Wo die Nachtigall gern brütet – und: Schulfach Natur für alle!
Du hast sie vielleicht schon gehört. Diesen Gesang, so schön, dass Dichter ihn in ihren Werken verewigt haben. Die Nachtigall selbst ist dagegen ein unscheinbarer, brauner Vogel. Und wo sie am liebsten brütet, hat mich ehrlich überrascht.
Für diese Folge von LausitzLiebe war ich bei Naturfilmer, Naturfotograf und Buchautor Karsten Nitsch zu Gast. Er ist ein echtes Lausitzer Natur-Urgestein. Wir sitzen in seinem Naturrefugium direkt an der Spree, im Hintergrund singen Amsel und Grasmücke, und es gibt richtig guten Kaffee.
Unser Gespräch spannt sich von der Nachtigall über Wolf und Biber bis zur geheimnisvollen Waldschnepfe. Und am Ende steht ein Wunsch, der so einfach ist, dass man sich fragt, warum wir ihn noch nicht umgesetzt haben.
Wie geht es der Natur in der Lausitz?
Karsten Nitsch nennt sich nicht gern Experte. „Naturführer“ ist ihm lieber. Auf meine Frage nach dem Zustand der Lausitzer Natur antwortet er mit einem Blick aufs große Ganze: Natur sei nie statisch, sie ist immer in Bewegung.
Seit Jahrhunderten gestaltet der Mensch die Lausitz nach seinen Bedürfnissen – von den slawischen Siedlern mit ihren Teichen bis zum Braunkohletagebau. Überraschend für mich: Den Tagebau sieht er heute differenzierter als früher. Vielerorts habe man dort vor allem Kiefernforste abgebaggert, Monokulturen also. In den Bergbaufolgelandschaften entsteht wieder Neues. Wichtig sei nur, dass wir der Natur dort auch Flächen überlassen. Denn der beste Gestalter ist die Natur selbst.
Bauchschmerzen bereitet ihm dagegen die intensive Landwirtschaft: Maisschläge und Rapsfelder bis zum Horizont, verdichtete Böden, verschwundene Hecken. Gleichzeitig nimmt er uns Verbraucher in die Pflicht. Wer für Lebensmittel einen fairen Preis zahlt, gibt Landwirten Spielraum für mehr Rücksicht auf die Natur.
Was du in deinem Garten tun kannst
Ob du im Spreewald wohnst, in der Teichlausitz oder in der Stadt mit kleinem Schrebergarten – Karsten Nitsch hat Tipps, die überall funktionieren. Und das Beste: Was der Natur hilft, schont oft auch den Geldbeutel.
- Finger weg vom Mähroboter. Nachts unterwegs, erwischt er Igel, Kröten und Frösche. Für Karsten Nitsch gehören sie verboten.
- Nicht alles mähen. Mäh die Flächen, die du nutzt, und lass andere Bereiche über den Winter stehen. An Gräsern und Stauden überwintern Eier von Schmetterlingen, Heuschrecken und vielen anderen Insekten.
- Heimische Pflanzen statt Exoten. Alte Bauerngartenpflanzen sind für unsere Tiere wertvoller als vieles aus dem Katalog.
- Ein Komposthaufen. Dort fühlen sich Blindschleiche, Regenwurm und Assel wohl – und du bekommst frische Gartenerde.
- Nistkästen und Insektenhotels selbst bauen. Viele Insektenhotels aus dem Baumarkt taugen nichts, weil die Röhren zu kurz sind. Lieber selbst bauen, gern mit Kindern oder Enkeln, aus unbehandeltem Holz.
- Vögel füttern – aber passend zur Jahreszeit. Nur Sonnenblumenkerne reichen meist nicht.
- Ein Quadratmeter Brennnesseln. In der hintersten Ecke des Gartens stört er niemanden. Das Tagpfauenauge legt seine Eier fast nur an Brennnesseln. Und dazu ein kleiner Reisighaufen für den Igel.
Sein Fazit für viele Gartenecken: einfach mal faul sein, im Liegestuhl sitzen und zuhören.
Und die Nachtigall?
Genau hier kommt sie ins Spiel. Die Nachtigall brütet am Boden – und sehr gern in Brennnesselbeständen. Ohne Brennnesselecken also weniger Nachtigallengesang. Das hat mich sehr fasziniert.
Wolf, Biber und die Waldschnepfe
Natürlich reden wir auch über den Wolf und die Änderung des Jagdrechts. Karsten Nitsch hält den Rummel um den Wolf für überzogen. Schäden für Tierhalter gibt es, das verschweigt er nicht. Aber er erinnert daran, wie sehr wir uns einst über die Rückkehr von Wolf und Biber gefreut haben.
Spannend: Wölfe fressen gern Biber. Für Teichwirte, deren Teiche ein Biber ablässt, könnte der Wolf also eher Freund als Feind sein. Ein Abschuss einzelner Tiere könne im Ernstfall nötig sein, sagt er – besser aber sei es, gar nicht erst Situationen entstehen zu lassen, in denen Wölfe angefüttert und auffällig werden.
Sein aktueller Wunschvogel vor der Kamera ist die Waldschnepfe. Perfekt getarnt, mit langem Schnabel, am ehesten abends im Flug über Schneisen zu sehen. Ein Nest hat er in seinem Leben erst einmal gefunden.
Seine Lieblingsorte in der Lausitz
Neben seinem Platz an der Spree ist die Teichlausitz sein großer Favorit – das breite Teichgebiet nördlich von Bautzen, in dem er aufgewachsen ist. Seine geheimen Spots verrät er natürlich nicht. Einen bekannten Tipp aber schon: den Tauerwiesenteich im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Besonders zur Zugzeit mit Gänsen und Kranichen.
Warum wir ein Schulfach Natur brauchen
Eine Szene geht ihm nicht aus dem Kopf: Ein Kind fragt seine Mutter, was das für ein Vogel auf dem Plakat ist. Eine Blaumeise. Die Antwort der Mutter: „Keine Ahnung, irgend so ein Eisvogel.“
Karsten Nitschs Wunsch: ein eigenes Schulfach Natur, von der ersten Klasse bis zum Abitur. Ohne Artenpauken und ohne Notendruck. Kinder sollen Natur kennenlernen, lieben und respektieren. Ein schöner Nebeneffekt, sagt er: Wer Empathie für Lebewesen entwickelt, geht auch mit Menschen anders um.
Dazu gehört auch, Kindern weniger Angst zu machen. Ein Beispiel ist der Fuchsbandwurm beim Blaubeerpflücken. Sein einfacher Tipp: Füchse markieren an Wegen. Wer ein paar Meter abseits des Weges pflückt, senkt das Risiko deutlich.
Unterwegs mit Karsten Nitsch
Wer mit Karsten Nitsch durch die Lausitz streifen möchte, kann eine Naturführung buchen – in Kleinstgruppen von bis zu vier Personen, einen ganzen Tag lang, acht bis zehn Stunden. Große Gruppen führt er nicht mehr: zu viel Unruhe, zu wenig Tiere. In der kleinen Runde entsteht dafür fast eine Freundschaft.
Was du tun kannst
Lass in deinem Garten eine Brennnesselecke stehen. Lass Stauden über den Winter stehen. Schau dir die Fotos von Karsten Nitsch an – sie zeigen die Tiere immer in ihrem Lebensraum. Und wenn du Kinder hast: Geh mit ihnen raus, ohne „fass das nicht an“.
Sein Wunsch an die gute Fee: dass wir respektvoller mit der Natur umgehen. Mehr schätzen, weniger nehmen, einfach mal lassen. Denn wir gehören dazu.
LausitzLiebe für alle. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt.
Warum LausitzLiebe?
Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt
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Ich bin deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt und danke dir, dass du hier bist.
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