Die Quelle in der Calauer Schweiz und die Hölle

Die Quelle in der Calauer Schweiz und die Hölle

Ihr habt euch gewünscht, dass ich mal wieder eine Wanderung mit euch mache. Voila. Mache ich doch glatt, nichts lieber als das. Heute nehme ich euch mit in die Hölle. Wir finden eine wundervolle Quelle und riechen Wildschweine. Wir wandern durch die Calauer Schweiz und ich nehm dich mit auf Tour.

LausitzLiebe Calauer Schweiz Wasser Lausitz

LausitzLiebe ist dein Blog für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. LausitzLiebe für alle ist mein Motto und ich hoffe, nach dem Lesen dieser Episode, auch deins. 

Wir starten unsere Tour in Werchow bei Calau. Dort gehen wir das erste Stück auf dem Werchower Sagenpfad entlang. Es ist wunderschön. Es gibt ein Tiergehege und der Weg führt entlang eines romantischen Bachlaufes. Ich sehe Erlen, Eichen, ein paar Birken. Und der Bach schlangelt sich recht naturbelassen neben dem Weg lang. Schön. 

Schon gleich zu Beginn habe ich einige Findlinge entdeckt, auf die Tafeln mit Sagen und Geschichten aufgebracht sind. Ich lese von Hexengeschichten, dem verschwundenen Drachen, vom Nix und dem verschwundenen Müllerburschen. Um mich herum grünt es, echtes Maiengrün. Der Weg führt hier asphaltiert und sehr leicht zu begehen immer am Bächlein lang.

Vom Goldborn - einer der wasserreichsten Quellen der Lausitz

Nun bin ich am Goldborn angelangt. Zuerst sehe ich hinten im Walde Wasser stehen. Der Bach fließt doch!

Ich gehe zur Quelle und entdecke tatsächlich einen ockerfarbenen Schimmer. Kann Eisen sein, kann aber auch auf die Goldene Kutsche zurückzuführen sein.

Hier sind Kastanien und eine dicke riesige BlutBuche. Der rote Laubaustrieb ist so schön.

Weinrot funkeln die frischen Blätter über mir. Komm, da gehen wir jetzt mal hin. Kuscheln.

Direkt in meiner Augenhöhe sehe ich ein kaum noch zu erkennendes Herz, was jemand vor vielen vielen vielen Jahrzehnten hier in der Baumrinde hinterlassen hat.

Bitte mach du das nicht, schreib deiner Angebeteten lieber eine WhatsApp, anstatt den Baum anzuschnitzen.

Und ich versuche, die Buche zu umfassen, aber meine Arme reichen gerade mal um ⅓ des Baumes. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Bäume lieeeeebe?

Die Quelle sprudelt jedenfalls ordentlich vor sich hin. Knapp 500 l Wasser pro Minute. Das ist ganz schön was.

Bevor der Bauer seinen Stein rein geschmissen hat, soll es noch viel mehr gewesen sein. Damit ist das wohl einer der wenigen und wasserreichsten Quellen in der Niederlausitz. Und wir sollten schauen, dass der Goldborn noch recht lange sprudelt. Es ist eine herrliche Gegend. 

Übers Feld und durch den Wald (Calauer Schweiz)

Ich gehe weiter und entdecke markante Eichen. Die haben gleich mehrere Stämme, die alle miteinander verbunden zu sein scheinen. Schön!

 

Nun gehen wir endlich weg vom asphaltierten Weg und laufen ganz langsam und sanft auf einer Wiese. Herrlich. Um mich herum zirpen die Grillen. Der Sommer ist zum Greifen nah. Man kann ein ganzes Stück in die Landschaft schauen und die Wiese ist schon mit vielen Wiesenblumen bunt getupft. Ich sehe schon oben den Wald.

 

Und ich sehe, dass es ein schöner Wald ist. Buchen. Eichen. Wenige Kiefern. Auf dem Waldboden liegt noch dicke Laubstreu. Da werden sich die Bodentierchen aber freuen. Erinnerst du dich an den Podcast über Bärtierchen und Fadenwürmer? Spannend, hör unbedingt rein, was diese wichtigen Bodentierchen für uns alles tun.

 

Ich gehe weiter durch den wundervollen Wald. Die Blätter rauschen und jetzt wechselt die Szene zu einem lockeren Kiefernforst. Natürlich ist auch hier Sandboden und der Weg geht leicht bergauf. Wir sind ja immerhin in der Calauer Schweiz. Viele Heidelbeeren sind hier, Ein sehr schöner Forst und der Wanderweg ist fantastisch.

Der Hölle nah. Mit einem Rutsch rein.

Ich bin nahe der Hölle. Das ist ein Tal, dicht und grün. Ich empfinde die Hölle als himmlisch.

Doch erstmal müssen wir beide einen einigermaßen steilen Abstieg meistern. Zieh dir passendes Schuhwerk an mit ordentlich Gripp. Habe ich nicht, und so schlitter ich den Hang runter. Aber nix passiert. Gotseidank hab ich ab und an mal eine Kiefer zum Festhalten. 

Und nun gehts direkt in die Hölle. Es ist grün, fast wie im Dschungel.

Nur ein schmaler Pfad schlängelt sich entlang. Es geht wieder bergauf, dann wieder bergab. Herrlich, Und wir beide ganz alleine.

Oh, hier riechts nach Wildschwein. Aber heftig. Das kann nicht weit weg sein,

Ich glaube ja daran, dass Wildtiere grundsätzlich überhaupt keinen Bock drauf haben, uns Menschen allzu offensichtlich zu begegnen und dass sie auch nicht aus heiterem Himmel angreifen.

Nicht mal Wildschweine. Wenn, ja wenn ich nicht gerade durch die Kinderstube der Wildschweine wandere. Also im Gebüsch rumkrieche.

Mache ich nicht. Und die Wildschweine bekomme ich auch nicht zu Gesicht. Denn, der Pfad wird wieder breiter, ein Weg ist es nun wieder.

Die Hölle und das menschliche Wirken

Doch ich wills wissen.

Es muss auch in der Hölle eine Quelle geben. Die will ich finden.

Also, wieder rein ins Tal und weiter auf dem schattigen Pfad entlang. Neben mir ist ein Graben. Aber der ist trocken.

Das ist ein guter Ort für einen Spaziergang an einem heißen Sommertag. So viel Grün. Schatten rundherum. Unten Kräuter, hier scheint es feuchter zu sein als anderswo.

Eine Quelle kann ich nicht entdecken.

Doch, vielleicht da?

Hier steht Wasser und die Gehölze scheinen im Wasser zu stehen. Es sieht sumpfig aus dahinten.

Hier mein Fußwegpfad ist trocken. Und richtig romantisch. Frisches Grün, aber auch tote oder abgebrochene Bäumstämme machen die Hölle zu einem richtigen Refugium der Wildnis. 

Herrlich. 

Die Hölle ist das Tal, das wir nun fast durchwandert haben. Nun entdecke ich ein Hinweisschild.

Offenbar bin ich falschrum durch die Hölle gewandert.

Ich lese, dass Klimawandel und Landnutzung die Hölle, besser gesagt, ihre Quellen in Gefahr brachten.

Denn im vorigen Jahrhundert wurde das Gebiet, das auf einer ca. 3 Meter dicken Torfschicht ruht, entwässert, sprich, es wurden Gräben gezogen, dei das Wasser ableiten sollten. Haben sie auch gemacht.

Vor einigen Jahren nun ist das wieder rückgängig gemacht worden und die Gräben wurden verschlossen, Deshalb habe ich wohl auch den trocken gefallenen Graben gesehen.

Rundum gelungene Sache

Nun soll hier langsam wieder ein Moor entstehen. Das Gebiet wird überhaupt nicht mehr genutzt. Das ist ein starkes Statement der Eigentümer Stiftung August Bier für Ökologie und Medizin. Danke dafür!

Außerdem gehört die Hölle zu den europaweiten Schutzgebieten Natura 2000.

Die Wanderung geht weiter durch lichte Wälder und an Lichtungen und Wiesen vorbei. Ich entdecke einen alten Stamm, der über und über mit Plzen bewachsen ist. Eine durchweg gelungene Sache. Kann ich dir sehr empfehlen.

Ich habe das ganze als Komot Wanderung abgespeichert. Schreib mir an info@lausitzliebe.de mit dem Stichwort Wanderung, dann kann ich das mit dir teilen.

Danke für unseren wundervollen Ausflug, der wieder am Werchower Tiergehege endet.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

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Stück jagdfreie Lausitz: Wildes Leben

Jagdfrei in der Lausitz – wenn Tiere keine Angst mehr haben müssen

Jagdfreie Lausitz - wildes Leben Lausitzliebe

Auf 1.200 Hektar mitten in der Lausitz darf kein Tier abgeschossen werden. Was das mit den Wildtieren macht – und warum das Projekt „Wildes Leben“ auf jeden Fall eine wichtige Naturschutzidee der Region ist.

Stell dir vor, du sitzt am Abend am Aussichtspunkt in Bergen. Die Sonne geht unter, der Nebel kriecht über die Flachwasserzonen, irgendwo ruft ein Schilfrohrsänger. Und dann,  ganz langsam zieht eine Gruppe Rotwild über die offene Fläche. Sie sind anders als sonst. Entspannt, wenn eine solch menschliche Definition auf Tiere zutrifft. Anscheinend haben sie keine Angst. Sie fühlen sich offenbar in ihrem Revier zu Hause.

Im Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland ist das eine Beobachtung, die mit Jagdfreiheit zusammenhängt. Davon berichtet dieser Artikel.

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Was ist das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland?

Etwa 5.800 Hektar, 55 Quadratkilometer, rund 7.100 Fußballfelder – das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland ist eine der größten zusammenhängenden Naturschutzflächen Deutschlands. Eine Bergbaufolgelandschaft, die sich seit Jahrzehnten in etwas Außergewöhnliches verwandelt: ein Refugium.

Hier sind nur wenige Menschen unterwegs. Teils weil noch immer Bergaufsicht besteht, das bedeutet, die Flächen sind nicht vollständig zur öffentlichen Nutzung freigegeben. Teils weil das Gebiet unter Naturschutz steht. Die Lausitzer Seenland GmbH, die das Gebiet verwaltet, hat sich einer klaren Aufgabe verschrieben: Bergbaufolgelandschaft aus Naturschutzsicht erhalten und sichern.

Was das in der Praxis bedeutet? Beweidung mit Schafen und Rindern. Pflege von Offenland. Schutz seltener Arten. Und seit April 2025 läuft das Projekt Wilde Lausitz mit vollständiger Jagdfreiheit auf 1.200 Hektar.

Das Projekt Wildes Leben: eine Idee aus Yellowstone

Dr. Jana Malin hat 10 Jahre lang nach einem geeigneten Gebiet  für Jagdfreiheit gesucht. Erst in Österreich, dann immer weiter – bis sie Dr. Alexander Harter kennenlernte und das Naturschutzgroßgebiet Lausitzer Seenland als perfekten Standort erkannte.

Die Inspiration für die Wildes Leben kam aus Amerika. Aus Yellowstone.

„Im Yellowstone laufen die Kojoten direkt vor dir vorbei. Die Füchse. Du gehst durch eine Bisonherde durch. Die Tiere entscheiden selbst, ob sie kommen. Es wird dort nicht gejagt und man sieht, was das mit ihnen macht.“

Jana Malin wollte wissen: Ist so etwas auch in der Lausitz möglich? Können Wildtiere hier wieder lernen, dem Menschen zu vertrauen oder zumindest keine Angst vor ihm zu haben?

Seit April 2025 läuft das Projekt Wildes Leben. Seitdem wird auf 1.200 Hektar nicht mehr gejagt. Und die ersten Ergebnisse sind da.

Was passiert, wenn die Jagd wegfällt?

Schon nach gut einem Jahr zeigen sich messbare Verhaltensänderungen: Die Tiere laufen nicht mehr so schnell weg. Sie tasten sich langsam zurück auf das Offenland. Vom Aussichtspunkt aus wurden bereits Rotwild-Gruppen beobachtet, die in aller Ruhe über die weiten Flächen ziehen, so, wie es früher vielleicht normal war.

Was hier passiert, ist im Grunde eine Rückkehr zu einem Verhältnis zwischen Mensch und Tier, das wir längst verloren haben: Das Miteinander von Mensch und Natur. 

“Je näher wir Tiere sehen können, vielleicht sogar immer wieder dieselben Individuen, desto eher entsteht wieder eine Beziehung. Man lernt sie kennen, weiss mehr über ihre Lebensräume und ihr Verhalten. Und dann verändert sich das Naturverständnis“, so Dr. Jana Malin.

Jagdfreiheit ist kein Selbstläufer

Was viele nicht wissen: In Deutschland muss jedes Grundstück bejagt werden. Es ist Pflicht. Wer Grundeigentümer ist, hat das Jagdausübungsrecht und muss es ausüben oder ausüben lassen.

Dr. Alexander Harter, Geschäftsführer der Lausitzer Seenland GmbH, hat das Jagdrecht für das Gebiet selbst übernommen und einen Weg gefunden, die Jagd in sehr geringem Umfang durchzuführen. Gerade beim Thema Jagd muss immer wieder abgewogen werden zwischen Eigentumsrecht, Jagdrecht, Naturschutz und behördlichem Dialog.

Sein klares Statement: Kulturlandschaft muss bejagt werden. Aber es muss auch große, zusammenhängende Gebiete geben, in denen das nicht passiert. Gebiete, in denen sich Natur selbst regulieren kann.

Die Königsbrücker Heide in der Westlausitz macht es vor. Das Lausitzer Seenland soll es beweisen.

Monitoring ohne Stress mittels KI und Wärmebilddrohnen

Damit das Projekt nicht nur gefühlsmäßig funktioniert, braucht es Daten. Und die werden gesammelt, aber auf eine neue Art.

Das Team setzt auf wildtierschonendes Monitoring. Keine Fallen, keine Halsbänder, kein Besendern von Tieren. Das macht ihnen Stress. Stattdessen setzt das Projektteam von Wildes Leben auf Wärmebilddrohnen mit KI-Auswertung.

In Kooperation mit Globe Flight wird gerade eine KI trainiert, die Wildtiere anhand individueller Merkmale erkennen kann, ähnlich wie wir Menschen uns an Gesichtern erkennen. Die Methode funktioniert schon recht gut bei Fuchs und Wolf. Für Wildschweine und Rotwild ist noch Entwicklungsarbeit nötig.

In drei Jahren sollen erste belastbare Ergebnisse vorliegen und unter anderem Antworten auf folgende Fragen geben: Ist ein Gebiet von 1.200 Hektar groß genug, um eine gewisse Selbstregulation zu erreichen? Was braucht es, damit andere Gebiete nachziehen können? Welche Hürden, Chancen und Risiken stecken dahinter?

Wölfe, Wildschweine und ein kleines Rudel

Seit 2009 gibt es Wölfe im Gebiet. Am Anfang fraßen sie viele Rehe, später wurden Wildschweine zur Hauptnahrungsquelle. Dann kam die Afrikanische Schweinepest und damit gab es weniger Wildschweine und damit wiederum weniger Wölfe. Heute ist das Rudel klein: Es sind nur noch vier Tiere statt einmal fünfzehn.

„Der Wolf ist mein Lieblingstier. Und ich habe wirklich lange gesucht: Was kann ich beitragen, damit er seinen Lebensraum behalten kann?“

Jana Malins Antwort ist dieses Projekt. Und vielleicht auch die Hoffnung, dass eines Tages am Aussichtspunkt in Bergen das passiert, was im Yellowstone alltäglich ist: dass ein Wolf einfach vorbeiläuft und niemand erschrickt. Das wäre auch mein Traum. 

Jäger, Naturschützer, Tierhalter an einem Tisch

Ein jagdfreies Gebiet mitten in einer Kulturlandschaft beinhaltet Konfliktpotenzial. Überraschend, dass es im NGP nicht so ist. Das hat einen Grund: Das Projekt Wildes Leben hat von Anfang an alle Beteiligten eingebunden: Jäger, Naturführer, Fotografen, Filmemacher, Tierhalter, Gemeinden. Jede dieser Gruppen hat sein Interesse. In gemeinsamen Treffen werden Konfliktlinien offen besprochen und Lösungen gesucht.

Gerade die Jägerschaft hat das jagdfreie Schutzgebiet stark befürwortet. Denn auch sie wissen, dass Rückzugsräume für Wildtiere am Ende allen zugutekommen.

Und die Bevölkerung? Großer Zuspruch. Die Menschen in der Region, von den Anrainern bis weit über Hoyerswerda hinaus, nehmen das Projekt extrem positiv auf. Sie sind gespannt, was herauskommt.

Was du tun kannst

Das Projekt lebt von Aufmerksamkeit – und von Beobachtungen. Am Aussichtspunkt in Bergen gibt es ein Plakat, auf dem Sichtungen gemeldet werden können. Jede Beobachtung von Wolf, Fuchs, Rotwild oder Wasservögeln ist wertvoll für das Monitoring.

Die besten Zeiten zum Beobachten:

Abendstunden, etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang bis in die Dunkelheit. Oder früh morgens, so früh wie möglich – einfach hinsetzen, nicht bewegen, warten.

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann das über BetterPlace tun. Die Wildkameras wurden damit bereits gekauft. Für die Zukunft sind Ausstellungen geplant – unter anderem in der Kufa – mit Drohnenaufnahmen aus dem Gebiet, die wie abstrakte Malerei wirken. Mondlandschaften aus der Vogelperspektive. Lausitz, wie du sie noch nicht gesehen hast.

Warum mich das bewegt

Ich war am Aussichtspunkt in Bergen. Ich habe mit Dr. Alexander Harter und Dr. Jana Malin gesprochen. Und ich muss ehrlich sagen: Dieses Gespräch hat mich noch mehr LausitzLiebe fühlen lassen, als ich ohnehin schon hatte.

Denn hier passiert etwas Seltenes: Menschen, die mit Überzeugung, Geduld und wissenschaftlicher Neugier an etwas arbeiten, das größer ist als sie selbst. Ein Modell. Eine Hoffnung. Ein Experiment mit offenem Ausgang.

Und das Schöne daran? Wir können alle Teil davon sein. Indem wir hinfahren. Indem wir hinschauen. Indem wir melden, was wir sehen. Indem wir berichten, teilen, weitererzählen.

Wenn aufgrund dieses Podcasts auch nur ein Tier mehr leben darf, ein Laubhaufen liegen bleibt, wir alle jeden Tag ein kleines bisschen achtsamer sind – dann ist das Ziel mehr als erreicht.

Warum LausitzLiebe?

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Überflieger Lausitz – Museum für Naturkunde Görlitz

Lausitz für Überflieger - Museum für Naturkunde in Görlitz

Museum Naturkunde Senckenberg Görlitz LausitzLiebe Museumsrundgang

Die Lausitz ist riesig. Ich habe herausgefunden, wo du einen perfekten Überblick über diese gigantische Landschaftsvielfalt bekommst. Und zwar im Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz. Glaub mir, ich bin genauso gerne draußen, wie in einem Museum. Und ziehe vielleicht manchmal wirklich die Natur vor. Aber, um einordnen zu können, per Knopfdruck anhand eines riesigen Lausitz-Modells durch Jahrmillionen von Erdgeschichte direkt vor unserer Haustüre zu reisen, zu verstehen, worauf die Lausitzer Natur “gebaut” ist – lege ich dir einen Besuch in Görlitz wirklich wirkllich ans Herz. Also, wenn du mal so richtig ein Überflieger werden möchtest, check ein im Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz.

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Längster Regenwurm Deutschlands

Und ja, der Überblick ist wirklich fantastisch. Ich habe das ausprobiert und war selber überrascht, wie viel Wasser, aber auch Tagebaue und Vielfalt wir in der Lausitz haben. Obwohl ich LausitzLiebe für alle auch so meine und lebe: Der Besuch im Senckenberg Museum hat meine LausitzLiebe noch mal kräftig genährt.

Wir stehen vor einem riesigen Modell der Lausitz. Hier kannst du die ganze Lausitz in Sekunden überfliegen. Es sind die Hügel, die Seen, Flüsse zu sehen, die Städte – aber auch die Landnutzungen. Und das ist Klasse. Nicht nur für Überflieger.

Doch nun geht’s los mit dem akustischen Museumsrundgang. Ich habe Christian Düker gebeten, dich und mich durch das Naturkundemuseum zu führen. Mach dich auf eine schnelle Reise durch die Welt der Lausitzer Natur, der Dschungelwelt, aber auch unseres Bodens gefasst. Warum du dran bleiben solltest? Vulkane in der Lausitz?? Mehr Vielfalt auf nur 100 km kannst du kaum finden. Und im Muesum findest du den größten Regenwurm Deutschlands mit 6 Meter Länge. Und wir gehen auch auf einen nachdenklichen Aspekt des Kolonialismus ein.

Verstehen was drunter ist / Lausitzer Bodenschichten

Das Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz – übrigens eine Gründung von Menschen, die die Natur liebten und auch selbst in die Finanzierung dieses Museums investierten – 1811. Ich wiederhole noch mal: 1811. Das war vor über 200 Jahren, da haben sich diese Bürger zusammengefunden um wissenschaftliche Naturforschung zu unterstützen und diese Einrichtung zu gründen.

Während der DDR war das Museum staatlich und danach im Freistaat Sachsen.

Seit 2009 gehören das Museum und die dazugehörigen Forschungseinrichtungen zur Senckenberg Gesellschaft.

Aus der Forschungseinrichtung habe ich schon eine Folge gemacht: Das Wunder unter unseren Füßen – der Boden. Da habe ich mit Frau Dr. Hohberg gesprochen und es ging um die Böden in der Lausitz. Spannend, wie es nach dem Bergbau mit dem eigentlich toten Boden weitergeht. Lies da unbedingt rein. 

Nun zum Museum in Görlitz:
Erstmal geht es um das, was drunter ist. (Ausführlich hierzu höre in den Podcast rein).

Weiter geht’s mit der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, die hier anhand von nachgestellten Naturlandschaften und wundervoll vergrößerten Modellen zu bestaunen ist. Die Geräuschkulisse ist inklusive. Und wir wandern auch ins Zittauer Gebirge.

Forschungsergebnisse im Senckenberg Museum

Die Ausstellung ist dabei nur der kleinste Teil dessen, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Forscherinnen und Forscher in Görlitz tun. Mir tut sich eine riesige Welt aus Forschung und Untersuchung auf. Und das ergibt Sinn. Denn was man kennt, kann man auch schützen oder auch dazu beitragen dass unsere Vielfalt erhalten bleibt. Tatsächlich ist es ja so, dass – wenn denn wissenschaftlich nachgewiesen ist, was ich oftmals nur fühle. Nämlich Wert und Einzigartigkeit unserer Lebensräume, dass dann auch Maßnahmen ergriffen werden, um sie zu bewahren.

Und zum Beispiel forschen die Senckenberg-Wissenschaftler auch ganz viel zum Thema Boden. Doch wie soll man denn darstellen, was zu unseren Füßen, oftmals völlig unbeachtet los ist und doch so enormen Einfluss auf all unser Leben in der Lausitz und auf der ganzen Welt hat.

In wechselnden Sonderausstellungen wird immer noch mal besonders deutlich gemacht, woran die Forscherinnen und Forscher gerade arbeiten. Zur Zeit der Aufnahme gibt es eine Sonderausstellung zum Thema Bodenschätze und Antworten auf die spannende Frage: Welche Bodenschätze gibt es denn eigentlich in der Lausitz. Welche exportieren wir. Welche müssten wir nicht importieren und so weiter.

Nun geht’s in einen grünen Raum. Und rate mal, was wir hier finden, ein richtiges Schätzchen zum Staunen mit einer nachdenklichen Note:

Erstaunliche Vielfalt auf wenigen qm

Hunderte Tiere aus tropischen Regenwäldern: Tiger, Gorilla, Faultiere, Vögel…

Natürlich frage ich Christian Düker nach seinem Lieblingsplatz im Museum. Die Oberlausitzausstellung ist einer seiner liebsten Plätze. Vor allem deshalb, weil die Nachbildungen und echten Pflanzen, die dort zu sehen sind, so detailgenau sind, dass es eine ganz besondere Lust ist, diese zu betrachten. Auch für ihn, der ja täglich in den Ausstellungen zu tun hat. Und jetzt führt er mich die Treppe hinunter zu einem ganz ganz besonderen Ort. 

Hier sind Terrarien, Aquarien und von Vogelspinne bis Karpfen ist hier eine sehr erstaunliche Vielfalt an Tieren lebend zu entdecken. Wilde Karpfen – ein so genannter Schuppenkarpfen sind hier zu sehen. Ganz alte Exemplare. 80 Jahre alt kann so ein Karpfen werden. Das Wasser plätschert und wer mag, setzt sich einfach hin und lässt sich von der beruhigenden Atmosphäre einfangen.

Beweise für das, was wir eigentlich längst wissen

Nun haben wir das Senckenberg Museum für Naturkunde einmal im Schnelldurchlauf durchquert. Wenn du also demnächst an einem grauen Wintertag nicht recht weißt, was du mit dir anfangen sollst, dann besuche Görlitz und das Senckenberg Museum. Du bekommst einen feinen Überblick und lernst mit Sicherheit ne Menge dazu. Ich jedenfalls habe viel gelernt. Ja, auch Nachdenkliches. Aber auch erfreuliches. Und, ich kann’s nur wiederholen. Je besser wir wissenschaftlich nachweisen können, wie sich Arten untereinander oder überhaupt verhalten, wie sich Landschaft entwickelt und so weiter, desto “bewiesener” ist es, dass es gut wäre, diese Vielfalt zu erhalten. Manchmal sind wir Menschen ja so seltsam, dass wir Beweise brauchen für das was wir längst wissen: Dass wir Teil der Natur sind und die Natur nicht nur zum Überleben sondern auch für unser Wohlbefinden brauchen wie sonst nichts. Ich finde es wunderbar, dass es solche Einrichtungen dieser Klasse in der Lausitz gibt und bedanke mich herzlich für die spannende Führung bei Christoph Düker.

Nun sei so gut und tu mir noch einen Gefallen. Wenn dir der Podcast gefallen hat, dann lass mir gerne einen Kommentar, ein Like da und abonniere den Kanal. Wenn du Menschen hast, denen der Podcast auch gefallen könnte, teile die Sendung. Weißt du, zusammen sind wir mehr als einer – und wenn alle ein bisschen mehr LausitzLiebe haben, haben wir auch länger was von der Lausitz. In diesem Sinne: LausitzLiebe für alle. 

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

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Die Gewässer-Retter

Die Gewässerretter

Die Gewässerretter LausitzLiebe Lausitz Flüsse und Bäche Wasser Lausitz

Vor einigen Wochen war ich mit Linda Leibhold am Haselbach zwischen Großröhrsdorf und Königsbrück. Der Haselbach war ein Beispiel für das, was Linda Leibhold und ihre Kolleginnen und Kollegen vom DVL Landesverband Sachsen tun. Sie machen nämlich Gewässer 2. Ordnung wieder langsam und natürlich. Warum das gut ist für unsere Natur, warum es eine Mammutaufgabe ist und was du ganz persönlich für unsere Fließgewässer tun kannst, erfährst du in diesem Podcast.

ZusammenFLUSS

AUS AKTUELLEM ANLASS. Dies ist eine Studie der EU zum Zustand der Oberflächengewässer. Der Zustand ist sehr sehr schlecht. Umso wichtiger ist die Arbeit der Gewässerretter.

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Linda arbeitet für den DVL-Landesverband Sachsen e.V. Das ist der Verband der sächsischen Landschaftspflegeverbände. Zweck des Vereins ist die landesweite Beförderung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes und des Sächsischen Naturschutzgesetzes insbesondere durch die Unterstützung der Umsetzung von Artenschutz- und Biotopverbundprojekten sowie die Mitwirkung bei der Sicherung der Kohärenz des europäischen Schutzgebiets Natura 2000. Grundlage der Arbeit des DVL-Landesverbands wie auch der regionalen Landschaftspflegeverbände ist die gleichberechtigte Zusammenarbeit von Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft sowie Kommunalpolitik („Drittelparität“).

Linda arbeitet für das Projekt “ZusammenFLUSS“.

Beraterinnen und Berater für Gewässerunterhaltung

Auf Basis eines Kooperationsvertrages zwischen dem SMUL (Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft) und dem DVL-Landesverband Sachsen e.V. sind seit Herbst 2024 im Rahmen des Projekts ZusammenFLUSS in fünf Modellregionen sogenannte „Berater und Beraterinnen Gewässerunterhaltung (BGU)“ eingesetzt. Eine dieser Beraterinnen ist Linda Leibhold.

Die Modellregionen sind die Landkreise Bautzen, Zwickau, Leipzig, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, sowie der Altkreis Torgau/Oschatz.

Diese Beraterinnen und Berater haben die Aufgabe, die Kommunen bei der Planung, Finanzierung und Umsetzung von naturnahen Gewässerunterhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen im genehmigungsfreien Bereich zu unterstützen. Dabei fungieren sie als regionale Kümmerer, bringen die verschiedenen Akteure am Gewässer zusammen und engagieren sich für eine effiziente Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie integriert mit Belangen des Hochwasser- und Naturschutzes. Das Projekt läuft bis zum Ende des Jahres 2027.

Was macht ein gesundes Gewässer in der Lausitz aus?i

Ich finde das Klasse. Doch komm jetzt einmal mit raus an den Haselbach. Hier zeigt uns Linda Leibhold eines ihrer Projekte. Du wirst bestimmt genauso begeistert sein, wie ich. 

Wir stehen an dem kleinen Bach, der circa 1-2 Meter breit ist. Lang schlängelt sich der Bach durch das Tal. Wir stehen auf einer Weide, auf der anderen Seite des Flüsschens verläuft eine Straße und dahinter sind Häuser zu sehen. Man kann gut erkennen, dass hier vor kurzem “Flussbauarbeiten“ im Gange waren.

Was macht eigentlich einen gesunden Bach aus?

Vielfältige Strukturen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, in der Strömung, kurviger Verlauf, Flachwasserzonen und Bereiche, wo sich das Wasser ausdehnen kann. Dazu gehören ebenfalls Uferstauden und Bäume, um das Gewässer zu beschatten.

Nun sind speziell an dem Haselbach, wo wir mit Linda Leibhold am Beispiel ansehen, was die Gewässerretter machen, nicht nur die Uferprofile wieder zurückgebaut worden, sondern auch Gehölze gepflanzt worden…

Weniger ist beim Flüsschen oft mehr

Der Pflegeaufwand wird tatsächlich weniger für die Kommunen. 

Es ist so, dass in Sachsen die Kommunen für die Unterhaltung Gewässer zweiter Ordnung rechtlich in der Pflicht sind. Zur Unterhaltung zählt einerseits die Sicherung des ordnungsgemäßen Abflusses (Hochwasserschutz), als auch die ökologische Entwicklung des Gewässers. Dafür gibt es verschiedene übergeordnete Gesetzgebungen, ganz wichtig ist die sog. EU-Wasserrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2000. Sie schreibt vor, dass bis 2027 alle Gewässer in einen „guten Zustand“ zu bringen sind. Aktuell erreichen im Freistaat Sachsen nur etwa 7 % der Gewässer diesen guten Zustand. Die Gewässer sind stark begradigt, ausgebaut, oft unbeschattet und mit Nährstoffeinträgen insbesondere aus angrenzenden Landwirtschaftsflächen aber auch Einträgen z.B. durch Kleinkläranlagen belastet. Während naturnahe Gewässer viele wichtige Funktionen erfüllen (Lebensraum, Naherholung, Puffer Dürre, Puffer Hochwasser, Landschaftsbild, …), erfordern ausgebaute Gewässer ständigen Mitteleinsatz durch Unterhaltung (Mähen, Krauten, Räumen, …). Das heißt im Umkehrschluss: je naturnäher ein Gewässer, desto besser kommt es mit den Klimawandelfolgen klar, desto besser funktioniert das Gewässer bei Hochwasser UND desto weniger Geld muss ich jährlich in die Unterhaltung investieren. Das sind sehr gute Argumente für eine Gewässerentwicklung. 

Eine ganze Reihe sehr sehr logischer Argumente, die rein rational absolut Sinn ergeben. Nun müssten sich ja die Kommunen im Grunde reihenweise anstellen, um ihre Gewässer naturnah wieder herzustellen. Ist das so?

Machen die Menschen mit beim Gewässer-Retten?

Einige Kommunen sind sehr aufgeschlossen. Die meisten wissen, dass ein “weiter-so” nicht mehr geht. Fläche hat Widerstandskraft genommen, sowohl bei Dürre, wie auch bei Hochwasserereignissen. 

Was genau machen also die Beraterinnen und Berater Gewässerunterhaltung? Dürfen sie den ganzen Tag Faschinen legen, Weidenpflanzen und Gewässer von den Trapezprofilen befreien?

Also ich fasse mal zusammen:

Die Schwierigkeiten in der Umsetzung liegen vor allem in der Flächenverfügbarkeit begründet und auch insgesamt mit falschen Erwartungen z.B. bei den Anliegern („das sieht gar nicht mehr ordentlich aus hier“). Teilweise ziehen die Projekte auch große bürokratische Aufwendungen mit sich (viele Behörden sind am Gewässer beteiligt) – wir in unseren Stellen bewegen uns aber vornehmlich im genehmigungsfreien Bereich. D.h. unser Ziel ist: mit vergleichsweise geringem Mitteleinsatz viel bewirken. (Hintergrund: Eine Renaturierung des Gewässers ist meist ein größeres Unterfangen und in der Verfahrensart ein Gewässerausbau, wir im Bereich der Gewässerentwicklung sind vornehmlich im Bereich der genehmigungsfreien Gewässerunterhaltung unterwegs). Die dritte Schwierigkeit sind (wie immer) finanzieller Natur, wobei es auf Landesebene eine gute Förderung für Gewässerentwicklungsmaßnahmen gibt, die mit 90 – 95 % viel abdeckt. 

Dinge die die Beraterinnen und Berater für Gewässerunterhaltung am meisten tun: 

  1. schauen, wie die laufende Gewässerunterhaltung, die die Kommune macht, extensiver (=naturverträglicher) + effektiver (=kostengünstiger) umgesetzt werden >> sie schauen fachlich drauf: wo muss wirklich unterhalten werden und wo kann das Gewässer in Ruhe gelassen werden? Wenn unterhalten muss, wie geht das möglichst schonend und fachgerecht? 
  2. Gewässerentwicklungsmaßnahmen initiieren >> die BGUs schauen nach Gewässerabschnitten, wo sie dem Gewässer „etwas gutes tun können“, z.B. naturfernen Verbau entfernen, naturnähere Laufstrukturen anlegen, Ufer und Sohle naturnäher gestalten, Gehölze anlegen, … gleichzeitig klären sie Einverständnis der Eigentümer, helfen bei Förderanträgen bzw. suchen nach geeigneten Finanzierungsquellen, unterstützen bei der Planung oder Ausschreibung bis hin zur Umsetzung und Pflege, so wie hier am Haselbach 

(3. immer immer immer versuchen sie Akteure am Gewässer zu vernetzen, Leute an einen Tisch zu bringen die sonst nicht/zu wenig miteinander sprechen, Und sie sensibilisieren für das wichtige Thema naturnaher Gewässer von Landwirten, Bürger:innen, bis hin zum Ministerium oder MdLs, …) 

Es sind viele viele Gespräche notwendig. Denn es geht nämlich nicht darum, irgendwas durchzudrücken, sondern partizipativ eine Lösung zu entwickeln, mit der alle gut leben können. Koexistenz von Interessen. Das finde ich als Beispiel für den gesamten Naturschutz eine gute Sache!

Wie offen sind denn die Menschen, wenn es um das Gewässer im Dorf geht?

Der Kompromiss ist das Ziel

Hier gilt es einen guten Kompromiss zu finden aus der berechtigten landwirtschaftlichen Nutzung und den Interessen des Naturschutzes. Und es geht eben vor allem um ein Miteinander, nicht darum, was durchzudrücken. Denn es geht um pragmatische Lösungen, keinen Dogmatismus.

Was kann jeder/jede einzelne tun? Lieschen Müller und Jana Wieduwilt

Was du tun kannst für den Gewässerschutz:

Wenn man das große Glück hat, ein Gewässergrundstück zu haben, bitte an die gesetzlichen Vorgaben halten und einen Streifen von 5 Metern frei zu halten, kein Schuppen, kein Kompost, kein Holzhaufen… um auch im Falle des Hochwassers hier zu vermeiden, dass Dinge mitgerissen werden. Das zweite ist es, bitte pflanzt keine Nadelbäume oder Koniferen ans Gewässer. Die Nadeln machen das Gewässer zu sauer. Bitte Weiden, Erlen, Bergahorn, Hartriegel und Co. pflanzen. Spät die Wiese mähen. 

Aber auch Bürgerinnen und Bürger: Nehmt an Pflanzfesten teil, redet über die Beraterinnen und Berater für Gewässerschutz. Schaut bitte mal, ob ihr ein klein bisschen toleranter gegenüber anscheinender Unordnung sein könnt… Ein Gewässer darf nicht geputzt aussehen, dann ist es klinisch nicht mehr gesund. 

Zum Agroforstsystem hast du auch einen Podcast bei LausitzLiebe. Höre oder lies rein zum Thema Agroforst.

Und ich habe dem nichts hinzuzufügen. Außer: Danke an Linda Leibhold und ihre Kolleginnen und Kollegen für ihre Arbeit. Dieser integrative Ansatz ist das, was jetzt notwendig ist. Bitte bitte mehr davon. Und hier ist das schönste Schlusswort, das es gibt: 

Wenn dir der Blog efallen hat, dann teile ihn, leite ihn weiter, schreib mir, welches Thema ich demnächst mit LausitzLiebe unter die Lupe nehmen soll. Mir bleibt, dir eine schöne Zeit zu wünschen, immer gesund fließende Gewässer und natürlich ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

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Nichtstun – die Lösung für die Lausitz?

Nichtstun - die Lösung für die Lausitz??

Nichtstun. Aufmerksamkeitsökonomie. Jenny Odell. Lausitz. Lausitzliebe

Dieser Beitrag ist vielleicht ein wenig anders als die anderen. Ich nehme dich diesmal mit in ein Buch. Und keine Sorge, das Ende wird dich überraschend nah an unsere LausitzLiebe heranführen.

Vor wenigen Wochen ist mir ein Buch in die Hand gefallen. Es heißt “Nichtstun” und ist geschrieben von der Amerikanerin Jenny Odell. Das Buch erschien erstmals 2019 – ist also nicht mehr ganz frisch und dennoch hochaktuell. Gerade für dich und mich, hier in der Lausitz.

Eine harte Bestandsaufnahme oder: Wer starrt noch Löcher in die Luft?

Ich bin Jana Wieduwilt und diesmal möchte ich mit dir über ein Buch sprechen. 

Jenny Odells Buch trägt den Titel „Nichtstun. Die Kunst sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen.

Erstmal empfinde ich den Buchtitel fast wie eine Zumutung? Ist es nun so, dass wir nichts mehr tun sollen und alles wird gut? Nicht ganz. Aber dazu komme ich noch.

Jenny Odell ist Künstlerin und Uni-Professorin und das merkt man auch. Die einzelnen Teile sind eher mäanderartig miteinander verbundene Aufsätze als stringent geführte Beweise, die von A nach B führen. Dennoch verändert das Lesen des Buches etwas. Nämlich die Sichtweise auf unsere nähere Umgebung und genau deshalb findet es auch Eingang in den LausitzLiebe Podcast.

Eine Bestandsaufnahme gibt es zunächst – und ehrlich, die ist hart: Wir sind gefangen in einer Leistungsgesellschaft. Unnütz vertane Zeit – und damit ist Zeit gemeint, in der wir wirklich NICHTS tun. Also kein Handy, kein Social Media, ja nicht einmal Podcast hören – diese unnütz vertane Zeit ist nicht eingeplant. Und ganz ehrlich, einfach mal so Löcher in die Luft zu gucken, wer nimmt sich denn dafür wirklich Zeit? Ich glaube kaum jemand, egal in welcher Position.

Wenn uns das Leben zwischen den Fingern verrinnt

Jenny Odell dröselt schön auf, dass uns das Leben in all der Emsigkeit zwischen den Fingern verrinnt. Und das hat sie natürlich nicht erfunden, sondern schon Seneca und Robert Louis Stevenson haben das auch schon festgestellt und proklamiert. Heute nun ist die Sache noch ein wenig kritischer als seinerzeit. 

„Auf kollektiver Ebene steht mehr auf dem Spiel. Wir wissen, dass wir in komplexen Zeiten leben, die komplexe Gedanken und Gespräche erfordern – und diese wiederum benötigen Zeit und den Raum, den man nicht hat.“ (S.8)

Und sie sagt, dass eine Gesellschaft, die nicht mehr fähig ist, miteinander zu kommunizieren, keine Tatkraft mehr besitzt, also handlungsunfähig ist. Das bedeutet: Nichtstun ist eine Haltung, kein Wellness! Und eine Sache auf Leben und Tod.

Je mehr Angst in einer Gesellschaft ist. Desto weniger Kraft für Widerstand ist da. Sie führt Rosa Parks an, die damals im Bus einfach sitzenblieb, obwohl sie nach den damaligen Gesetzen der Rassentrennung hätte aufstehen müssen. Die Familie wurde trotz des gewaltigen Mutes der Frau in den folgenden 10 Jahren finanziell ruiniert und lebte am Existenzminimum. Es muss also auch Kraft und Kapazität für Widerstand da sein. 

Je beschäftigter wir mit dem Überleben sind, desto weniger Kraft haben wir zu widerstehen. Doch ist jetzt dieser Widerstand notwendiger denn je. Und das – ohne eine einzige Demo besucht oder anderweitig sichtbar geworden zu sein. Wir können widerstehen mit der simplen Tatsache, dass wir kollektiv unsere Aufmerksamkeit eben nicht der Aufmerksamkeitsökonomie zur Verfügung stellen. 

Nichtstun als Aktionsplan

Nichtstun ist der Aktionsplan der Autorin gegen genau diese Zeitlosigkeit im Sinne von Eile, Geschäftigkeit, Wichtigsein. Sie beschreibt drei Schritte: 

  1. Aussteigen 
  2. Eine Seitwärtsbewegung raus aus Dingen und Menschen die uns umgeben und 
  3. nach unten: Zurück an den Ort, zu dem Boden auf dem wir stehen (in unserem Falle ist dies die Lausitz)

Und keine Sorge, dies ist keine Aufforderung, sich jeglicher Technologie zu entziehen. Immerhin hat die Autorin das Buch verfasst, als wir „nur“ Social Media hatten. Da war Künstliche Intelligenz noch kein Mainstream.

Es geht vielmehr darum, den Umgang mit all diesen Dingen zu hinterfragen – naja, und wenn du so willst, ist auch eine schöne Kapitalismuskritik dabei, aber eben auf eine durchaus vielschichtige Weise.

Eine größere Perspektive einnehmen

So beschreibt sie zum Beispiel ihren Vater. Der hatte die Nase voll von seinem Job, bei dem er sich ausgebeutet und machtlos fühlte, kündigte und machte erstmal gar nichts. Das waren 2 Jahre, in denen er sich selbst näher kam. Er sei Rad gefahren, habe Berge bestiegen, Bücher gelesen und ja, er hatte Langeweile. Die er ertrug. Und damit auch den eigenen „Mist“ in seinem Inneren anfing zu ertragen. Am Ende ging er wieder zu dem einst ungeliebten Arbeitgeber zurück, doch diesmal anders. Mit Aufstiegschancen und – zahlreichen Patenten, die auf seine Erfindungen hin angemeldet wurden. Ihr Vater sagte, dass ihn:

…das Verlassen des begrenzten Jobkontexts dazu brachte, sich selbst nicht in Bezug auf diese Arbeitswelt, sondern einfach zur Welt an sich zu verstehen. Und seither erschienen ihm Dinge, die bei der Arbeit passierten, nur als ein kleiner Teil von etwas viel Größerem.“

Der Kontakt mit dem Boden, mit den wirklich existierenden Momenten. Meine Sprache jetzt in das Aufnahmegerät, deine Ohren, die den Schall wahrnehmen, deine Gedanken, die sich formen. Das ist real. Das ist Wirklich. Im Wort-Sinne wirk-lich. Es wirkt. Und das brauchen wir – in diesen komplexen Zeiten mehr denn je. Wir verändern uns. Wir funktionieren nicht reibungslos. Weil wir Menschen sind. Das ist auch gut so.

3 Schritte um die Aufmerksamkeit zurück zu gewinnen:

Und genau so ist das Nichtstun des Titels auch gemeint. Nichtstun ist ein Widerstand gegen die uns umgebende Aufmerksamkeitsökonomie. Denn, dass wir von diversen, wenigen Menschen und Konzernen abhängig sind, haben wir, glaube ich, in den letzten Monaten mehr und mehr gesehen und tatsächlich am eigenen Leibe erlebt. Soweit, so schlecht.

Doch wir können ja leider aus diversen Gründen nicht alle in die Waldeinsamkeit oder ins Aussiedlertum übersiedeln. Wir sind nun mal Bestandteil einer recht komplexen Welt, der wir ziemlich viel geben (müssen), um klarzukommen. Aber!!! Eine Sache – eine letzte Sache ist es, über die wir (noch) die Hoheit haben: Unsere Aufmerksamkeit! Und wenn du mal selbst schaust, wie du Social Media oder andere Ablenkungen nutzt – und was das mit dir macht, kannst du vielleicht hier beipflichten. 

Die gute Nachricht – und auch deshalb finde ich das Buch so lesenswert: Du kannst was tun, um deine Aufmerksamkeit zurückzugewinnen.

(1) Nichtstun. Schaffe dir Zeit und Raum für das Nichtstun. Nur wenn wir den Raum und die Zeit dafür haben, können wir uns besinnen, denken, heilen. 

„Es gibt eine Art von Nichts, die notwendig ist, um letztendlich etwas zu tun. Wenn die Überstimulation ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden ist, dann schlage ich vor, dass wir FOMO (fear of missing out), die Angst etwas zu verpassen, neu denken als NOMO (necessity of missing out), die Notwendigkeit etwas zu verpassen, oder, wenn Sie das beruhigt, als NOSMO (necessity of sometimes missing out).“

Diese strategische Form von “Nichts” ist die heilsamste, wenn es darum geht, unsere Aufmerksamkeit, wieder zurück zu gewinnen!! Und das sollten wir dringend tun. Ich komme noch drauf, wie du das konkret in der Lausitz machen kannst. Ganz wichtig: Es hat nichts mit wiederum kommerzialisierten Digital Detox Camps oder anderen für viel Geld verkauften Wellness-Dingen zu tun! 

(2) Das 2. Werkzeug: Deep Listening.

„Nichts zu tun bedeutet, selbst stillzuhalten, so dass man wahrnehmen kann, was wirklich um einen ist…. Unglücklicherweise bedeutet unsere konstante Bindung an die Aufmerksamkeitsökonomie, dass viele von uns (mich selbst eingeschlossen) das wohl erst wieder lernen müssen. Vom Problem der Filterblase abgesehen, fördern die Plattformen, die wir nutzen, um miteinander zu kommunizieren, das Zuhören nicht gerade. Stattdessen belohnen sie Geschrei und allzu simple Reaktionen, auf jemanden losgehen nach dem Lesen einer einzigen Schlagzeile.“ 

Autsch. Das sitzt. Und tut auch weh. Wie oft vereinfachen wir Informationen, auch in der Lausitz? Ja, klar, wir denken immer, dass wir stets was Neues produzieren müssen, auch ich denke das. Dabei ist es doch viel wichtiger, das augenscheinlich „Alte“ zu pflegen und zu hegen (und es erstmal kennenzulernen).

(3) Und dann Schritt 3: Die Aufforderung, uns selbst und anderen und alles, was uns umgibt, zu schützen. 

„Ich spreche mich dafür aus, dass wir unsere Räume und unsere Zeit für nicht instrumentelle, nicht kommerzielle Aktivitäten und Gedanken, für Aufrechterhaltung, Zuwendung und Geselligkeit bewahren. Und ich spreche mich dafür aus, dass wir unsere menschliche Tierhaftigkeit mit Zähnen und Klauen vor allen Technologien beschützen, die den Körper, Körper anderer Wesen und den Körper der Landschaft, in der wir leben, aktiv übergehen und geringschätzen. 

Jaaaa! Ich kann das nicht so schön sagen. Aber genau das ist die Intention, mit der ich jede einzelne Podcast Episode für dich mache. Du kannst mich unterstützen, indem du diesem Link folgst Lausitzliebe fördern und mir einen kleinen Beitrag spendest. 

Abseits stehen und ungehorsam sein?

Aber was ist denn nun die Lösung? Vom dauerhaften Rückzug aus unserer Welt in eine Enklave der Technologielosigkeit halte ich persönlich, ebenso wie die Autorin Jenny Odell nicht allzuviel. Das Zeug ist da und schlau ist es, zu lernen, damit umzugehen. 

Sie schlägt vor: Abseitsstehen zu lernen. „Abseits Stehen heißt, sich die Welt (jetzt und hier) aus dem Blickwinkel einer Welt, wie sie sein könnte (die Zukunft) anzuschauen, mit all den hoffnungsfrohen und sorgenvollen Betrachtungen, die das mit sich bringt… gelingt es uns vielleicht, die zarten Umrisse eines epikureischen guten Lebens zu spüren, frei von „Mythen und Aberglauben“, wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, Transphobie, Xenophobie, Klimawandel-Leugnung und anderen Ängsten ohne reale Grundlage. Das ist keine müßige Übung. Je mehr uns die Aufmerksamkeitsökonomie in einer furchterregenden Gegenwart gefangen hält, desto wichtiger wird es, nicht nur vergangene Versionen unseres Dilemmas zu verstehen, sondern auch eine Kraft für die Vorstellung zu bewahren, die frei von Enttäuschung ist. … Diese Art von Widerstand manifestiert sich dennoch in der Partizipation, aber in einer Partizipation „gegen den Strich“ in einer Weise, die die Autorität des hegemonialen Spiels unterwandert und außerhalb von diesen Möglichkeiten eröffnet. (S. 99)

Also, Aufmerksamkeit entziehen als Akt des zivilen Ungehorsams. Und hier meine ich nicht, Facebook und Co. zu verlassen. Das kannst du machen. Aber ich denke, es gibt andere Wege. Subversive Wege.

Jenny Odell schreibt, dass das Entziehen der Aufmerksamkeit erst einmal im Geiste beginnt und nie mehr endet. Das verstehe ich. Denn ich konnte erst aufhören zu rauchen, als ich begriff, dass ich NIE mehr rauchen werde. Und dass es jeden Tag ein bisschen Willenskraft erfordert, NICHT zu rauchen und stattdessen was anderes zu machen. Die Autorin schlägt vor, Aufmerksamkeit nicht nur zu entziehen, sondern gezielt und mit Absicht in eine andere Richtung zu lenken.

Gemeinsam.

Wir müssen in der Lage sein, Medien und ihre Wirkweise zu durchschauen, den Algorithmus zu verstehen, der uns immer wieder neu triggert und uns manipuliert – und zwar auf einer Ebene, die wir kaum mit dem bewussten Verstand erfassen.

Jenny Odell konstatiert nüchtern, dass die Aufmerksamkeit das Letzte ist, was wir noch abziehen können! Alles andere ist schon weg. Und kommt nicht wieder, in Zeiten, wo wir natürlich erstmal das eigene Überleben sichern müssen.

Sie sagt zum Beispiel, dass man ja, wenn eine Werbung eingeblendet werde, bevor du z.B. diesen Podcast hören kannst, die Werbung auf eine Weise ansehen könnte, die deine Aufmerksamkeit schärft, statt ablenkt: Indem du und ich vielleicht so draufgucken als wollten wir studieren, wie die Werbemenschen unser Verlangen erzeugen… Das ist Spielraum, den jede und jeder von uns hat.

„Deshalb ist es sogar noch wichtiger, dass jeder, der einen Spielraum hat – und sei er auch noch so klein – von ihm Gebrauch macht, um immer weitere Spielräume zu eröffnen.“ S. 139

Und dieser Umgang kann uns trainieren. „Wenn es die Aufmerksamkeit ist (die Entscheidung, auf was man sich fokussieren möchte), die unsere Realität schafft, dann bedeutet das WIedererlangen der Kontrolle über sie womöglich auch die Entdeckung neuer Welten und neuer Wege, diese zu durchwandern.“

Das ist cool. Wenn wir also auf neue Art entdecken, wie wir damit umgehen, dann können wir die Kontrolle zurück bekommen.

Und das ist ein Weg, kein Spaziergang. Denn wir müssen von dem Gefühl, wir könnten irgendetwas wirklich kontrollieren, Abschied nehmen

Wir können die zerstörte Natur der Tagebaue nicht renaturieren. Auch nicht durch riesige künstliche Seen und Böschungen mit 1:2 Neigung. Das kann die Natur nur selber. Wir können gefällte Baumalleen nicht wiederherstellen durch mikrige Neupflanzungen. Isso. Diese Illusion der Kontrolle ist wohltuend, ja. Aber nicht mehr zeitgemäß. 

Denn alles ist mit allem verbunden. Buddel ich ein Loch in die Sandkiste Lausitz, wird das auf dich und mich wirken. Ziehe ich Wasser ab, werden du und ich unter der Trockenheit leiden. Rode ich Wälder, werden wir von noch mehr Temperaturextremen in der Lausitz überrascht. Bin ich nur noch auf Social Media am Start, werde ich die Beziehung zu meinen Liebsten zumindest verschlechtern.

„Es geht auch um Kontrolle, denn wenn wir begreifen, dass das, was wir als Selbst erleben, komplett an andere gebunden und nicht durch grundlegende Qualitäten SONDERN DURCH BEZIEHUNGEN determiniert ist, dann müssen wir die Vorstellung einer kontrollierbaren Identität und einer neutralen apolitischen Existenz (die Mythologie, die Gentrifizierung begleitet) weiter preisgeben. Aber ob wir das veränderliche Produkt unserer Interaktion mit anderen sind, das ist nicht unsere Entscheidung. Die einzige Entscheidung die wir treffen können, ist, ob wir diese Realität anerkennen oder nicht. S.195

Und das geht damit einher, dass wir eben anerkennen, dass wir du und ich Teil eines Ganzen sind und wir selbst, du und ich, nur in Interaktion mit unserer Umwelt: Menschen, Tieren, Orten, Pflanzen entstehen. Also wenn du eine Idee hast, ist diese Idee vielleicht aus deinem Munde gekommen und von dir erdacht worden – aber auf der Grundlage der Interaktion mit Büchern, Menschen, Natur, deiner Umwelt. Und wie du drauf reagierst und deine Umwelt auf dich, das verändert dich. Doch was bedeutet das nun in Bezug auf unsere Gefahr, von der Aufmerksamkeitsökonomie vollständig verschlungen zu werden?

Die Lösung. So simpel, dass es fast schmerzt

Die Lösung, die Odell vorschlägt, ist so simpel, dass es fast schmerzt:

Ich teaser das hier nur an, denn mein Wunsch wäre, dass du das Buch liest. Ich habe übrigens weder einen Affiliate Link noch irgendeine finanzielle Aktie daran, dass du das Buch liest, dir ausleihst oder kaufst. Es ist mir einfach wichtig – ebenso wie dieser Podcast, an dem keine Zeile KI generiert ist. Mit Absicht. Weil ich das Denken nicht verlernen will.

Jenny Odell schlägt also vor, „ein Gefühl zu entwickeln für den Ort, an dem wir uns aufhalten. Das ermöglicht Aufmerksamkeit, fördert sie aber zugleich. Wenn wir wieder lernen wollen, uns umeinander zu kümmern, dann müssen wir auch wieder lernen, uns um Orte zu kümmern.“

Ahhhhh., das spricht mir aus der Seele. Als ich LausitzLiebe gegründet habe, konnte ich das nicht so benennen, aber genau das ist es, was meine Intention ist. Ich denke, wenn wir uns die Orte vertraut machen, ihnen Aufmerksamkeit widmen, beginnen wir mit unserem Umfeld, Menschen,Tiere, Bäume, Kräuter, Gebäude, Strukturen zu interagieren. (Und nebenbei bemerkt, ziehen wir Aufmerksamkeit aus den Algorithmen der Social Media und Tech Giganten ab. 

Die Lösung. ist im Buch wunderschön beschrieben. Lies es. Und danach geh raus. Mach dir einen Baum zum Freund. Einen. Oder einen Vogel. Schau sie an. Betrachte sie wirklich. Voller Aufmerksamkeit, so wie wir beide das vor einigen Episoden mit dem Holunder gemacht haben. Wir haben 20 Minuten den Holunder angeguckt und ich hätte die Folge gut und gern auch 40 Minuten lang machen können. Mach dir deine Umgebung zum Freund, gib ihr Namen. Deinem Baum zum Beispiel. Und du gehst durch ein Tor, durch das du nicht mehr zurück kannst. Du wirst dich verändern. (Und nebenbei bemerkt, nicht mehr so viel Zeit in der Aufmerksamkeitsökonomie zu verbringen).

Danke, dass du das gelesen hast. 

Lass uns gemeinsam daran arbeiten, dass die Lausitz ein Ort für alle bleibt. Ein zukunftsfähiger Ort, an dem auch das, was ist, gewertschätzt werden kann, Ein Ort, an dem es Räume gibt für Gedanken, Austausch und Nichtstun. 

Ich wünsche dir die stetige Hoheit über deine Aufmerksamkeit und wie immer ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Ein alter Holunder und die Kunst, wirklich hinzuschauen

Ein alter Holunder und die Kunst, wirklich hinzuschauen

Holunder bei LausitzLiebe Frau Holle

So, das ist das Experiment heute.

Ich stehe vor einem Holunderbusch. Der ist alt. Richtig alt. Und während ich anfange, ihn zu beschreiben, fangen im Hintergrund die Glocken an zu läuten. Ob das ein Zeichen ist? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. 

Du bist beim Blog Lausitzliebe – dein Blog für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. Ich bin Jana, dein Host hier. Und heute machen wir mal etwas anderes. Ich lade dich ein, einfach bei einem Strauch zu bleiben. Länger als du es normalerweise tun würdest. Nicht um irgendwas damit zu machen, sondern einfach, um ihn anzuschauen.

Ich habe mir dafür den Holunder ausgesucht. Einen alten. Der steht hier, und ich glaube, er steht schon eine ganze Weile.

Was ich sehe, wenn ich mich ihm nähere

Aus dem Boden kommen fünf, sieben, vielleicht auch mehr Stämme. Manche so dick wie ein Oberschenkel. Daneben dünne, schmale, ungefähr so wie ein Handgelenk. Die kommen zum Teil direkt aus dem Boden, zum Teil wachsen sie aus den dickeren Stämmen heraus. Das Ganze wächst ein bisschen kreuz und quer, weil der Strauch schon oft beschnitten worden ist. An den Stellen, wo er beschnitten wurde, sind gleich mehrere neue Äste herausgekommen. 

Die Rinde auf den Hauptstämmen ist tief gefurcht. Richtig tief. Wenn du dir ein Luftbild von einem Fluss vorstellst, der ins Meer fließt – mit Sandbänken, Verzweigungen, diesen unregelmäßigen Mustern – so sieht das aus. Und rau ist sie. Wenn du die Hand drauflegst, spürst du das sofort. An den Stellen, wo er schon mal beschnitten wurde, ist die Rinde gut ein bis zwei Zentimeter dick.

Blätter gibt es noch keine. Aber Knospen. Die stehen jeweils am Ende der Zweige, meistens zwei, ein bisschen v-förmig voneinander abgespreizt. Und dann noch gegenständig an den Ästen, immer eins rechts, eins links, eins rechts, eins links. Fachleute nennen das gegenständig.

Was der Holunder noch zu erzählen hat

Es gibt auch schon abgestorbene Äste. An denen blättert die Rinde ab, und darunter sieht man Gänge. Von Insekten, würde ich sagen. Ob die noch da drin wohnen, weiß ich nicht. Ich stecke meinen Finger lieber nicht rein.

Kleine braune Pilze haben sich an den verletzten Stellen eingenistet. Sie sehen aus wie immer wieder gefaltetes Tuch, das in Wellenbewegungen am Holz entlang wächst. Kleiner als mein Daumen. Und Flechten gibt es auch: eine hellgrüne und eine dunkelgrüne, die fast schon wie Moos aussieht. Manche Äste sind fast komplett damit bedeckt.

Es regnet heute, und an den Ästen hängen Tropfen. Halbrund. Sie spiegeln mich und die Umgebung wider, falsch herum, umgekehrt. Ich sehe mich also auch am Holunder. 

Frau Holle wohnt im Holunder

Der Volksglauben sagt: Nähere dich dem Holunder immer mit Respekt. Denn im Holunder wohnt Frau Holle. Geh nicht einfach ran und fass da irgendwo an. Nimm dir einen Moment. 

Das mag etwas seltsam klingen, aber wer weiß: Vielleicht ist es eine gute Idee, wenn wir auch so was wie Bäume und Sträucher mit Respekt betrachten und einfach mal virtuell fragen, ob eine Annäherung ok wäre. Dann schauen wir anders hin. Aufmerksamer. Langsamer. Und genau darum geht es mir heute.

Was du mal ausprobieren kannst

Such dir eine Pflanze aus. Irgendeine. Einen Strauch im Vorgarten, eine Blume auf dem Weg zur Arbeit, einen Baum am Wegrand. Du musst den Namen nicht kennen. Das ist wirklich egal.

Und dann bleib einfach mal stehen. Länger als gewöhnlich. Und beschreib, was du siehst. Wie sieht die Rinde aus? Welche Farben hat sie? Gibt es Insekten, Flechten, Beschädigungen, Knospen?

Wenn du das beschreibst, was du siehst, schaust du anders. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Ich werde über das Jahr immer wieder zu diesem Holunder zurückkehren. Schauen, wie die Blätter kommen. Ob er blüht. Ob es Hollerbeeren gibt. Ich weiß es noch nicht – aber ich freue mich drauf.

Und wenn du magst, schreib mir, welche Pflanze du dir zum Freund gemacht hast.

Warum LausitzLiebe?

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Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Frühjahrskur Lausitz: Mit Wildkräutern fit in den Frühling

Der Winter war lang – gefühlt besonders lang. Müdigkeit, ein träger Stoffwechsel, das Gefühl, nicht richtig anzulaufen.

Doch die Lausitz hat einiges zu bieten, um den Körper wieder in Schwung zu bringen: Wildkräuter, die direkt vor der Haustür wachsen.

Carmen Randolf, Heilkräuterexpertin und Phytotherapeutin, erklärt im Podcast Lausitzliebe, welche Kräuter sich für eine Frühjahrskur Lausitz eignen – und wie man sie richtig anwendet.

Warum überhaupt eine Frühjahrskur?

„Wir kommen aus dem Winter raus, wir sind müde, meistens haben wir ein paar Kilos zugenommen, irgendwie fühlt man sich langsam träge, alles läuft nicht so richtig“, beschreibt Carmen Randolf die typische Situation nach dem Winter. Wildkräuter helfen dabei, Stoffwechsel und Organsysteme wieder zu aktivieren – Leber, Niere, Haut, alles, was im Winter noch im Winterschlaf steckt.

Dabei hat die Frühjahrskur eine lange Tradition: „Man macht das tatssächlich schon lange im Frühjahr, die frischen Wildkräuter zu sich nehmen, einfach weil sie den Stoffwechsel aktivieren.“ Wer die Kräuter selbst sammelt, bekommt die Bewegung an der frischen Luft gleich gratis dazu.

Und noch etwas: „Wenn man das wie eine Art Ritual macht, hat man das neue Jahr auch so richtig eingeläutet.“

Wildkräuter Lausitz: Diese Pflanzen jetzt nutzen

Welche Wildkräuter in der Lausitz für die Frühjahrskur geeignet sind, richtet sich nach dem, was gerade wächst. Carmen Randolf macht ihre Kur „im Grunde genommen mit den Pflanzen, die da sind und die sich zeigen“. Aktuell sind das unter anderem:

Brennnessel – die erste Frühlingspflanze, stark entwässernd, unterstützt die Niere

Vogelmiere – regt die Lymphe an, leicht entwässernd, ideal als Frischpflanzensaft

Löwenzahn – entwässert und regt die Verdauung an; die ersten zarten Blättchen schmecken hervorragend im Salat

Gundermann – kommt bereits jetzt und ist ein wertvolles Frühjahrskraut

Bärlauch – kommt bald und kann vielgältig genutzt werden

Birke – frische junge Blätter: entwässernd, fördern den Hautstoffwechsel, wunderbar im Salat

Scharbochskraut – reich an Mineralstoffen und Vitamin C

„Es ist für alles ein Kraut gewachsen“ – und das Schöne daran: Vieles davon steht direkt vor der Tür, mitten in der Lausitz.

Tee, Presssaft oder Tinktur – so bereitet man Wildkräuter zu

Wie intensiv man die Frühjahrskur betreiben möchte, bestimmt die Zubereitungsart. Carmen Randolf empfiehlt im Frühjahr besonders Frischpflanzensäfte: „Die sind wirklich sehr gehaltvoll und bringen auch richtig was in Bewegung.“ Wer die Säfte nicht mag, kann auch mit Tee oder Tinkturen arbeiten.

Wichtig ist, die entwässernden Kräuter wie Brennnessel oder Löwenzahn in den Tagesablauf einzuplanen: „Wenn du morgens ins Büro gehst und hast schon einen Liter Brennesseltee getrunken und musst ins Meeting, dat geht nicht.“ Ihr Tipp: Den Tee am frühen Nachmittag trinken – so ist die Entwässerung bis zum Schlafengehen abgeschlossen.

Wer keine Zeit hat, täglich frisch zu sammeln: Wildkräuter halten sich in einem feuchten Tuch im Kühlschrank zwei bis vier Tage. „Es ist immer noch besser als ein gekaufter Salat aus dem Aldi.“

Selbstversorger Lausitz: Bewusst sammeln in der Natur

Wer als Selbstversorger in der Lausitz auf Wildkräutersuche geht, sollte mit Bewusstsein vorgehen. Carmen Randolf empfiehlt: Sammelstellen wählen, die nicht gedüngt und nicht stark von Hunden frequentiert sind – Wiesenränder und Waldränder sind ideal. Nur gesunde Pflanzen nehmen und auf Insekteneier oder Schäumchen achten. Und vor allem: Bestände schonen. „Sammelt, was man braucht, und lässt den Rest für den nächsten oder übernächsten Tag stehen.“

Beim Bärlauch gilt besondere Vorsicht: „Ich kann nicht erkennen, ob da zum Beispiel mal ein Glöckchenblatt drin ist, wenn ich so ein ganzes Bündel nehme.“ Deshalb: Blatt für Blatt prüfen.

Kräuter Lausitz: Auf die individuelle Wirkung achten

Nicht jede Pflanze passt zu jedem Menschen. „Manche Leute mögen nicht so gerne Bitteres und sagen, der Löwenzahn ist mir eigentlich viel zu bitter – dann suche ich mir eben ein anderes Pflänzchen.“ Birke oder Brennnessel wirken ähnlich entwässernd und sind oft besser verträglich.

Wichtig ist auch: Wer die Wirkung einer Pflanze kennt, wird nicht von ihr überrascht. Der Löwenzahn heißt im Volksmund „Bettseicher“ – auf Französisch Pissenlit, auf Italienisch ähnlich. Wer das weiß, nimmt den Frischsaft nicht abends vor dem Schlafengehen.

Von der Naturliebe zur Phytotherapie – Carmen Randolfs Weg

Carmen Randolf ist Phytotherapeutin – das therapeutische Arbeiten mit Heilpflanzen. Ihr Wissen hat sie sich nicht durch eine Familientradition angeeignet, sondern durch jahrzehntelange Neugier und Erfahrung. „Ich glaube, ich bin dem Ruf der Kräuter gefolgt“, sagt sie. Mit dreizehn, vierzehn Jahren lief sie mit einem Bestimmungsbuch durch den Wald. Aus „Was ist das für ein Blümchen?“ wurde „Die kann man ja auch essen“ – und dann „Man kann damit heilen.“

In ihrer Wildkräuterwerkstatt gibt sie dieses Wissen weiter. „Draußen steht ganz, ganz viel, was wir nutzen können. Wir müssen nicht in die Apotheke oder ins Reformhaus gehen – aber können wir natürlich auch.“

Hier geht es zu der Wildkräuterschule.

Zu den Rezepten der Wildkräuterwerkstatt

Raus in die Lausitz – die Natur wartet

Carmens Wunsch ist klar: „Ich würde mir wirklich wünschen, dass die Menschen diesen Zugang zur Natur wiederfinden, um ihre Gesundheit zu erhalten. Wenn die Menschen wieder diesen Blick dafür entwickeln und diese Liebe zur Natur, dann ist der Naturschutz einfach auch wieder da.“

Die ersten Rapünzchen kommen, das Scharbochskraut sprießt, die Brennnessel wächst. Die Frühjahrskur Lausitz kann beginnen – direkt vor der Haustür.

Ich wünsche dir wie immer bei allem, was du achtsam tust: ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Zeit der Lämmer – Besuch beim Wiesenhof Leippe

Zeit der Lämmer - Exkursion zum Wiesenhof Leippe

Zeit der Lämmer, Schafzucht Lausitz, Schafe Lausitz

Es ist Lämmerzeit. Im zeitigen Frühjahr, fast noch im Winter zwischen Mitte Januar und März kommen die Lämmer. Ich bin heute für euch beim Wiesenhof Leippe, einem biologisch wirtschaftenden Schafhof. Du erfährst im Podcast warum Lamm und Muttertier mäh machen müssen – was die Inhaber Peggy und Michael Hammer zum Umgang mit den Wölfen hier sagen und was das schmackhafteste Produkt ist, das die Schafe hier liefern. Als ich auf den Hof komme, begrüßt mich nicht nur Michael Hammer sondern auch der Schäferhund Otto der uns auf dem Rundgang begleiten wird.

Wie die Schafe auf den Wiesenhof kamen

Willkommen bei Lausitzliebe. Ich bin Jana Wieduwilt, dein Host hier und wie immer ehrenamtlich für dich in der Lausitz unterwegs, um LausitzLiebende zu finden und dir hier vorzustellen.
Dies ist ein ehrenamtliches unabhängiges Projekt von mir.

Mein Anliegen ist es, deine Liebe zur Lausitzer Natur zu bestärken und/oder zu wecken. Wenn aufgrund des Podcasts auch nur ein Baum weniger gefällt, Biodiversität als Lebensgrundlage verstanden und wir alle ein bisschen mehr echte LausitzLiebe jenseits von “Mein Boot. Mein Auto. Mein Kommerz.” haben, dann ist mein Ziel mehr als erreicht.

Seit 2006 gibt es den Wiesenhof Leippe. Geplant war das nicht. Denn ursprünglich war der Hof nur als Zuhause für die Familie Hammer gedacht, später kam der Milchschafhof aufgrund von Arbeitslosigkeit dazu, den die beiden heute im Haupterwerb betreiben. 

–> ausführlich im Podcast

Schäfer - und die Romantik

Ich habe ein romantisch idealisiertes Bild im Kopf von einem Schäfer, der Flöte spielend da sitzt, während die Schafe auf fetten Wiesen grasen. So schön das Gelände ist, so schwer ist die Arbeit.

Der Boden ist äußerst karg. –> ausführlich im Podcast, Episode 26

Die Schafe bleiben im weitläufigen Gelände des Hofes. Der Schäfer zieht also nicht mit seinen Tieren durch die Landschaft. 

Ein Melkstand ist direkt nebenan.

Milchschafe in der Lausitz

Inzwischen ist der Wiesenhof ein reiner Grünlandbetrieb.

Das bedeutet, die Schafe werden aus den eigenen Wiesen versorgt. Kraftfutter wird zugekauft. Und ich latsche gleich mal ins “Keine-Ahnung-Fettnäppfchen”, weil ich naiv frage ob die Schafe 2 x am Tag Milch geben.

–> ausführlich im Podcast Episode #26

Mai-Juli ist die beste Zeit, in der die Schafe Milch geben. Danach geht die Milchmenge zurück.

Aus der Milch macht Peggy Hammer dann vor allem Yoghurt, Quark, Frischkäse und Schnittkäse. Den kann man natürlich kaufen – und ich würde das sehr empfehlen. 

Alles ist Bio und handwerklich verarbeitet. Jetzt gehen wir uns den Melkstand ansehen. 

Wir sehen eine Art Grube in der Mitte und dann rechts und links, höher gelegen, sind kleine Gänge von denen die Tiere aus gemolken werden. 

Die Tiere lernen schnell – das Futter, das es beim Melken gibt, wollen sie haben.

Die Wöchnerinnen-Station der Schafe

Haben die Schafe Namen? Im Grunde nicht, aber so sagt Michael Hammer: –> ausführlich im Podcast, Episode #26

Ab Oktober sind dann die Schafe im Mutterschutz, da müssen sie nicht arbeiten und keine Milch geben. 

Und weiter gehts in die Babystube, Wöchnerinnenstation wenn du so willst.

Am Tor begrüßt uns ein riesiger Hütehund. Ich nehm dich jetzt mal mit in die Wöchnerinnenstation, wo wir in großzügigen Gattern die Schafmuttis mit ihren jungen Lämmern finden. Die Lämmer sind erst wenige Tage alt. –> jede Menge echte Stimmung mit Määh im Podcast, Episode #26

Und die Wolle?

Müssen die Tiere beim Lammen begleitet werden? Im Schnitt haben die Schafe ein bis zwei Lämmchen. In der Wöchnerinnenstation bleiben sie 5 Tage. –> ausführlich im Podcast, Episode 26

Dann kommen sie in die Gruppe. 

Jedes Schaf hat eine andere Stimme. Damit bleiben Mutter und Lämmer in Kontakt und finden sich in der Schafherde wieder.

Wird die Wolle genutzt?

Nach Corona ist der Wollmarkt zusammengebrochen und erholt sich nur sehr langsam. Die Schafwolle vom Wiesenschafhof wird nun als Dünger genutzt und an Kleingärtner abgegeben und jetzt seit diesem Jahr auch in der Forschung verwendet.

Wölfe und Schafe in der Lausitz

Der Wolf war auch schon da und hat großen Schaden angerichtet…

Deshalb gibt es Luis – den Herdenschutzhund. 

Das ist auf jeden Fall bedenkenswert. So begeistert ich vom Wolf bin und von seinem Wert für Biodiversität und Wald überzeugt.

Fakt ist, dass wir hier ein strukturelles Problem haben – zu dem Viehhalter und Wölfe beide nicht beitragen, sondern was im Grunde auf den Tisch der Politik gehört. Doch nun zurück in den Schafstall zu Lui. Und dann gibt es ja noch den Otto. Der sieht aus wie ein sehr langhariges dickes liebes Etwas.

Und was ist der Unterschied zwischen Herdenschutzhund und Hütehund. –> ausführlich im Podcast, Episode #26

 

Ohne Lämmer keine Milch und was DU tun kannst

Wann gehen die Schafe auf die Weide raus?

Sie müssen langsam dran gewöhnt werden, wieder frisches Grün zu fressen.

Wie viel frisst so ein Schaf eigentlich? 

6 kg Gras am Tag frisst ein Schaf, wenn es keine Lämmer hat und keine Milch gibt.

Wir gehen weiter zum Kindergarten der Schafe und lernen, was “aufgeeutert” bedeutet.

Die Lämmersaison geht von Januar bis Mitte März – und manchmal auch darüber hinaus.

Wenn dann bei einem Schaf noch die Milch ins Euter schießt, das nennt der Schäfer aufgeeutert, dann ist hier der Nachwuchs nicht mehr ferne.

Ich sehe hier, dass die kleinen Lämmchen im Lämmerkindergarten auch mal hier und da einen Heuhalm aus der Futterraufe probieren. 

Sind Schafe grundsätzlich friedlich? Oder können die auch böse werden?

Ja, die Böcke können schon mal “bockig” werden.

Sind das nun glückliche Schafe? 

–> ausführlich im Podcast, Episode #26 

Die Schafe bleiben durchaus 6-10 Jahre auf dem Hof. Und merke: Ohne Lämmer keine Milch.

Das Fleisch ist auch auf dem Wiesenhof erhältlich. 

Nun gehen wir in den großen Stall, der immer noch klein aussieht, wenn man das mit den großen Anlagen bei großen Agrargenossenschaften vergleicht. Hier sind die “Großen” Lämmer – die sich miteinander beschäftigen, während ihre Mütter am Fressen sind.

Es ist während der Lämmerzeit ein fast 24-Stundenjob. 

Hach, schön. Ich kann dir liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer nur zurufen: Schau genau hin, wo du deinen Genuss kaufst. Du kannst Produkte vom Wiesenhof während der Saison z.B. bei Rewe Radke Senftenberg kaufen oder in Hoyerswerda und in den VG Märkten Dresden.
Natürlich auch im Hofladen. Alle Infos dazu findest du auf der Website des Wiesenhofes. 

Nun die Abschlussfrage, die ich immer stelle: Meine Wunschfee kommt vorbei und Peggy und Michael Hammer können sich was wünschen.

Der Zukunftswunsch

Und ja, ein wenig weniger Bürokratie wäre sicher schön! und noch mal meine Anregung. Schau, was du isst. Und von wem das kommt. Wiesenhof Leippe wäre vielleicht eine gute Lausitzer Adresse. 

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an dieser Folge, ich habe viel neues gelernt. Vor allem die Erkenntnis, dass Vegetarier, wenn sie denn Milch- und Milchprodukte essen, auch in Kauf nehmen, dass die männlichen Nachkommen, die ja auch geboren werden, damit es Milch gibt, dann irgendwie “überflüssig” sind. 

Wenn du den Podcast unterstützen möchtest, freue ich mich, wenn du den Podcast abonnierst und/oder weiterempfiehlst. Ich wünsche dir eine schöne Frühjahrszeit mit und ohne Osterlamm und wie immer ganz viel Lausitzliebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

Versteckte Welten – Exkursion zum Wintergrün

Versteckte Welten - Exkursion zum Wintergrün

Versteckte Welten - Auf der Suche nach dem Wintergrün

Versteckte Welten – ich war mit Nicola Glaser von der Naturwacht Brandenburg und vielen interessierten Naturfreundinnen und Naturfreunden im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft unterwegs. Und du wirst nicht glauben, was wir mitten im Winter alles an Grünen Pflanzen und Lebewesen im Naturpark entdeckt haben. Unter anderem eine Gottesanbeterin, nein zwei. Und die hatten sich wirklich gut versteckt. Aber dazu gleich.

Auf der Suche nach Wintergrün begegnen wir zuerst...

Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration und auch darum, was zu lernen. Ich nehme dich mit an wunderschöne Naturorte der Lausitz, begleite mit dir heute Rangerin Nicola Glaser in die versteckten Welten.

Heute zeige dir virtuell, wie du selbst am grauesten Wintertag noch so einiges entdecken kannst. 

Wir sind im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft. Er erstreckt sich über eine Fläche von 484 km2 und hat vom Moor im Loben über die Heide, Wald und Bergbaufolgelandschaften eine riesige Artenvielfalt. Insgesamt beherbergt der Naturpark 13 Naturschutzgebiete und 7 Landschaftsschutzgebiete und 11 Flächennaturdenkmäler. 

Wir beginnen schon mal nach Grün im graubraunen Winterwald bei leichtem Schneefall zu suchen.

Die Tour startet ungewöhnlich, denn wir finden zunächst eine Yuccapalme. Die ist natürlich grün. Und nein, die Yucca gehört nicht in die Lausitz. Aber sie ist da. Vermutlich haben Gartenabfälle zur Ansiedlung des Exoten geführt. 

Erstmal erklärt uns Nicola Glaser, welche Aufgaben die Naturwachteigentlich hat:

  • Monitoring
  • Gebietskontrolle
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Dokumentation

Auch wenn der Winter wie eine verlorene Zeit scheint, so haben die Naturwächter doch jede Menge zu tun, es gibt nämlich einiges zu “monitoren”, zu beobachten. 

  • grüne Pflanzen
  • Tiere wie Hirsche, Wölfe und Co.
  • Vögel, wie z.B. den Singschwan, Turmfalke, Seeadler und Co.

Woran du erkennst, dass Auerhühner hier geboren sind

Die Vögel werden beobachtet und wenn sie beringt sind, können die Naturwächter erkennen, welche Farbe, welche Nummern diese Ringe haben. Das wird gesichtet, indem die Tiere mit guten Objektiven fotografiert werden.

Auf diese Weise kann man herausfinden, woher z.B. der Singschwan kommt. Vor einiger Zeit ist einer hier entdeckt worden, der stammte aus Lettland. Aber auch Gänse und Kraniche sind zur Zeit zu beobachten. Die kommen jetzt überwiegend aus nordischen Gefilden zu uns. Aber im Frühjahr kommen die Kraniche auch langsam zurück.

Anhand der Ringe findet man z.B. heraus, welche Auerhühner woher stammen. Die Auerhühner wurden ja aus Schweden hierher „umgesiedelt“ in einem Wiederansiedlungsprojekt. Die schwedischen Auerhühner sind alle beringt. Werden also Auerhühner ohne Ring gefunden, sind sie hier geboren. Auerhühner mit Ring stammen wirklich noch vom Wiederansiedlungsprojekt und sind echt schwedisch

Glycerin im Falter - wie überwintern eigentlich Schmetterlinge?

Und weiter gehts zu den Insekten. Insekten im Winter ?? JEP. Nicola Glaser erklärt uns, dass wir mit achtsamen Augen auch Insekten finden können. Zum Beispiel Falter. 

Die Falter haben Glycerin in sich, deshalb erfrieren sie nicht. Tagphauenauge und Admiral hängen den Winter über ab, z.B. neben Fledermaus und Co in Höhlen und Bunkern. —> Mehr dazu hörst du im Podcast, Folge #25

Die Exkursionsgruppe bekommt eine Aufgabe, nämlich etwas Grünes im Forst zu suchen.

Und da kommt bei der Gruppe von ca. 20 Personen schon einiges zusammen, was jetzt bei aufmerksamer Betrachtung im Walde zu finden ist:

Schon nach wenigen Minuten kommt die Gruppe mit reichen Schätzen zusammen: Preiselbeere, Kiefer, Flechten (Pilz und Alge), ein schon recht verwittertes Stück Stamm – Totholz mit vielen Gängen Löchern und Co. einer Raupe, Larven drin, die in dem wärmeren Ort überwintern.

Weiter kommen verschiedenste Moose, Veilchen, diverse Pilzarten, Efeu, Spitzwegerich, Vogelmiere, Habichtskraut, Storchschnabel, Brombeere, Glockenheide, die auch immergrün ist. Die Tour heißt “Versteckte Welten-Tour”.  

Welches Tier frisst eigentlich Kiefernnadeln???

Ganz nebenbei lernen wir: Welches Tier frisst denn gerne die Kiefernnadeln?

Das sind auch die Auerhühner, diese Tiere fressen gerne Kiefernnadeln.

Wir lernen so einiges über Brombeeren und die Mistel. —> Ausführlich dazu im Podcast.

Wir entdecken eine junge Kiefer, an der sich ein Rehbock geschabt hat. Das ist ganz gut zu erkennen anhand der Schabstellen – also wissen wir, hier wohnen Rehe. 

Die Diva des Waldes

Und wir sehen was Tolles. Was ganz seltenes:

Wintergrüne.

Das Doldenwinterlieb ist so was von schön. Und selten.—> ausführlich im Podcast.

Das Doldenwinterlieb kommt immer in der Nähe von Kiefern vor. Es blüht rosa und sieht aus wie eine kleine Diva Die seltene Pflanze braucht Lichtreiche Standorte und es lebt in Symbiose mit dem Wurzelpilz der Kiefer. Der Pilz versorgt die Pflanze mit Wasser und Mineralsalzen. Das Dolden Winterlieb liefert Kohlenhydrate. Auf diese Weise kann die Pflanze auch auf nährstoffarmen Böden wachsen.

Das machen auch andere Plfanzen so und gehen eine enge Partnerschaft mit Pilzen ein. Und was braucht das Doldenwinterlieb noch??

Wir kommen wieder auf ein Thema, das in der Lausitz immer mehr an Gewicht gewinnt: Das Wasser.

Wasser in der Lausitz

Doch wir kommen auch hier wieder auf ein Thema, das in der Lausitz immer mehr an Gewicht gewinnt: Das Wasser.

Je mehr der Grundwasserspiegel sinkt, umso mehr Pflanzen verschwinden. Weil es zu trocken wird. –> Ausführlich im Podcast

Wo wohnen Glühwürmchen?

Und gleich gehts weiter. Diesmal mit einem winzig kleinen Ding.

Die Eichenzipfelpfalter überwintern in einem Ei, winzig, an einer Knospe einer Eiche. Ich habe gesucht, aber keins der winzigen Eier gefunden, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Was für interessante Überwinterungsstrategien doch unsere heimischen Tiere und Pflanzen haben.

Ein Kind findet ein offensichtlich leeres Schneckengehäuse. Doch vielleicht ist es gar nicht leer? In solchen Behausungen überleben unsere Glühwürmchen. Das ist dann ein Würmchen mit gelben Flecken. Die brauchen wilde Ecken und Versteckmöglichkeiten. 

Apropos Insekten. Wir haben zwei Larven von Gottesanbeterinnen entdeckt, die hier gemütlich überwintern.

Wir haben insgesamt doch ganz viel Leben im Naturpark gefunden. Auch im Winter. Viele spannende Pflanzen, sogar das seltene Dolden Winterlieb. Es war eine herzerfrischend schöne Exkursion.

Ich danke Nicola Glaser von der Naturwacht Brandenburg für diese wunderbare Zeit und ihre Liebe zur Natur. Und rufe dir zu.

Geh in die Natur. So oft du kannst. So oft es geht. Ohne Handy. Oder lass es in der Tasche. Beobachte. Du kannst so viel lernen, auch wenn du nicht genau weißt, wie die Pflanze heißt. Ich habe wirklich viel alleine durch Beobachten gelernt. 

Was du tun kannst?

Wenn dir der Podcast gefallen hat, kommentiere, gib mir ein Like, abonniere den Kanal. Und nun wünsche ich dir einen schönen Tag, wir hören uns nächste Woche wieder. Ich wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe.

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt

HotSpot der Biodiversität – von Feuerspuckerpflanzen und Nicht-Vegetariern

Hotspot der Biodiversität - Mosaikteil

MosaikTeil Feuerspuckerpflanzen und Ameisenlöwen Senckenberg Naturkunde Görlitz

Dieses Mal bin ich nicht draußen – sondern habe wunderbare Gesprächspartner und Experten gefunden – an einem ganz besonderen Ort. Heute nehme ich dich mit ins Senckenberg Museum Görlitz, wo wir ganz und gar nicht verstaubt, sondern lebendig und praxisnah den Lebensraum der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft erkunden. Ich sage dir: Hier in Görlitz findest du eine Schatzkammer der Natur in einem wunderschönen Gebäude.

Doch erstmal herzlich willkommen, hier auf Blog LausitzLiebe. Das ist dein Blog und Podcast für Natur und Umwelt aus und für die Lausitz. LausitzLiebe für alle ist mein Motto und ich hoffe, nach dem Hören dieser Folge, auch deins. 

Hier geht es um Natur, um Achtsamkeit, um Inspiration und auch darum, was zu lernen. Jeder einzelne kann nämlich was tun, auch heute lernen wir, was du und ich für einen gesunden Boden tun können – und warum wir das machen sollten. Ich nehme dich mit an wunderschöne Naturorte der Lausitz, begleite mit dir Ranger und Naturführer und zeige dir spannende engagierte Initiativen und begebe mich heute auf Spurensuche zwischen Bodenkrümeln, Fadenwurm und Bärtierchen.

Bevor es los geht noch eine Bitte: 

Wenn dir der Blog gefallen hat, kommentiere, was du gerne als nächstes mal von LausitzLiebe unter die Lupe genommen haben möchtest. Teile Blog und Podcast und empfiehl ihn weiter. 

Weißt du, wenn aufgrund dieses Beitrags auch nur Baum weniger gefällt oder verstümmelt wird, ein Laubsauger mehr verschrottet und ein Laubhaufen mehr liegen bleiben darf – dann habe ich mein Ziel mehr als erreicht. Also: LausitzLiebe für alle. 

Ich bin deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt und danke dir, dass du hier bist. Heute bin ich im Gespräch mit Lisa Janke, Projektmitarbeiterin beim Projekt MoSaiKTeil. Was genau das Projekt ist und was das mit LausitzLiebe zu tun hat, dazu kommen wir gleich noch. Ebenfalls mit im Gespräch ist Christian Düker, er ist Pressesprecher des Senckenberg Museums in Görlitz und Vorsitzender der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz. Wo sind wir heute eigentlich?

Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft

Im Senckenberg Museum Görlitz in der Ausstellung zur Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

Doch was hat es nun mit dem eigentümlich klingenden Namen MoSaiKTeil auf sich.  Lisa Janke erklärt das im Podcast genauer. Hier so viel: 

Das ist ein Hotspot der Biodiversität. Ein Mosaik der Lebensräume.

Ich finde die Sammelhefte und Interaktive Mosaiktrails ganz toll. Schon jetzt lade ich dich ein, dich auf so eine Schnitzeljagd mal zu begeben und hautnah durch die Biodiversität zu sliden. Wenn du hierfür mehr wissen möchtest, klick auf den Link in der Beschreibung oder spring zu LausitzLiebe.de – auch da ist der Link zu MoSaiKTeil zu finden.

Nun ist das ja, wie wir gelernt haben alles menschlich gemacht. Eine menschgemachte Vielfalt. Ist das noch Natur? Oder wie? Ich wollte es mal ein bisschen einordnen und habe Lisa Janke genau das gefragt, ob das nun, wenn der Mensch doch die natürliche Landschaft überformt hat, noch Natur? Warum ist das also schützenswert, wenn’s doch gar keine “echte“ Natur ist.

Biodiversität vom Menschen gemacht

Tatsächlich macht das menschliche Wirken in dieser Kulturlandschaft die Vielfalt aus.

Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das Ideal der eingriffslosen Welt oder der Kulturlandschaft nun in Sachen Naturschutz anzustreben ist. Die Ergebnisse meines Denkprozesses sind ein Sowohl-als-auch.

Einerseits gibt es in Mitteleuropa aus meiner Sicht nur noch ganz wenige – wenn nicht gar keine echten Naturrefugien mehr. Der Mensch ist überall schon gewesen und hat eingegriffen. In der Lausitz wird die sumpfige Gegend schon seit tausenden von Jahren durch Menschen urbar gemacht.

Der Spreewald mit seinen Kanälen ist eine bekannte Kulturlandschaft, das ganze Seenland mit den Seen aus ehemaligen Tagebauen ist eine riesige Kulturlandschaft.

Ob das Seenland nun mit besonders hoher Artenvielfalt aufwarten kann, muss ich erst noch erkunden. Eine enorm hohe Artenvielfalt haben der Spreewald und auch die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Auf engstem Raum sind hier verschiedenste Lebensräume, was dazu führt, dass sich besondere Pflanzen und allerlei Tiere hier wohlfühlen. Eine Pflanze sieht ganz ganz niedlich aus, ist aber ein echtes Fressmonster. Da kommen wir gleich noch drauf.

Doch noch mal zuück. Lisa Janke erwähnte den Hotspot der Biodiversität. Was bedeutet Biodiversität

Also fassen wir zusammen:

Biodiversität bedeutet

  • besonders vielfältige Lebensräume oder Ökosysteme
  • besonders viele verschiedene Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien)
  • besondere genetische Vielfalt innerhalb einer Art, also z.B. besonders viele verschiedene Arten von Äpfeln

Was genau wird denn nun in diesem Naturschutzprojekt MoSaikTeil gemacht?

Was macht MoSaiKTeil in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft?

Das Naturschutzprojekt MoSaiKTeiL greift die kleinteilig wechselnden Zwischenmoore, Sandheiden, Kiefernwälder und Teiche der Lausitz auf. Gemeinsam mit den Bewohner*innen, Teichwirt*innen, Naturschützer*innen, Umweltbildner*innen und Behörden sollen konkrete Maßnahmen umgesetzt und zukunftsweisende Ansätze zum Erhalt der biologischen Vielfalt dieser Hotspotregion entwickelt.

 

Namensgebend für die Landschaft sind ja die Teiche. Tatsächlich sind hier über 1000 vom Menschen angelegte Teiche. Seit mehr als 500 Jahren wird hier auf traditionelle Weise Fischzucht betrieben. Übrigens ist das Gebiet seit 1996 UNESCO Biosphärenreservat.

Die Teiche sind menschgemacht. Das bedeutet, durch Zuflüsse und Nährstoffeintrag entstehen wieder Sedimente im Teich. Langfristig würden die Teiche verlanden. Verschwinden, trochen fallen. Und dadurch würden dann die Tiere die jetzt hier in so vielen Arten vorhanden sind, verschwinden. Das bedeutet, die Teiche müssen gepflegt werden, wie eh und je, damit sich Seeadler, Kraniche, Eisvögel, Rohrweihen, Reiher, Bekassine und Pflanzen wie der Große Wiesenknopf, Sibirische Schwertlilie, Natternkopf, Graue Skabiose, Kuckucks-Lichtnelke und Wiesen-Salbei weiterhin hier wohl fühlen.

Die Teiche und Moore

Ziel ist es, den Lebensraum zu erhalten. Und das ist harte Arbeit. Spätestens alle 30 Jahre müssen die Teiche entschlammt werden. Tatsächlich wurden wohl früher die Teiche von Hand entschlammt. Heute ist Gottseidank einige Technik da.

Spannender Side-Fact. Teichwirtschaft ist wirtschaftlich solide, aber auch kostenintensiv. Man sagt, dass eine Teichwirtschaft 30 Jahre gut wirtschaften muss, um das Geld für die Entschlammung eines Teiches zusammen zu bekommen. Von daher hilft das Projekt auch ganz konkret den Teichwirten und dem Erhalt dieser historischen Bewirtschaftungsform.

Doch verlassen wir mal die Teiche. Lang ist der Weg nicht, denn das Charakteristikum der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft sind genau die kleinteiligen dicht aneinanderliegenden ganz unterschiedlichen Landschaften. Komm mit mir auf einen virtuellen Sprung ins Moor.

Immer mehr Moore verschwinden. Durch Austrocknung. Deshalb hat sich das Projekt der Wiedervernässung von Mooren gewidmet. Wie das gemacht wird, erzählt Lisa Janke.

Doch wir haben mit Wasserknappheit zu kämpfen. Überall in Deutschland aber besonders in der Lausitz. Hinzu kommen noch die Grundwasserabsenkungen durch Tagebau und Co. Umso wichtiger ist es, dass jetzt angestoßen wird, was langfristig wieder Moor werden soll. 

Fleischfressende Pflanzen in der Oberlausitz und Wasser für Berlin

Christian Düker macht noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: Das Wasser der Spree, das die Lausitz bestimmt und auch das Teichgebiet speist, dient der Wasserversorgung der Hauptstadt. Je länger das Wasser in der Region gehalten werden kann, desto besser das Wasser für Berlin.

Eine Pflanze die ganz besonders ist, ist das Torfmoos. Das Torfmoos kann enorm viel Wasser speichern, ist eine Art natürlicher Schwamm.

Ich frage mich (und auch Lisa Janke und Christian Düker) was passiert denn konkret, um Moore zu erhalten? Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Landwirte, die diese Flächen warum auch immer in ihrer Bewirtschaftung haben, nicht gerade freuen, wenn diese häufig als Wiesen genutzten Flächen wieder Moor werden sollen. 

Lisa Janke erklärt, dass Naturschutz nicht nur Bäume pflanzen und Gräben zuschütten oder Teiche entschlammen bedeutet. Ein ziemlich großerTeil der Arbeit betrifft auch das Kommunizieren und Verhandeln. Es müssen z.B. Eigentümer ausfindig gemacht werden, Gespräche geführt, die jeweiligen Interessen abgewogen und dann ggf. Käufe durchgeführt und Ersatzflächen für den Verkäufer gefunden werden. Ein zähes Ringen um Interessenausgleich zwischen Natur und Mensch. Ich persönlich lerne – in jedem Podcast, dass es keinesfalls darum geht, das eine also z.B. Landwirtschaft zu verteufeln und das andere, z.B. unberührte Natur in den Himmel zu heben.

Es ist eben ein Dialog. Eine Abwägung von Interessen.

Mir ist klar, dass ein Flächeneigentümer lieber Weideflächen als “nutzlose” Moore haben möchte.

Hier ist die Moderationsrolle so enorm wichtig. Und ehrlich, das war mir vor diesem Podcast überhaupt nicht so klar, wie wichtig das Akzeptanz schaffen auf beiden Seiten ist. 

Eine ganz besondere Pflanze aus dem Moor haben wir. Das ist der Sonnentau. Und der ist hochspannend. Sie ist keineswegs Vegetarier.

Und den Sumpfporst. Hat eine berauschende Wirkung,

Feuerspucker Pflanzen und der Kiefernwald

Doch jetzt verlassen wir die Moore der Oberlausitz und springen aufs nächste Fleckchen Erde. Meine geliebten Kiefernwälder. Ich weiß, dass es Forst ist – wirtschaftlich genutzt und eine Monokultur darstellt. Ich mag diese Wälder trotzdem sehr gerne. Sie sind für mich Heimat.

Streurechen. So wurde der Boden extrem nährstoffarm. Nun wird das Streurechen durchgeführt, um Bärlapp, Wintergrün, Erdflechten und holzbewohnende Käfer.

Ganz besonders ist der Keulenbärlapp. 

Das sind Feuerspucker Pflanzen.

Ich bin begeistert: Feuerspucker Pflanzen in nährstoffarmen Kiefernwäldern. Mich fasziniert immer wieder mit welcher Beobachtungsgabe und welcher Lust am Ausprobieren die Pflanzen in ihren Eigenheiten und Wundern genutzt wurden. Und nun haben wir eben Feuerspucker Bärlapp gefunden. Hach, ich liebe diese Geschichten. Der Bärlapp braucht also recht offenen Waldboden ohne viele Nährstoffe. Übrigens finde ich es auch bemerkenswert, dass, egal, wie der Mensch bewirtschaftet und tut und macht, sich immer wieder geduldige Pflanzen und Tiere finden, die diese Bedingungen feiern und sich dort ansiedeln. Damit will ich keinesfalls dem weiteren Raubbau der Natur Tür und Tor öffnen sondern weiter gerne daran erinnern, dass  wir Menschen TEIL der Natur sind. Wir stehen nicht drüber oder drunter. Sondern wir sind im Mosaik quasi ein Teilchen, das seinen Beitrag dazu beisteuert, wie es um die Natur bestellt ist. Leider vergessen wir das manchmal und das macht mich traurig, wenn achtlos mit der Natur umgegangen wird. Wirtschaften im Einklang mit der Natur. Oder mit LausitzLiebe. Das fänd ich toll. 

Doch zurück in den Kiefernwald. Da gibt es zum Beispiel den Kiefernprachtkäfer, die im Tothholz der Kiefern ihr Larvenstadium durchleben. Der Kiefernprachtkäfer braucht Totholz und eben Kiefern. 

Übrigens: Es gibt auch Streurechen-Aktionen im MoSaiKTeil Projekt. 

Der Ameisenbär in der Sandheide

Und weiter gehts zur Sandheide. Der trockenste Standort in der Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft. Was hat es denn mit der Sandheide auf sich?

Das sind extreme Standorte. Trocken. Mit starken Temperaturschwankungen zwischen der Tageshitze und der kühlen oder auch kalten Nacht. Hier können nur ganz wenige, sehr spezialisierte Arten überleben.

Klasse. Eine Kreiselwespe, die zur Sandschauflerin wird.
Und was ist das Lieblingstier von Lisa Janke?

Das ist der Ameisenlöwe, der Konstrukteur und lauernder Jäger. 

Scheint ja ein berechnendes eigenwilliges Tierchen zu sein, der Ameisenlöwe. Was es so alles für Tiere gibt in unserer Lausitz. Da geht mein Herz mal wieder in LausitzLiebe-Modus.

Mitwirken ist ausdrücklich erlaubt. Denn Sandlebensräume existieren nur, wenn sie gepflegt werden. Das bedeutet, Gehölze müssen entfernt werden. 

Ich habe noch mal etwas indiskret gefragt, ob es einen Lieblingsplatz für die Projektmitarbeitern von MoSaiKTeil gibt?

Zukunftswünsche für die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft

Was wünscht sich Lisa Janke für die Zukunft?

Dass die Menschen hier stolz auf die Vielfalt ihrer Landschaften sein mögen. 

Und nicht nur darauf, denn wir befinden uns auch mitten im Sorbischen Siedlungsgebiet. Ein kleines Volk, das vielerlei besondere Bräuche, Ihre eigene Sprache und Kultur seit vielen Jahrhunderten hier lebt. Auch das ist Vielfalt, alleine wenn ich an die sorbischen Märchen und Sagenfiguren von Krabat bis Wassermann erinnere.

Dem habe ich gar nichts mehr dazu zufügen. Denn das ist genau der Grund, warum ich diesen Podcast, übrigens komplett ehrenamtlich produziere. Ich finde, dass es sooo viel Schönes und Erhaltenswertes und auch Bestaunenswertes hier bei uns in der Lausitz gibt, das ist das was ich erzählen möchte. 

Warum LausitzLiebe?

Ich hoffe, du hattest Spaß und Freude an diesem Bericht. Mein Anliegen ist es, mit diesen – übrigens recht aufwändigen Berichten und Folgen, noch mehr Menschen für die Natur hier in der LausitzLiebe Region zu interessieren und zu begeistern. Wenn mir das heute gelungen ist, ist alles gut. Wenn du diese Folge unterstützen möchtest, dann Like sie, gib 5 Sterne, teile die Folge und empfehle LausitzLiebe Podcast gern an Menschen weiter von denen du weißt, dass sie die Natur in der Lausitz ebenso lieben wie wir beide. Nun verabschiede ich mich von dir, und wünsche dir wie immer ganz viel LausitzLiebe. Deine Naturpilgerin Jana Wieduwilt