Jagdfrei in der Lausitz – wenn Tiere keine Angst mehr haben müssen

Jagdfreie Lausitz - wildes Leben Lausitzliebe

Auf 1.200 Hektar mitten in der Lausitz darf kein Tier abgeschossen werden. Was das mit den Wildtieren macht – und warum das Projekt „Wildes Leben“ auf jeden Fall eine wichtige Naturschutzidee der Region ist.

Stell dir vor, du sitzt am Abend am Aussichtspunkt in Bergen. Die Sonne geht unter, der Nebel kriecht über die Flachwasserzonen, irgendwo ruft ein Schilfrohrsänger. Und dann,  ganz langsam zieht eine Gruppe Rotwild über die offene Fläche. Sie sind anders als sonst. Entspannt, wenn eine solch menschliche Definition auf Tiere zutrifft. Anscheinend haben sie keine Angst. Sie fühlen sich offenbar in ihrem Revier zu Hause.

Im Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland ist das eine Beobachtung, die mit Jagdfreiheit zusammenhängt. Davon berichtet dieser Artikel.

LausitzLiebe ist dein Blog für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. LausitzLiebe für alle ist mein Motto und ich hoffe, nach dem Lesen dieser Episode, auch deins. 

Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration und auch darum, was zu lernen. Jeder einzelne kann nämlich was tun, auch heute lernen wir, was du und ich für gesunde Gewässer tun können – und warum wir das machen sollten.

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Was ist das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland?

Etwa 5.800 Hektar, 55 Quadratkilometer, rund 7.100 Fußballfelder – das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland ist eine der größten zusammenhängenden Naturschutzflächen Deutschlands. Eine Bergbaufolgelandschaft, die sich seit Jahrzehnten in etwas Außergewöhnliches verwandelt: ein Refugium.

Hier sind nur wenige Menschen unterwegs. Teils weil noch immer Bergaufsicht besteht, das bedeutet, die Flächen sind nicht vollständig zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Teils weil das Gebiet unter Naturschutz steht. Die Lausitzer Seenland GmbH, die das Gebiet verwaltet, hat sich einer klaren Aufgabe verschrieben: Bergbaufolgelandschaft aus Naturschutzsicht erhalten und sichern.

Was das in der Praxis bedeutet? Beweidung mit Schafen und Rindern. Pflege von Offenland. Schutz seltener Arten. Und seit April 2025 läuft das Projekt Wilde Lausitz mit vollständiger Jagdfreiheit auf 1.200 Hektar.

Das Projekt Wildes Leben: eine Idee aus Yellowstone

Dr. Jana Malin hat 10 Jahre lang nach einem geeigneten Gebiet  für Jagdfreiheit gesucht. Erst in Österreich, dann immer weiter – bis sie Dr. Alexander Harter kennenlernte und das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland als perfekten Standort erkannte.

Die Inspiration für die Wildes Leben kam aus Amerika. Aus Yellowstone.

„Im Yellowstone laufen die Kojoten direkt vor dir vorbei. Die Füchse. Du gehst durch eine Bisonherde durch. Die Tiere entscheiden selbst, ob sie kommen. Es wird dort nicht gejagt und man sieht, was das mit ihnen macht.“

Jana Malin wollte wissen: Ist so etwas auch in der Lausitz möglich? Können Wildtiere hier wieder lernen, dem Menschen zu vertrauen oder zumindest keine Angst vor ihm zu haben?

Seit April 2025 läuft das Projekt Wildes Leben. Seitdem wird auf 1.200 Hektar nicht mehr gejagt. Und die ersten Ergebnisse sind da.

Was passiert, wenn die Jagd wegfällt?

Schon nach gut einem Jahr zeigen sich messbare Verhaltensänderungen: Die Tiere laufen nicht mehr so schnell weg. Sie tasten sich langsam zurück auf das Offenland. Vom Aussichtspunkt aus wurden bereits Rotwild-Gruppen beobachtet, die in aller Ruhe über die weiten Flächen ziehen, so, wie es früher vielleicht normal war.

Was hier passiert, ist im Grunde eine Rückkehr zu einem Verhältnis zwischen Mensch und Tier, das wir längst verloren haben: Das Miteinander von Mensch und Natur. 

“Je näher wir Tiere sehen können, vielleicht sogar immer wieder dieselben Individuen, desto eher entsteht wieder eine Beziehung. Man lernt sie kennen, weiss mehr über ihre Lebensräume und ihr Verhalten. Und dann verändert sich das Naturverständnis“, so Dr. Jana Malin.

Jagdfreiheit ist kein Selbstläufer

Was viele nicht wissen: In Deutschland muss jedes Grundstück bejagt werden. Es ist Pflicht. Wer Grundeigentümer ist, hat das Jagdausübungsrecht und muss es ausüben oder ausüben lassen.

Dr. Alexander Harter, Geschäftsführer der Lausitzer Seenland GmbH, hat das Jagdrecht für das Gebiet selbst übernommen und einen Weg gefunden, die Jagd in sehr geringem Umfang durchzuführen. Gerade beim Thema Jagd muss immer wieder abgewogen werden zwischen Eigentumsrecht, Jagdrecht, Naturschutz und behördlichem Dialog.

Sein klares Statement: Kulturlandschaft muss bejagt werden. Aber es muss auch große, zusammenhängende Gebiete geben, in denen das nicht passiert. Gebiete, in denen sich Natur selbst regulieren kann.

Die Königsbrücker Heide in der Westlausitz macht es vor. Das Lausitzer Seenland soll es beweisen.

Monitoring ohne Stress mittels KI und Wärmebilddrohnen

Damit das Projekt nicht nur gefühlsmäßig funktioniert, braucht es Daten. Und die werden gesammelt, aber auf eine neue Art.

Das Team setzt auf wildtierschonendes Monitoring. Keine Fallen, keine Halsbänder, kein Besendern von Tieren. Das macht ihnen Stress. Stattdessen setzt das Projektteam von Wildes Leben auf Wärmebilddrohnen mit KI-Auswertung.

In Kooperation mit Globe Flight wird gerade eine KI trainiert, die Wildtiere anhand individueller Merkmale erkennen kann, ähnlich wie wir Menschen uns an Gesichtern erkennen. Die Methode funktioniert schon recht gut bei Fuchs und Wolf. Für Wildschweine und Rotwild ist noch Entwicklungsarbeit nötig.

In drei Jahren sollen erste belastbare Ergebnisse vorliegen und unter anderem Antworten auf folgende Fragen geben: Ist ein Gebiet von 1.200 Hektar groß genug, um eine gewisse Selbstregulation zu erreichen? Was braucht es, damit andere Gebiete nachziehen können? Welche Hürden, Chancen und Risiken stecken dahinter?

Wölfe, Wildschweine und ein kleines Rudel

Seit 2009 gibt es Wölfe im Gebiet. Am Anfang fraßen sie viele Rehe, später wurden Wildschweine zur Hauptnahrungsquelle. Dann kam die Afrikanische Schweinepest und damit gab es weniger Wildschweine und damit wiederum weniger Wölfe. Heute ist das Rudel klein: Es sind nur noch vier Tiere statt einmal fünfzehn.

„Der Wolf ist mein Lieblingstier. Und ich habe wirklich lange gesucht: Was kann ich beitragen, damit er seinen Lebensraum behalten kann?“

Jana Malins Antwort ist dieses Projekt. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass eines Tages am Aussichtspunkt in Bergen das passiert, was im Yellowstone alltäglich ist: dass ein Wolf einfach vorbeiläuft und niemand erschrickt. Das wäre auch mein Traum. 

Jäger, Naturschützer, Tierhalter an einem Tisch

Ein jagdfreies Gebiet mitten in einer Kulturlandschaft beinhaltet Konfliktpotenzial. Überraschend, dass es im NGP nicht so ist. Das hat einen Grund: Das Projekt Wildes Leben hat von Anfang an alle Beteiligten eingebunden: Jäger, Naturführer, Fotografen, Filmemacher, Tierhalter, Gemeinden. Jede dieser Gruppen hat sein Interesse. In gemeinsamen Treffen werden Konfliktlinien offen besprochen und Lösungen gesucht.

Gerade die Jägerschaft hat das jagdfreie Schutzgebiet stark befürwortet. Denn auch sie wissen, dass Rückzugsräume für Wildtiere am Ende allen zugutekommen.

Und die Bevölkerung? Großer Zuspruch. Die Menschen in der Region, von den Anrainern bis weit über Hoyerswerda hinaus, nehmen das Projekt extrem positiv auf. Sie sind gespannt, was herauskommt.

Was du tun kannst

Das Projekt lebt von Aufmerksamkeit – und von Beobachtungen. Am Aussichtspunkt in Bergen gibt es ein Plakat, auf dem Sichtungen gemeldet werden können. Jede Beobachtung von Wolf, Fuchs, Rotwild oder Wasservögeln ist wertvoll für das Monitoring.

Die besten Zeiten zum Beobachten:

Abendstunden, etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang bis in die Dunkelheit. Oder früh morgens, so früh wie möglich – einfach hinsetzen, nicht bewegen, warten.

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann das über BetterPlace tun. Die Wildkameras wurden damit bereits gekauft. Für die Zukunft sind Ausstellungen geplant – unter anderem in der Kufa – mit Drohnenaufnahmen aus dem Gebiet, die wie abstrakte Malerei wirken. Mondlandschaften aus der Vogelperspektive. Lausitz, wie du sie noch nicht gesehen hast.

Warum mich das bewegt

Ich war am Aussichtspunkt in Bergen. Ich habe mit Dr. Alexander Harter und Dr. Jana Malin gesprochen. Und ich muss ehrlich sagen: Dieses Gespräch hat mich noch mehr LausitzLiebe fühlen lassen, als ich ohnehin schon hatte.

Denn hier passiert etwas Seltenes: Menschen, die mit Überzeugung, Geduld und wissenschaftlicher Neugier an etwas arbeiten, das größer ist als sie selbst. Ein Modell. Eine Hoffnung. Ein Experiment mit offenem Ausgang.

Und das Schöne daran? Wir können alle Teil davon sein. Indem wir hinfahren. Indem wir hinschauen. Indem wir melden, was wir sehen. Indem wir berichten, teilen, weitererzählen.

Wenn aufgrund dieses Podcasts auch nur ein Tier mehr leben darf, ein Laubhaufen liegen bleibt, wir alle jeden Tag ein kleines bisschen achtsamer sind – dann ist das Ziel mehr als erreicht.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

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Wer schreibt und was kannst du tun?

Weißt du, wenn aufgrund dieses Podcasts auch nur Baum weniger gefällt oder verstümmelt wird, ein Laubsauger mehr verschrottet und ein Laubhaufen mehr liegen bleiben darf – dann habe ich mein Ziel mehr als erreicht. Also: LausitzLiebe für alle. 

Ich bin deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt und danke dir, dass du hier bist.

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