbände ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Kommunalpolitik („Drittelparität“).
Linda arbeitet für das Projekt “ZusammenFLUSS“.
Beraterinnen und Berater für Gewässerunterhaltung
Auf Basis eines Kooperationsvertrages zwischen dem SMUL (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft) und dem DVL-Landesverband Sachsen e.V. sind seit Herbst 2024 im Rahmen des Projekts ZusammenFLUSS in fünf Modellregionen sogenannte „Berater und Beraterinnen Gewässerunterhaltung (BGU)“ eingesetzt. Eine dieser Beraterinnen ist Linda Leibhold.
Die Modellregionen sind die Landkreise Bautzen, Zwickau, Leipzig, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, sowie der Altkreis Torgau/Oschatz.
Diese Beraterinnen und Berater haben die Aufgabe, die Kommunen bei der Planung, Finanzierung und Umsetzung von naturnahen Gewässerunterhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen im genehmigungsfreien Bereich zu unterstützen. Dabei fungieren sie als regionale Kümmerer, bringen die verschiedenen Akteure am Gewässer zusammen und engagieren sich für eine effiziente Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie integriert mit Belangen des Hochwasser- und Naturschutzes. Das Projekt läuft bis zum Ende des Jahres 2027.
Was macht ein gesundes Gewässer in der Lausitz aus?i
Ich finde das Klasse. Doch komm jetzt einmal mit raus an den Haselbach. Hier zeigt uns Linda Leibhold eines ihrer Projekte. Du wirst bestimmt genauso begeistert sein, wie ich.
Wir stehen an dem kleinen Bach, der circa 1-2 Meter breit ist. Lang schlängelt sich der Bach durch das Tal. Wir stehen auf einer Weide, auf der anderen Seite des Flüsschens verläuft eine Straße und dahinter sind Häuser zu sehen. Man kann gut erkennen, dass hier vor kurzem “Flussbauarbeiten“ im Gange waren.
Was macht eigentlich einen gesunden Bach aus?
Vielfältige Strukturen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, in der Strömung, kurviger Verlauf, Flachwasserzonen und Bereiche, wo sich das Wasser ausdehnen kann. Dazu gehören ebenfalls Uferstauden und Bäume, um das Gewässer zu beschatten.
Nun sind speziell an dem Haselbach, wo wir mit Linda Leibhold am Beispiel ansehen, was die Gewässerretter machen, nicht nur die Uferprofile wieder zurückgebaut worden, sondern auch Gehölze gepflanzt worden…
Weniger ist beim Flüsschen oft mehr
Der Pflegeaufwand wird tatsächlich weniger für die Kommunen.
Es ist so, dass in Sachsen die Kommunen für die Unterhaltung Gewässer zweiter Ordnung rechtlich in der Pflicht sind. Zur Unterhaltung zählt einerseits die Sicherung des ordnungsgemäßen Abflusses (Hochwasserschutz), als auch die ökologische Entwicklung des Gewässers. Dafür gibt es verschiedene übergeordnete Gesetzgebungen, ganz wichtig ist die sog. EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000. Sie schreibt vor, dass bis 2027 alle Gewässer in einen „guten Zustand“ zu bringen sind. Aktuell erreichen im Freistaat Sachsen nur etwa 7 % der Gewässer diesen guten Zustand. Die Gewässer sind stark begradigt, ausgebaut, oft unbeschattet und mit Nährstoffeinträgen insbesondere aus angrenzenden Landwirtschaftsflächen aber auch Einträgen z.B. durch Kleinkläranlagen belastet. Während naturnahe Gewässer viele wichtige Funktionen erfüllen (Lebensraum, Naherholung, Puffer Dürre, Puffer Hochwasser, Landschaftsbild, …), erfordern ausgebaute Gewässer ständigen Mitteleinsatz durch Unterhaltung (Mähen, Krauten, Räumen, …). Das heißt im Umkehrschluss: je naturnäher ein Gewässer, desto besser kommt es mit den Klimawandelfolgen klar, desto besser funktioniert das Gewässer bei Hochwasser UND desto weniger Geld muss ich jährlich in die Unterhaltung investieren. Das sind sehr gute Argumente für eine Gewässerentwicklung.
Eine ganze Reihe sehr sehr logischer Argumente, die rein rational absolut Sinn ergeben. Nun müssten sich ja die Kommunen im Grunde reihenweise anstellen, um ihre Gewässer naturnah wieder herzustellen. Ist das so?
Machen die Menschen mit beim Gewässer-Retten?
Einige Kommunen sind sehr aufgeschlossen. Die meisten wissen, dass ein “weiter-so” nicht mehr geht. Fläche hat Widerstandskraft genommen, sowohl bei Dürre, wie auch bei Hochwasserereignissen.
Was genau machen also die Beraterinnen und Berater Gewässerunterhaltung? Dürfen sie den ganzen Tag Faschinen legen, Weidenpflanzen und Gewässer von den Trapezprofilen befreien?
Also ich fasse mal zusammen:
Die Schwierigkeiten in der Umsetzung liegen vor allem in der Flächenverfügbarkeit begründet und auch insgesamt mit falschen Erwartungen z.B. bei den Anliegern („das sieht gar nicht mehr ordentlich aus hier“). Teilweise ziehen die Projekte auch große bürokratische Aufwendungen mit sich (viele Behörden sind am Gewässer beteiligt) – wir in unseren Stellen bewegen uns aber vornehmlich im genehmigungsfreien Bereich. D.h. unser Ziel ist: mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz viel bewirken. (Hintergrund: Eine Renaturierung des Gewässers ist meist ein größeres Unterfangen und in der Verfahrensart ein Gewässerausbau, wir im Bereich der Gewässerentwicklung sind vornehmlich im Bereich der genehmigungsfreien Gewässerunterhaltung unterwegs). Die dritte Schwierigkeit sind (wie immer) finanzieller Natur, wobei es auf Landesebene eine gute Förderung für Gewässerentwicklungsmaßnahmen gibt, die mit 90 – 95 % viel abdeckt.
Dinge die die Beraterinnen und Berater für Gewässerunterhaltung am meisten tun:
- schauen, wie die laufende Gewässerunterhaltung, die die Kommune macht, extensiver (=naturverträglicher) + effektiver (=kostengünstiger) umgesetzt werden >> sie schauen fachlich drauf: wo muss wirklich unterhalten werden und wo kann das Gewässer in Ruhe gelassen werden? Wenn unterhalten muss, wie geht das möglichst schonend und fachgerecht?
- Gewässerentwicklungsmaßnahmen initiieren >> die BGUs schauen nach Gewässerabschnitten, wo sie dem Gewässer „etwas gutes tun können“, z.B. naturfernen Verbau entfernen, naturnähere Laufstrukturen anlegen, Ufer und Sohle naturnäher gestalten, Gehölze anlegen, … gleichzeitig klären sie Einverständnis der Eigentümer, helfen bei Förderanträgen bzw. suchen nach geeigneten Finanzierungsquellen, unterstützen bei der Planung oder Ausschreibung bis hin zur Umsetzung und Pflege, so wie hier am Haselbach
(3. immer immer immer versuchen sie Akteure am Gewässer zu vernetzen, Leute an einen Tisch zu bringen die sonst nicht/zu wenig miteinander sprechen, Und sie sensibilisieren für das wichtige Thema naturnaher Gewässer von Landwirten, Bürger:innen, bis hin zum Ministerium oder MdLs, …)
Es sind viele viele Gespräche notwendig. Denn es geht nämlich nicht darum, irgendwas durchzudrücken, sondern partizipativ eine Lösung zu entwickeln, mit der alle gut leben können. Koexistenz von Interessen. Das finde ich als Beispiel für den gesamten Naturschutz eine gute Sache!
Wie offen sind denn die Menschen, wenn es um das Gewässer im Dorf geht?
Der Kompromiss ist das Ziel
Hier gilt es einen guten Kompromiss zu finden aus der berechtigten landwirtschaftlichen Nutzung und den Interessen des Naturschutzes. Und es geht eben vor allem um ein Miteinander, nicht darum, was durchzudrücken. Denn es geht um pragmatische Lösungen, keinen Dogmatismus.
Was kann jeder/jede einzelne tun? Lieschen Müller und Jana Wieduwilt
Was du tun kannst für den Gewässerschutz:
Wenn man das große Glück hat, ein Gewässergrundstück zu haben, bitte an die gesetzlichen Vorgaben halten und einen Streifen von 5 Metern frei zu halten, kein Schuppen, kein Kompost, kein Holzhaufen… um auch im Falle des Hochwassers hier zu vermeiden, dass Dinge mitgerissen werden. Das zweite ist es, bitte pflanzt keine Nadelbäume oder Koniferen ans Gewässer. Die Nadeln machen das Gewässer zu sauer. Bitte Weiden, Erlen, Bergahorn, Hartriegel und Co. pflanzen. Spät die Wiese mähen.
Aber auch Bürgerinnen und Bürger: Nehmt an Pflanzfesten teil, redet über die Beraterinnen und Berater für Gewässerschutz. Schaut bitte mal, ob ihr ein klein bisschen toleranter gegenüber anscheinender Unordnung sein könnt… Ein Gewässer darf nicht geputzt aussehen, dann ist es klinisch nicht mehr gesund.
Zum Agroforstsystem hast du auch einen Podcast bei LausitzLiebe. Höre oder lies rein zum Thema Agroforst.
Und ich habe dem nichts hinzuzufügen. Außer: Danke an Linda Leibhold und ihre Kolleginnen und Kollegen für ihre Arbeit. Dieser integrative Ansatz ist das, was jetzt notwendig ist. Bitte bitte mehr davon. Und hier ist das schönste Schlusswort, das es gibt:
Wenn dir der Blog efallen hat, dann teile ihn, leite ihn weiter, schreib mir, welches Thema ich demnächst mit LausitzLiebe unter die Lupe nehmen soll. Mir bleibt, dir eine schöne Zeit zu wünschen, immer gesund fließende Gewässer und natürlich ganz viel LausitzLiebe.
Warum LausitzLiebe?
Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt
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