Nichtstun – die Lösung für die Lausitz?

Nichtstun - die Lösung für die Lausitz??

Nichtstun. Aufmerksamkeitsökonomie. Jenny Odell. Lausitz. Lausitzliebe

Dieser Beitrag ist vielleicht ein wenig anders als die anderen. Ich nehme dich diesmal mit in ein Buch. Und keine Sorge, das Ende wird dich überraschend nah an unsere LausitzLiebe heranführen.

Vor wenigen Wochen ist mir ein Buch in die Hand gefallen. Es heißt “Nichtstun” und ist geschrieben von der Amerikanerin Jenny Odell. Das Buch erschien erstmals 2019 – ist also nicht mehr ganz frisch und dennoch hochaktuell. Gerade für dich und mich, hier in der Lausitz.

Eine harte Bestandsaufnahme oder: Wer starrt noch Löcher in die Luft?

Ich bin Jana Wieduwilt und diesmal möchte ich mit dir über ein Buch sprechen. 

Jenny Odells Buch trägt den Titel „Nichtstun. Die Kunst sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen.

Erstmal empfinde ich den Buchtitel fast wie eine Zumutung? Ist es nun so, dass wir nichts mehr tun sollen und alles wird gut? Nicht ganz. Aber dazu komme ich noch.

Jenny Odell ist Künstlerin und Uni-Professorin und das merkt man auch. Die einzelnen Teile sind eher mäanderartig miteinander verbundene Aufsätze als stringent geführte Beweise, die von A nach B führen. Dennoch verändert das Lesen des Buches etwas. Nämlich die Sichtweise auf unsere nähere Umgebung und genau deshalb findet es auch Eingang in den LausitzLiebe Podcast.

Eine Bestandsaufnahme gibt es zunächst – und ehrlich, die ist hart: Wir sind gefangen in einer Leistungsgesellschaft. Unnütz vertane Zeit – und damit ist Zeit gemeint, in der wir wirklich NICHTS tun. Also kein Handy, kein Social Media, ja nicht einmal Podcast hören – diese unnütz vertane Zeit ist nicht eingeplant. Und ganz ehrlich, einfach mal so Löcher in die Luft zu gucken, wer nimmt sich denn dafür wirklich Zeit? Ich glaube kaum jemand, egal in welcher Position.

Wenn uns das Leben zwischen den Fingern verrinnt

Jenny Odell dröselt schön auf, dass uns das Leben in all der Emsigkeit zwischen den Fingern verrinnt. Und das hat sie natürlich nicht erfunden, sondern schon Seneca und Robert Louis Stevenson haben das auch schon festgestellt und proklamiert. Heute nun ist die Sache noch ein wenig kritischer als seinerzeit. 

„Auf kollektiver Ebene steht mehr auf dem Spiel. Wir wissen, dass wir in komplexen Zeiten leben, die komplexe Gedanken und Gespräche erfordern – und diese wiederum benötigen Zeit und den Raum, den man nicht hat.“ (S.8)

Und sie sagt, dass eine Gesellschaft, die nicht mehr fähig ist, miteinander zu kommunizieren, keine Tatkraft mehr besitzt, also handlungsunfähig ist. Das bedeutet: Nichtstun ist eine Haltung, kein Wellness! Und eine Sache auf Leben und Tod.

Je mehr Angst in einer Gesellschaft ist. Desto weniger Kraft für Widerstand ist da. Sie führt Rosa Parks an, die damals im Bus einfach sitzenblieb, obwohl sie nach den damaligen Gesetzen der Rassentrennung hätte aufstehen müssen. Die Familie wurde trotz des gewaltigen Mutes der Frau in den folgenden 10 Jahren finanziell ruiniert und lebte am Existenzminimum. Es muss also auch Kraft und Kapazität für Widerstand da sein. 

Je beschäftigter wir mit dem Überleben sind, desto weniger Kraft haben wir zu widerstehen. Doch ist jetzt dieser Widerstand notwendiger denn je. Und das – ohne eine einzige Demo besucht oder anderweitig sichtbar geworden zu sein. Wir können widerstehen mit der simplen Tatsache, dass wir kollektiv unsere Aufmerksamkeit eben nicht der Aufmerksamkeitsökonomie zur Verfügung stellen. 

Nichtstun als Aktionsplan

Nichtstun ist der Aktionsplan der Autorin gegen genau diese Zeitlosigkeit im Sinne von Eile, Geschäftigkeit, Wichtigsein. Sie beschreibt drei Schritte: 

  1. Aussteigen 
  2. Eine Seitwärtsbewegung raus aus Dingen und Menschen die uns umgeben und 
  3. nach unten: Zurück an den Ort, zu dem Boden auf dem wir stehen (in unserem Falle ist dies die Lausitz)

Und keine Sorge, dies ist keine Aufforderung, sich jeglicher Technologie zu entziehen. Immerhin hat die Autorin das Buch verfasst, als wir „nur“ Social Media hatten. Da war Künstliche Intelligenz noch kein Mainstream.

Es geht vielmehr darum, den Umgang mit all diesen Dingen zu hinterfragen – naja, und wenn du so willst, ist auch eine schöne Kapitalismuskritik dabei, aber eben auf eine durchaus vielschichtige Weise.

Eine größere Perspektive einnehmen

So beschreibt sie zum Beispiel ihren Vater. Der hatte die Nase voll von seinem Job, bei dem er sich ausgebeutet und machtlos fühlte, kündigte und machte erstmal gar nichts. Das waren 2 Jahre, in denen er sich selbst näher kam. Er sei Rad gefahren, habe Berge bestiegen, Bücher gelesen und ja, er hatte Langeweile. Die er ertrug. Und damit auch den eigenen „Mist“ in seinem Inneren anfing zu ertragen. Am Ende ging er wieder zu dem einst ungeliebten Arbeitgeber zurück, doch diesmal anders. Mit Aufstiegschancen und – zahlreichen Patenten, die auf seine Erfindungen hin angemeldet wurden. Ihr Vater sagte, dass ihn:

…das Verlassen des begrenzten Jobkontexts dazu brachte, sich selbst nicht in Bezug auf diese Arbeitswelt, sondern einfach zur Welt an sich zu verstehen. Und seither erschienen ihm Dinge, die bei der Arbeit passierten, nur als ein kleiner Teil von etwas viel Größerem.“

Der Kontakt mit dem Boden, mit den wirklich existierenden Momenten. Meine Sprache jetzt in das Aufnahmegerät, deine Ohren, die den Schall wahrnehmen, deine Gedanken, die sich formen. Das ist real. Das ist Wirklich. Im Wort-Sinne wirk-lich. Es wirkt. Und das brauchen wir – in diesen komplexen Zeiten mehr denn je. Wir verändern uns. Wir funktionieren nicht reibungslos. Weil wir Menschen sind. Das ist auch gut so.

3 Schritte um die Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen:

Und genau so ist das Nichtstun des Titels auch gemeint. Nichtstun ist ein Widerstand gegen die uns umgebende Aufmerksamkeitsökonomie. Denn, dass wir von diversen, wenigen Menschen und Konzernen abhängig sind, haben wir, glaube ich, in den letzten Monaten mehr und mehr gesehen und tatsächlich am eigenen Leibe erlebt. Soweit, so schlecht.

Doch wir können ja leider aus diversen Gründen nicht alle in die Waldeinsamkeit oder ins Aussiedlertum übersiedeln. Wir sind nun mal Bestandteil einer recht komplexen Welt, der wir ziemlich viel geben (müssen), um klarzukommen. Aber!!! Eine Sache – eine letzte Sache ist es, über die wir (noch) die Hoheit haben: Unsere Aufmerksamkeit! Und wenn du mal selbst schaust, wie du Social Media oder andere Ablenkungen nutzt – und was das mit dir macht, kannst du vielleicht hier beipflichten. 

Die gute Nachricht – und auch deshalb finde ich das Buch so lesenswert: Du kannst was tun, um deine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen.

(1) Nichtstun. Schaffe dir Zeit und Raum für das Nichtstun. Nur wenn wir den Raum und die Zeit dafür haben, können wir uns besinnen, denken, heilen. 

„Es gibt eine Art von Nichts, die notwendig ist, um letztendlich etwas zu tun. Wenn die Überstimulation ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden ist, dann schlage ich vor, dass wir FOMO (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen, neu denken als NOMO (necessity of missing out), die Notwendigkeit etwas zu verpassen, oder, wenn Sie das beruhigt, als NOSMO (necessity of sometimes missing out).“

Diese strategische Form von “Nichts” ist die heilsamste, wenn es darum geht, unsere Aufmerksamkeit, wieder zurück zu gewinnen!! Und das sollten wir dringend tun. Ich komme noch drauf, wie du das konkret in der Lausitz machen kannst. Ganz wichtig: Es hat nichts mit wiederum kommerzialisierten Digital Detox Camps oder anderen für viel Geld verkauften Wellness-Dingen zu tun! 

(2) Das 2. Werkzeug: Deep Listening.

„Nichts zu tun bedeutet, selbst stillzuhalten, so dass man wahrnehmen kann, was wirklich um einen ist…. Unglücklicherweise bedeutet unsere konstante Bindung an die Aufmerksamkeitsökonomie, dass viele von uns (mich selbst eingeschlossen) das wohl erst wieder lernen müssen. Vom Problem der Filterblase abgesehen, fördern die Plattformen, die wir nutzen, um miteinander zu kommunizieren, das Zuhören nicht gerade. Stattdessen belohnen sie Geschrei und allzu simple Reaktionen, auf jemanden losgehen nach dem Lesen einer einzigen Schlagzeile.“ 

Autsch. Das sitzt. Und tut auch weh. Wie oft vereinfachen wir Informationen, auch in der Lausitz? Ja, klar, wir denken immer, dass wir stets was Neues produzieren müssen, auch ich denke das. Dabei ist es doch viel wichtiger, das augenscheinlich „Alte“ zu pflegen und zu hegen (und es erstmal kennenzulernen).

(3) Und dann Schritt 3: Die Aufforderung, uns selbst und anderen und alles, was uns umgibt, zu schützen. 

„Ich spreche mich dafür aus, dass wir unsere Räume und unsere Zeit für nicht instrumentelle, nicht kommerzielle Aktivitäten und Gedanken, für Aufrechterhaltung, Zuwendung und Geselligkeit bewahren. Und ich spreche mich dafür aus, dass wir unsere menschliche Tierhaftigkeit mit Zähnen und Klauen vor allen Technologien beschützen, die den Körper, Körper anderer Wesen und den Körper der Landschaft, in der wir leben, aktiv übergehen und geringschätzen. 

Jaaaa! Ich kann das nicht so schön sagen. Aber genau das ist die Intention, mit der ich jede einzelne Podcast Episode für dich mache. Du kannst mich unterstützen, indem du diesem Link folgst Lausitzliebe fördern und mir einen kleinen Beitrag spendest. 

Abseits stehen und ungehorsam sein?

Aber was ist denn nun die Lösung? Vom dauerhaften Rückzug aus unserer Welt in eine Enklave der Technologielosigkeit halte ich persönlich, ebenso wie die Autorin Jenny Odell nicht allzuviel. Das Zeug ist da und schlau ist es, zu lernen, damit umzugehen. 

Sie schlägt vor: Abseitsstehen zu lernen. „Abseits Stehen heißt, sich die Welt (jetzt und hier) aus dem Blickwinkel einer Welt, wie sie sein könnte (die Zukunft) anzuschauen, mit all den hoffnungsfrohen und sorgenvollen Betrachtungen, die das mit sich bringt… gelingt es uns vielleicht, die zarten Umrisse eines epikureischen guten Lebens zu spüren, frei von „Mythen und Aberglauben“, wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, Transphobie, Xenophobie, Klimawandel-Leugnung und anderen Ängsten ohne reale Grundlage. Das ist keine müßige Übung. Je mehr uns die Aufmerksamkeitsökonomie in einer furchterregenden Gegenwart gefangen hält, desto wichtiger wird es, nicht nur vergangene Versionen unseres Dilemmas zu verstehen, sondern auch eine Kraft für die Vorstellung zu bewahren, die frei von Enttäuschung ist. … Diese Art von Widerstand manifestiert sich dennoch in der Partizipation, aber in einer Partizipation „gegen den Strich“ in einer Weise, die die Autorität des hegemonialen Spiels unterwandert und außerhalb von diesen Möglichkeiten eröffnet. (S. 99)

Also, Aufmerksamkeit entziehen als Akt des zivilen Ungehorsams. Und hier meine ich nicht, Facebook und Co. zu verlassen. Das kannst du machen. Aber ich denke, es gibt andere Wege. Subversive Wege.

Jenny Odell schreibt, dass das Entziehen der Aufmerksamkeit erst einmal im Geiste beginnt und nie mehr endet. Das verstehe ich. Denn ich konnte erst aufhören zu rauchen, als ich begriff, dass ich NIE mehr rauchen werde. Und dass es jeden Tag ein bisschen Willenskraft erfordert, NICHT zu rauchen und stattdessen was anderes zu machen. Die Autorin schlägt vor, Aufmerksamkeit nicht nur zu entziehen, sondern gezielt und mit Absicht in eine andere Richtung zu lenken.

Gemeinsam.

Wir müssen in der Lage sein, Medien und ihre Wirkweise zu durchschauen, den Algorithmus zu verstehen, der uns immer wieder neu triggert und uns manipuliert – und zwar auf einer Ebene, die wir kaum mit dem bewussten Verstand erfassen.

Jenny Odell konstatiert nüchtern, dass die Aufmerksamkeit das Letzte ist, was wir noch abziehen können! Alles andere ist schon weg. Und kommt nicht wieder, in Zeiten, wo wir natürlich erstmal das eigene Überleben sichern müssen.

Sie sagt zum Beispiel, dass man ja, wenn eine Werbung eingeblendet werde, bevor du z.B. diesen Podcast hören kannst, die Werbung auf eine Weise ansehen könnte, die deine Aufmerksamkeit schärft, statt ablenkt: Indem du und ich vielleicht so draufgucken als wollten wir studieren, wie die Werbemenschen unser Verlangen erzeugen… Das ist Spielraum, den jede und jeder von uns hat.

„Deshalb ist es sogar noch wichtiger, dass jeder, der einen Spielraum hat – und sei er auch noch so klein – von ihm Gebrauch macht, um immer weitere Spielräume zu eröffnen.“ S. 139

Und dieser Umgang kann uns trainieren. „Wenn es die Aufmerksamkeit ist (die Entscheidung, auf was man sich fokussieren möchte), die unsere Realität schafft, dann bedeutet das WIedererlangen der Kontrolle über sie womöglich auch die Entdeckung neuer Welten und neuer Wege, diese zu durchwandern.“

Das ist cool. Wenn wir also auf neue Art entdecken, wie wir damit umgehen, dann können wir die Kontrolle zurück bekommen.

Und das ist ein Weg, kein Spaziergang. Denn wir müssen von dem Gefühl, wir könnten irgendetwas wirklich kontrollieren, Abschied nehmen

Wir können die zerstörte Natur der Tagebaue nicht renaturieren. Auch nicht durch riesige künstliche Seen und Böschungen mit 1:2 Neigung. Das kann die Natur nur selber. Wir können gefällte Baumalleen nicht wiederherstellen durch mikrige Neupflanzungen. Isso. Diese Illusion der Kontrolle ist wohltuend, ja. Aber nicht mehr zeitgemäß. 

Denn alles ist mit allem verbunden. Buddel ich ein Loch in die Sandkiste Lausitz, wird das auf dich und mich wirken. Ziehe ich Wasser ab, werden du und ich unter der Trockenheit leiden. Rode ich Wälder, werden wir von noch mehr Temperaturextremen in der Lausitz überrascht. Bin ich nur noch auf Social Media am Start, werde ich die Beziehung zu meinen Liebsten zumindest verschlechtern.

„Es geht auch um Kontrolle, denn wenn wir begreifen, dass das, was wir als Selbst erleben, komplett an andere gebunden und nicht durch grundlegende Qualitäten SONDERN DURCH BEZIEHUNGEN determiniert ist, dann müssen wir die Vorstellung einer kontrollierbaren Identität und einer neutralen apolitischen Existenz (die Mythologie, die Gentrifizierung begleitet) weiter preisgeben. Aber ob wir das veränderliche Produkt unserer Interaktion mit anderen sind, das ist nicht unsere Entscheidung. Die einzige Entscheidung die wir treffen können, ist, ob wir diese Realität anerkennen oder nicht. S.195

Und das geht damit einher, dass wir eben anerkennen, dass wir du und ich Teil eines Ganzen sind und wir selbst, du und ich, nur in Interaktion mit unserer Umwelt: Menschen, Tieren, Orten, Pflanzen entstehen. Also wenn du eine Idee hast, ist diese Idee vielleicht aus deinem Munde gekommen und von dir erdacht worden – aber auf der Grundlage der Interaktion mit Büchern, Menschen, Natur, deiner Umwelt. Und wie du drauf reagierst und deine Umwelt auf dich, das verändert dich. Doch was bedeutet das nun in Bezug auf unsere Gefahr, von der Aufmerksamkeitsökonomie vollständig verschlungen zu werden?

Die Lösung. So simpel, dass es fast schmerzt

Die Lösung, die Odell vorschlägt, ist so simpel, dass es fast schmerzt:

Ich teaser das hier nur an, denn mein Wunsch wäre, dass du das Buch liest. Ich habe übrigens weder einen Affiliate Link noch irgendeine finanzielle Aktie daran, dass du das Buch liest, dir ausleihst oder kaufst. Es ist mir einfach wichtig – ebenso wie dieser Podcast, an dem keine Zeile KI generiert ist. Mit Absicht. Weil ich das Denken nicht verlernen will.

Jenny Odell schlägt also vor, „ein Gefühl zu entwickeln für den Ort, an dem wir uns aufhalten. Das ermöglicht Aufmerksamkeit, fördert sie aber zugleich. Wenn wir wieder lernen wollen, uns umeinander zu kümmern, dann müssen wir auch wieder lernen, uns um Orte zu kümmern.“

Ahhhhh., das spricht mir aus der Seele. Als ich LausitzLiebe gegründet habe, konnte ich das nicht so benennen, aber genau das ist es, was meine Intention ist. Ich denke, wenn wir uns die Orte vertraut machen, ihnen Aufmerksamkeit widmen, beginnen wir mit unserem Umfeld, Menschen,Tiere, Bäume, Kräuter, Gebäude, Strukturen zu interagieren. (Und nebenbei bemerkt, ziehen wir Aufmerksamkeit aus den Algorithmen der Social Media und Tech Giganten ab. 

Die Lösung. ist im Buch wunderschön beschrieben. Lies es. Und danach geh raus. Mach dir einen Baum zum Freund. Einen. Oder einen Vogel. Schau sie an. Betrachte sie wirklich. Voller Aufmerksamkeit, so wie wir beide das vor einigen Episoden mit dem Holunder gemacht haben. Wir haben 20 Minuten den Holunder angeguckt und ich hätte die Folge gut und gern auch 40 Minuten lang machen können. Mach dir deine Umgebung zum Freund, gib ihr Namen. Deinem Baum zum Beispiel. Und du gehst durch ein Tor, durch das du nicht mehr zurück kannst. Du wirst dich verändern. (Und nebenbei bemerkt, nicht mehr so viel Zeit in der Aufmerksamkeitsökonomie zu verbringen).

Danke, dass du das gelesen hast. 

Lass uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Lausitz ein Ort für alle bleibt. Ein zukunftsfähiger Ort, an dem auch das, was ist, gewertschätzt werden kann, Ein Ort, an dem es Räume gibt für Gedanken, Austausch und Nichtstun. 

Ich wünsche dir die stetige Hoheit über deine Aufmerksamkeit und wie immer ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Ein alter Holunder und die Kunst, wirklich hinzuschauen

Ein alter Holunder und die Kunst, wirklich hinzuschauen

Holunder bei LausitzLiebe Frau Holle

So, das ist das Experiment heute.

Ich stehe vor einem Holunderbusch. Der ist alt. Richtig alt. Und während ich anfange, ihn zu beschreiben, fangen im Hintergrund die Glocken an zu läuten. Ob das ein Zeichen ist? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. 

Du bist beim Blog Lausitzliebe – dein Blog für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. Ich bin Jana, dein Host hier. Und heute machen wir mal etwas anderes. Ich lade dich ein, einfach bei einem Strauch zu bleiben. Länger als du es normalerweise tun würdest. Nicht um irgendwas damit zu machen, sondern einfach, um ihn anzuschauen.

Ich habe mir dafür den Holunder ausgesucht. Einen alten. Der steht hier, und ich glaube, er steht schon eine ganze Weile.

Was ich sehe, wenn ich mich ihm nähere

Aus dem Boden kommen fünf, sieben, vielleicht auch mehr Stämme. Manche so dick wie ein Oberschenkel. Daneben dünne, schmale, ungefähr so wie ein Handgelenk. Die kommen zum Teil direkt aus dem Boden, zum Teil wachsen sie aus den dickeren Stämmen heraus. Das Ganze wächst ein bisschen kreuz und quer, weil der Strauch schon oft beschnitten worden ist. An den Stellen, wo er beschnitten wurde, sind gleich mehrere neue Äste herausgekommen. 

Die Rinde auf den Hauptstämmen ist tief gefurcht. Richtig tief. Wenn du dir ein Luftbild von einem Fluss vorstellst, der ins Meer fließt – mit Sandbänken, Verzweigungen, diesen unregelmäßigen Mustern – so sieht das aus. Und rau ist sie. Wenn du die Hand drauflegst, spürst du das sofort. An den Stellen, wo er schon mal beschnitten wurde, ist die Rinde gut ein bis zwei Zentimeter dick.

Blätter gibt es noch keine. Aber Knospen. Die stehen jeweils am Ende der Zweige, meistens zwei, ein bisschen v-förmig voneinander abgespreizt. Und dann noch gegenständig an den Ästen, immer eins rechts, eins links, eins rechts, eins links. Fachleute nennen das gegenständig.

Was der Holunder noch zu erzählen hat

Es gibt auch schon abgestorbene Äste. An denen blättert die Rinde ab, und darunter sieht man Gänge. Von Insekten, würde ich sagen. Ob die noch da drin wohnen, weiß ich nicht. Ich stecke meinen Finger lieber nicht rein.

Kleine braune Pilze haben sich an den verletzten Stellen eingenistet. Sie sehen aus wie immer wieder gefaltetes Tuch, das in Wellenbewegungen am Holz entlang wächst. Kleiner als mein Daumen. Und Flechten gibt es auch: eine hellgrüne und eine dunkelgrüne, die fast schon wie Moos aussieht. Manche Äste sind fast komplett damit bedeckt.

Es regnet heute, und an den Ästen hängen Tropfen. Halbrund. Sie spiegeln mich und die Umgebung wider, falsch herum, umgekehrt. Ich sehe mich also auch am Holunder. 

Frau Holle wohnt im Holunder

Der Volksglauben sagt: Nähere dich dem Holunder immer mit Respekt. Denn im Holunder wohnt Frau Holle. Geh nicht einfach ran und fass da irgendwo an. Nimm dir einen Moment. 

Das mag etwas seltsam klingen, aber wer weiß: Vielleicht ist es eine gute Idee, wenn wir auch so was wie Bäume und Sträucher mit Respekt betrachten und einfach mal virtuell fragen, ob eine Annäherung ok wäre. Dann schauen wir anders hin. Aufmerksamer. Langsamer. Und genau darum geht es mir heute.

Was du mal ausprobieren kannst

Such dir eine Pflanze aus. Irgendeine. Einen Strauch im Vorgarten, eine Blume auf dem Weg zur Arbeit, einen Baum am Wegrand. Du musst den Namen nicht kennen. Das ist wirklich egal.

Und dann bleib einfach mal stehen. Länger als gewöhnlich. Und beschreib, was du siehst. Wie sieht die Rinde aus? Welche Farben hat sie? Gibt es Insekten, Flechten, Beschädigungen, Knospen?

Wenn du das beschreibst, was du siehst, schaust du anders. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Ich werde über das Jahr immer wieder zu diesem Holunder zurückkehren. Schauen, wie die Blätter kommen. Ob er blüht. Ob es Hollerbeeren gibt. Ich weiß es noch nicht – aber ich freue mich drauf.

Und wenn du magst, schreib mir, welche Pflanze du dir zum Freund gemacht hast.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Der Winter war lang – gefühlt besonders lang. Müdigkeit, ein träger Stoffwechsel, das Gefühl, nicht richtig anzulaufen.

Doch die Lausitz hat einiges zu bieten, um den Körper wieder in Schwung zu bringen: Wildkräuter, die direkt vor der Haustür wachsen.

Carmen Randolf, Heilkräuterexpertin und Phytotherapeutin, erklärt im Podcast Lausitzliebe, welche Kräuter sich für eine Frühjahrskur Lausitz eignen – und wie man sie richtig anwendet.

Warum überhaupt eine Frühjahrskur?

„Wir kommen aus dem Winter raus, wir sind müde, meistens haben wir ein paar Kilos zugenommen, irgendwie fühlt man sich langsam träge, alles läuft nicht so richtig“, beschreibt Carmen Randolf die typische Situation nach dem Winter. Wildkräuter helfen dabei, Stoffwechsel und Organsysteme wieder zu aktivieren – Leber, Niere, Haut, alles, was im Winter noch im Winterschlaf steckt.

Dabei hat die Frühjahrskur eine lange Tradition: „Man macht das tatssächlich schon lange im Frühjahr, die frischen Wildkräuter zu sich nehmen, einfach weil sie den Stoffwechsel aktivieren.“ Wer die Kräuter selbst sammelt, bekommt die Bewegung an der frischen Luft gleich gratis dazu.

Und noch etwas: „Wenn man das wie eine Art Ritual macht, hat man das neue Jahr auch so richtig eingeläutet.“

Wildkräuter Lausitz: Diese Pflanzen jetzt nutzen

Welche Wildkräuter in der Lausitz für die Frühjahrskur geeignet sind, richtet sich nach dem, was gerade wächst. Carmen Randolf macht ihre Kur „im Grunde genommen mit den Pflanzen, die da sind und die sich zeigen“. Aktuell sind das unter anderem:

Brennnessel – die erste Frühlingspflanze, stark entwässernd, unterstützt die Niere

Vogelmiere – regt die Lymphe an, leicht entwässernd, ideal als Frischpflanzensaft

Löwenzahn – entwässert und regt die Verdauung an; die ersten zarten Blättchen schmecken hervorragend im Salat

Gundermann – kommt bereits jetzt und ist ein wertvolles Frühjahrskraut

Bärlauch – kommt bald und kann vielgältig genutzt werden

Birke – frische junge Blätter: entwässernd, fördern den Hautstoffwechsel, wunderbar im Salat

Scharbochskraut – reich an Mineralstoffen und Vitamin C

„Es ist für alles ein Kraut gewachsen“ – und das Schöne daran: Vieles davon steht direkt vor der Tür, mitten in der Lausitz.

Tee, Presssaft oder Tinktur – so bereitet man Wildkräuter zu

Wie intensiv man die Frühjahrskur betreiben möchte, bestimmt die Zubereitungsart. Carmen Randolf empfiehlt im Frühjahr besonders Frischpflanzensäfte: „Die sind wirklich sehr gehaltvoll und bringen auch richtig was in Bewegung.“ Wer die Säfte nicht mag, kann auch mit Tee oder Tinkturen arbeiten.

Wichtig ist, die entwässernden Kräuter wie Brennnessel oder Löwenzahn in den Tagesablauf einzuplanen: „Wenn du morgens ins Büro gehst und hast schon einen Liter Brennesseltee getrunken und musst ins Meeting, dat geht nicht.“ Ihr Tipp: Den Tee am frühen Nachmittag trinken – so ist die Entwässerung bis zum Schlafengehen abgeschlossen.

Wer keine Zeit hat, täglich frisch zu sammeln: Wildkräuter halten sich in einem feuchten Tuch im Kühlschrank zwei bis vier Tage. „Es ist immer noch besser als ein gekaufter Salat aus dem Aldi.“

Selbstversorger Lausitz: Bewusst sammeln in der Natur

Wer als Selbstversorger in der Lausitz auf Wildkräutersuche geht, sollte mit Bewusstsein vorgehen. Carmen Randolf empfiehlt: Sammelstellen wählen, die nicht gedüngt und nicht stark von Hunden frequentiert sind – Wiesenränder und Waldränder sind ideal. Nur gesunde Pflanzen nehmen und auf Insekteneier oder Schäumchen achten. Und vor allem: Bestände schonen. „Sammelt, was man braucht, und lässt den Rest für den nächsten oder übernächsten Tag stehen.“

Beim Bärlauch gilt besondere Vorsicht: „Ich kann nicht erkennen, ob da zum Beispiel mal ein Glöckchenblatt drin ist, wenn ich so ein ganzes Bündel nehme.“ Deshalb: Blatt für Blatt prüfen.

Kräuter Lausitz: Auf die individuelle Wirkung achten

Nicht jede Pflanze passt zu jedem Menschen. „Manche Leute mögen nicht so gerne Bitteres und sagen, der Löwenzahn ist mir eigentlich viel zu bitter – dann suche ich mir eben ein anderes Pflänzchen.“ Birke oder Brennnessel wirken ähnlich entwässernd und sind oft besser verträglich.

Wichtig ist auch: Wer die Wirkung einer Pflanze kennt, wird nicht von ihr überrascht. Der Löwenzahn heißt im Volksmund „Bettseicher“ – auf Französisch Pissenlit, auf Italienisch ähnlich. Wer das weiß, nimmt den Frischsaft nicht abends vor dem Schlafengehen.

Von der Naturliebe zur Phytotherapie – Carmen Randolfs Weg

Carmen Randolf ist Phytotherapeutin – das therapeutische Arbeiten mit Heilpflanzen. Ihr Wissen hat sie sich nicht durch eine Familientradition angeeignet, sondern durch jahrzehntelange Neugier und Erfahrung. „Ich glaube, ich bin dem Ruf der Kräuter gefolgt“, sagt sie. Mit dreizehn, vierzehn Jahren lief sie mit einem Bestimmungsbuch durch den Wald. Aus „Was ist das für ein Blümchen?“ wurde „Die kann man ja auch essen“ – und dann „Man kann damit heilen.“

In ihrer Wildkräuterwerkstatt gibt sie dieses Wissen weiter. „Draußen steht ganz, ganz viel, was wir nutzen können. Wir müssen nicht in die Apotheke oder ins Reformhaus gehen – aber können wir natürlich auch.“

Hier geht es zu der Wildkräuterschule.

Zu den Rezepten der Wildkräuterwerkstatt

Raus in die Lausitz – die Natur wartet

Carmens Wunsch ist klar: „Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Menschen diesen Zugang zur Natur wiederfinden, um ihre Gesundheit zu erhalten. Wenn die Menschen wieder diesen Blick dafür entwickeln und diese Liebe zur Natur, dann ist der Naturschutz einfach auch wieder da.“

Die ersten Rapünzchen kommen, das Scharbochskraut sprießt, die Brennnessel wächst. Die Frühjahrskur Lausitz kann beginnen – direkt vor der Haustür.

Ich wünsche dir wie immer bei allem, was du achtsam tust: ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Zeit der Lämmer – Besuch beim Wiesenhof Leippe

Zeit der Lämmer - Exkursion zum Wiesenhof Leippe

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Es ist Lämmerzeit. Im zeitigen Frühjahr, fast noch im Winter zwischen Mitte Januar und März kommen die Lämmer. Ich bin heute für euch beim Wiesenhof Leippe, einem biologisch wirtschaftenden Schafhof. Du erfährst im Podcast warum Lamm und Muttertier mäh machen müssen – was die Inhaber Peggy und Michael Hammer zum Umgang mit den Wölfen hier sagen und was das schmackhafteste Produkt ist, das die Schafe hier liefern. Als ich auf den Hof komme, begrüßt mich nicht nur Michael Hammer sondern auch der Schäferhund Otto der uns auf dem Rundgang begleiten wird.

Wie die Schafe auf den Wiesenhof kamen

Willkommen bei Lausitzliebe. Ich bin Jana Wieduwilt, dein Host hier und wie immer ehrenamtlich für dich in der Lausitz unterwegs, um LausitzLiebende zu finden und dir hier vorzustellen.
Dies ist ein ehrenamtliches unabhängiges Projekt von mir.

Mein Anliegen ist es, deine Liebe zur Lausitzer Natur zu bestärken und/oder zu wecken. Wenn aufgrund des Podcasts auch nur ein Baum weniger gefällt, Biodiversität als Lebensgrundlage verstanden und wir alle ein bisschen mehr echte LausitzLiebe jenseits von “Mein Boot. Mein Auto. Mein Kommerz.” haben, dann ist mein Ziel mehr als erreicht.

Seit 2006 gibt es den Wiesenhof Leippe. Geplant war das nicht. Denn ursprünglich war der Hof nur als Zuhause für die Familie Hammer gedacht, später kam der Milchschafhof aufgrund von Arbeitslosigkeit dazu, den die beiden heute im Haupterwerb betreiben. 

–> ausführlich im Podcast

Schäfer - und die Romantik

Ich habe ein romantisch idealisiertes Bild im Kopf von einem Schäfer, der Flöte spielend da sitzt, während die Schafe auf fetten Wiesen grasen. So schön das Gelände ist, so schwer ist die Arbeit.

Der Boden ist äußerst karg. –> ausführlich im Podcast, Episode 26

Die Schafe bleiben im weitläufigen Gelände des Hofes. Der Schäfer zieht also nicht mit seinen Tieren durch die Landschaft. 

Ein Melkstand ist direkt nebenan.

Milchschafe in der Lausitz

Inzwischen ist der Wiesenhof ein reiner Grünlandbetrieb.

Das bedeutet, die Schafe werden aus den eigenen Wiesen versorgt. Kraftfutter wird zugekauft. Und ich latsche gleich mal ins “Keine-Ahnung-Fettnäppfchen”, weil ich naiv frage ob die Schafe 2 x am Tag Milch geben.

–> ausführlich im Podcast Episode #26

Mai-Juli ist die beste Zeit, in der die Schafe Milch geben. Danach geht die Milchmenge zurück.

Aus der Milch macht Peggy Hammer dann vor allem Yoghurt, Quark, Frischkäse und Schnittkäse. Den kann man natürlich kaufen – und ich würde das sehr empfehlen. 

Alles ist Bio und handwerklich verarbeitet. Jetzt gehen wir uns den Melkstand ansehen. 

Wir sehen eine Art Grube in der Mitte und dann rechts und links, höher gelegen, sind kleine Gänge von denen die Tiere aus gemolken werden. 

Die Tiere lernen schnell – das Futter, das es beim Melken gibt, wollen sie haben.

Die Wöchnerinnen-Station der Schafe

Haben die Schafe Namen? Im Grunde nicht, aber so sagt Michael Hammer: –> ausführlich im Podcast, Episode #26

Ab Oktober sind dann die Schafe im Mutterschutz, da müssen sie nicht arbeiten und keine Milch geben. 

Und weiter gehts in die Babystube, Wöchnerinnenstation wenn du so willst.

Am Tor begrüßt uns ein riesiger Hütehund. Ich nehm dich jetzt mal mit in die Wöchnerinnenstation, wo wir in großzügigen Gattern die Schafmuttis mit ihren jungen Lämmern finden. Die Lämmer sind erst wenige Tage alt. –> jede Menge echte Stimmung mit Määh im Podcast, Episode #26

Und die Wolle?

Müssen die Tiere beim Lammen begleitet werden? Im Schnitt haben die Schafe ein bis zwei Lämmchen. In der Wöchnerinnenstation bleiben sie 5 Tage. –> ausführlich im Podcast, Episode 26

Dann kommen sie in die Gruppe. 

Jedes Schaf hat eine andere Stimme. Damit bleiben Mutter und Lämmer in Kontakt und finden sich in der Schafherde wieder.

Wird die Wolle genutzt?

Nach Corona ist der Wollmarkt zusammengebrochen und erholt sich nur sehr langsam. Die Schafwolle vom Wiesenschafhof wird nun als Dünger genutzt und an Kleingärtner abgegeben und jetzt seit diesem Jahr auch in der Forschung verwendet.

Wölfe und Schafe in der Lausitz

Der Wolf war auch schon da und hat großen Schaden angerichtet…

Deshalb gibt es Luis – den Herdenschutzhund. 

Das ist auf jeden Fall bedenkenswert. So begeistert ich vom Wolf bin und von seinem Wert für Biodiversität und Wald überzeugt.

Fakt ist, dass wir hier ein strukturelles Problem haben – zu dem Viehhalter und Wölfe beide nicht beitragen, sondern was im Grunde auf den Tisch der Politik gehört. Doch nun zurück in den Schafstall zu Lui. Und dann gibt es ja noch den Otto. Der sieht aus wie ein sehr langhariges dickes liebes Etwas.

Und was ist der Unterschied zwischen Herdenschutzhund und Hütehund. –> ausführlich im Podcast, Episode #26

 

Ohne Lämmer keine Milch und was DU tun kannst

Wann gehen die Schafe auf die Weide raus?

Sie müssen langsam dran gewöhnt werden, wieder frisches Grün zu fressen.

Wie viel frisst so ein Schaf eigentlich? 

6 kg Gras am Tag frisst ein Schaf, wenn es keine Lämmer hat und keine Milch gibt.

Wir gehen weiter zum Kindergarten der Schafe und lernen, was “aufgeeutert” bedeutet.

Die Lämmersaison geht von Januar bis Mitte März – und manchmal auch darüber hinaus.

Wenn dann bei einem Schaf noch die Milch ins Euter schießt, das nennt der Schäfer aufgeeutert, dann ist hier der Nachwuchs nicht mehr ferne.

Ich sehe hier, dass die kleinen Lämmchen im Lämmerkindergarten auch mal hier und da einen Heuhalm aus der Futterraufe probieren. 

Sind Schafe grundsätzlich friedlich? Oder können die auch böse werden?

Ja, die Böcke können schon mal “bockig” werden.

Sind das nun glückliche Schafe? 

–> ausführlich im Podcast, Episode #26 

Die Schafe bleiben durchaus 6-10 Jahre auf dem Hof. Und merke: Ohne Lämmer keine Milch.

Das Fleisch ist auch auf dem Wiesenhof erhältlich. 

Nun gehen wir in den großen Stall, der immer noch klein aussieht, wenn man das mit den großen Anlagen bei großen Agrargenossenschaften vergleicht. Hier sind die “Großen” Lämmer – die sich miteinander beschäftigen, während ihre Mütter am Fressen sind.

Es ist während der Lämmerzeit ein fast 24-Stundenjob. 

Hach, schön. Ich kann dir liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer nur zurufen: Schau genau hin, wo du deinen Genuss kaufst. Du kannst Produkte vom Wiesenhof während der Saison z.B. bei Rewe Radke Senftenberg kaufen oder in Hoyerswerda und in den VG Märkten Dresden.
Natürlich auch im Hofladen. Alle Infos dazu findest du auf der Website des Wiesenhofes. 

Nun die Abschlussfrage, die ich immer stelle: Meine Wunschfee kommt vorbei und Peggy und Michael Hammer können sich was wünschen.

Der Zukunftswunsch

Und ja, ein wenig weniger Bürokratie wäre sicher schön! und noch mal meine Anregung. Schau, was du isst. Und von wem das kommt. Wiesenhof Leippe wäre vielleicht eine gute Lausitzer Adresse. 

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an dieser Folge, ich habe viel neues gelernt. Vor allem die Erkenntnis, dass Vegetarier, wenn sie denn Milch- und Milchprodukte essen, auch in Kauf nehmen, dass die männlichen Nachkommen, die ja auch geboren werden, damit es Milch gibt, dann irgendwie “überflüssig” sind. 

Wenn du den Podcast unterstützen möchtest, freue ich mich, wenn du den Podcast abonnierst und/oder weiterempfiehlst. Ich wünsche dir eine schöne Frühjahrszeit mit und ohne Osterlamm und wie immer ganz viel Lausitzliebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Versteckte Welten – Exkursion zum Wintergrün

Versteckte Welten - Exkursion zum Wintergrün

Versteckte Welten - Auf der Suche nach dem Wintergrün

Versteckte Welten – ich war mit Nicola Glaser von der Naturwacht Brandenburg und vielen interessierten Naturfreundinnen und Naturfreunden im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft unterwegs. Und du wirst nicht glauben, was wir mitten im Winter alles an Grünen Pflanzen und Lebewesen im Naturpark entdeckt haben. Unter anderem eine Gottesanbeterin, nein zwei. Und die hatten sich wirklich gut versteckt. Aber dazu gleich.

Auf der Suche nach Wintergrün begegnen wir zuerst...

Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration und auch darum, was zu lernen. Ich nehme dich mit an wunderschöne Naturorte der Lausitz, begleite mit dir heute Rangerin Nicola Glaser in die versteckten Welten.

Heute zeige dir virtuell, wie du selbst am grauesten Wintertag noch so einiges entdecken kannst. 

Wir sind im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Er erstreckt sich über eine Fläche von 484 km2 und hat vom Moor im Loben über die Heide, Wald und Bergbaufolgelandschaften eine riesige Artenvielfalt. Insgesamt beherbergt der Naturpark 13 Naturschutzgebiete und 7 Landschaftsschutzgebiete und 11 Flächennaturdenkmäler. 

Wir beginnen schon mal nach Grün im graubraunen Winterwald bei leichtem Schneefall zu suchen.

Die Tour startet ungewöhnlich, denn wir finden zunächst eine Yuccapalme. Die ist natürlich grün. Und nein, die Yucca gehört nicht in die Lausitz. Aber sie ist da. Vermutlich haben Gartenabfälle zur Ansiedlung des Exoten geführt. 

Erstmal erklärt uns Nicola Glaser, welche Aufgaben die Naturwachteigentlich hat:

  • Monitoring
  • Gebietskontrolle
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Dokumentation

Auch wenn der Winter wie eine verlorene Zeit scheint, so haben die Naturwächter doch jede Menge zu tun, es gibt nämlich einiges zu “monitoren”, zu beobachten. 

  • grüne Pflanzen
  • Tiere wie Hirsche, Wölfe und Co.
  • Vögel, wie z.B. den Singschwan, Turmfalke, Seeadler und Co.

Woran du erkennst, dass Auerhühner hier geboren sind

Die Vögel werden beobachtet und wenn sie beringt sind, können die Naturwächter erkennen, welche Farbe, welche Nummern diese Ringe haben. Das wird gesichtet, indem die Tiere mit guten Objektiven fotografiert werden.

Auf diese Weise kann man herausfinden, woher z.B. der Singschwan kommt. Vor einiger Zeit ist einer hier entdeckt worden, der stammte aus Lettland. Aber auch Gänse und Kraniche sind zur Zeit zu beobachten. Die kommen jetzt überwiegend aus nordischen Gefilden zu uns. Aber im Frühjahr kommen die Kraniche auch langsam zurück.

Anhand der Ringe findet man z.B. heraus, welche Auerhühner woher stammen. Die Auerhühner wurden ja aus Schweden hierher „umgesiedelt“ in einem Wiederansiedlungsprojekt. Die schwedischen Auerhühner sind alle beringt. Werden also Auerhühner ohne Ring gefunden, sind sie hier geboren. Auerhühner mit Ring stammen wirklich noch vom Wiederansiedlungsprojekt und sind echt schwedisch

Glycerin im Falter - wie überwintern eigentlich Schmetterlinge?

Und weiter gehts zu den Insekten. Insekten im Winter ?? JEP. Nicola Glaser erklärt uns, dass wir mit achtsamen Augen auch Insekten finden können. Zum Beispiel Falter. 

Die Falter haben Glycerin in sich, deshalb erfrieren sie nicht. Tagphauenauge und Admiral hängen den Winter über ab, z.B. neben Fledermaus und Co in Höhlen und Bunkern. —> Mehr dazu hörst du im Podcast, Folge #25

Die Exkursionsgruppe bekommt eine Aufgabe, nämlich etwas Grünes im Forst zu suchen.

Und da kommt bei der Gruppe von ca. 20 Personen schon einiges zusammen, was jetzt bei aufmerksamer Betrachtung im Walde zu finden ist:

Schon nach wenigen Minuten kommt die Gruppe mit reichen Schätzen zusammen: Preiselbeere, Kiefer, Flechten (Pilz und Alge), ein schon recht verwittertes Stück Stamm – Totholz mit vielen Gängen Löchern und Co. einer Raupe, Larven drin, die in dem wärmeren Ort überwintern.

Weiter kommen verschiedenste Moose, Veilchen, diverse Pilzarten, Efeu, Spitzwegerich, Vogelmiere, Habichtskraut, Storchschnabel, Brombeere, Glockenheide, die auch immergrün ist. Die Tour heißt “Versteckte Welten-Tour”.  

Welches Tier frisst eigentlich Kiefernnadeln???

Ganz nebenbei lernen wir: Welches Tier frisst denn gerne die Kiefernnadeln?

Das sind auch die Auerhühner, diese Tiere fressen gerne Kiefernnadeln.

Wir lernen so einiges über Brombeeren und die Mistel. —> Ausführlich dazu im Podcast.

Wir entdecken eine junge Kiefer, an der sich ein Rehbock geschabt hat. Das ist ganz gut zu erkennen anhand der Schabstellen – also wissen wir, hier wohnen Rehe. 

Die Diva des Waldes

Und wir sehen was Tolles. Was ganz seltenes:

Wintergrüne.

Das Doldenwinterlieb ist so was von schön. Und selten.—> ausführlich im Podcast.

Das Doldenwinterlieb kommt immer in der Nähe von Kiefern vor. Es blüht rosa und sieht aus wie eine kleine Diva Die seltene Pflanze braucht Lichtreiche Standorte und es lebt in Symbiose mit dem Wurzelpilz der Kiefer. Der Pilz versorgt die Pflanze mit Wasser und Mineralsalzen. Das Dolden Winterlieb liefert Kohlenhydrate. Auf diese Weise kann die Pflanze auch auf nährstoffarmen Böden wachsen.

Das machen auch andere Plfanzen so und gehen eine enge Partnerschaft mit Pilzen ein. Und was braucht das Doldenwinterlieb noch??

Wir kommen wieder auf ein Thema, das in der Lausitz immer mehr an Gewicht gewinnt: Das Wasser.

Wasser in der Lausitz

Doch wir kommen auch hier wieder auf ein Thema, das in der Lausitz immer mehr an Gewicht gewinnt: Das Wasser.

Je mehr der Grundwasserspiegel sinkt, umso mehr Pflanzen verschwinden. Weil es zu trocken wird. –> Ausführlich im Podcast

Wo wohnen Glühwürmchen?

Und gleich gehts weiter. Diesmal mit einem winzig kleinen Ding.

Die Eichenzipfelpfalter überwintern in einem Ei, winzig, an einer Knospe einer Eiche. Ich habe gesucht, aber keins der winzigen Eier gefunden, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Was für interessante Überwinterungsstrategien doch unsere heimischen Tiere und Pflanzen haben.

Ein Kind findet ein offensichtlich leeres Schneckengehäuse. Doch vielleicht ist es gar nicht leer? In solchen Behausungen überleben unsere Glühwürmchen. Das ist dann ein Würmchen mit gelben Flecken. Die brauchen wilde Ecken und Versteckmöglichkeiten. 

Apropos Insekten. Wir haben zwei Larven von Gottesanbeterinnen entdeckt, die hier gemütlich überwintern.

Wir haben insgesamt doch ganz viel Leben im Naturpark gefunden. Auch im Winter. Viele spannende Pflanzen, sogar das seltene Dolden Winterlieb. Es war eine herzerfrischend schöne Exkursion.

Ich danke Nicola Glaser von der Naturwacht Brandenburg für diese wunderbare Zeit und ihre Liebe zur Natur. Und rufe dir zu.

Geh in die Natur. So oft du kannst. So oft es geht. Ohne Handy. Oder lass es in der Tasche. Beobachte. Du kannst so viel lernen, auch wenn du nicht genau weißt, wie die Pflanze heißt. Ich habe wirklich viel alleine durch Beobachten gelernt. 

Was du tun kannst?

Wenn dir der Podcast gefallen hat, kommentiere, gib mir ein Like, abonniere den Kanal. Und nun wünsche ich dir einen schönen Tag, wir hören uns nächste Woche wieder. Ich wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt