Zivilisation ist auch ganz schön

Zivilisation ist auch ganz schön

So mein letzter reiner Pilgertag ist angebrochen. Ich bin in Leon unterwegs. Eine sehr schöne Stadt mit einer beeindruckenden Kathedrale und einem noch beeindruckenderen Kneipenangebot. Hier gibt es sie noch, die spanische Tapaskultur. Das bedeutet, du bestellst etwas zu trinken und dazu bekommst du kostenlos einen Happen. Ein Schinkenbrot, Käse oder whatever.. So kannst du dich quasi trinkend satt essen. Done!

Übrigens, was fällt euch an der Marienstatue auf?? Was ist anders? Auflösung persönlich;))

 

 

In der Provinz Leon

In der Provinz Leon

Nun also letzte Etappe. Hinter mir müssten ungefähr 300 km zu Fuß liegen. Ganz schön viel. Eigentlich. Naja, die schnellen Australier oder der Ex-Bundi haben natürlich mehr hinter sich. Sie sind mir schon weit voraus. Heute war ich langsam am Start und langsam unterwegs. Das gab mir Zeit, den ganzen Reiz des Weges noch einmal auszukosten. Beispielsweise das Labyrinth in meine eigene Mitte zu gehen. Wenn ihr wissen wollt, was auf dem innersten Stein steht – dann müsst ihr selber laufen. Oder solche lustigen Hater-Kommentare zu lesen. Im Sommer muss es wirklich sehr busy sein hier.. Jetzt hingegen ist nichts los. Ich habe heute den ganzen Tag nur 3 Pilger getroffen. Schöne Landschaft dafür mehr.

Unerwartet stilvoll

Unerwartet stilvoll

Das hier ist der Hammer. Während ich das schreibe, sitze ich im Salon. Ja, es ist ein Salon. Kamin, fette Ledercouch, uralte Anrichte, schmiedeeiserne Tischbeine, Kronleuchter. Und RUHE. Das kommt in Spanien selten vor. Für Pilger. Eine Oase der Ruhe. Ein ausgesprochen schönes Bad und ein normales 16-Mann-Schlafzimmer. Aber das hier ist echt der Hammer! Habe schon gearbeitet und so geht es wirklich schön. Insgesamt ist die ganze Herberge sehr nett eingerichtet. Ist zwar irgendwo im Nirgendwo, also nicht der touristische HotSpot, aber unbedingt zu empfehlen!

 

Burgos

Burgos

… und manche bleiben für immer. Wie die nette spanische Gastgeberin, die in einem weiteren Dorf ihre Herberge und ihr Café für die kleine Reisegruppe, die sich heute gebildet hatte, aufmachte. Ein Bullerofen in der Mitte der Räume, Orangen und Äpfel drapiert – Kekse, Sandwich.. Cool. Und frisch gepresster O-Saft. Sie ist den Weg mehrmals gegangen, ganz oft. Am Anfang wegen sich selbst, später nur wegen der Leute. Und schließlich hat sie dieses Gehöft in diesem ansonsten sehr sehr kleinen und wenig belebten Ort gekauft. Wegen der Leute, wegen der Pilger, sagt sie und man nimmt es ihr ohne Weiteres ab.